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Plagiats-Vorwürfe gegen Grünen-Chefin Baerbock: Debatte nimmt Fahrt auf

ZDF-Experte schaltet sich ein  

Debatte um Plagiats-Vorwürfe gegen Baerbock nimmt Fahrt auf

30.06.2021, 09:57 Uhr
Plagiats-Vorwürfe gegen Grünen-Chefin Baerbock: Debatte nimmt Fahrt auf. Start des Wahlkampfes von Annalena Baerbock: Im Vergleich zu früheren Vorwürfen gegen Baerbock reagierte die Parteispitze dieses Mal mit äußerster Entschlossenheit. (Quelle: dpa/Soeren Stache)

Start des Wahlkampfes von Annalena Baerbock: Im Vergleich zu früheren Vorwürfen gegen Baerbock reagierte die Parteispitze dieses Mal mit äußerster Entschlossenheit. (Quelle: Soeren Stache/dpa)

Die Diskussion um angeblich abgeschriebene Passagen im Buch von Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock geht weiter. Auch ein ZDF-Experte schildert seine Sicht der Dinge – und wird dafür scharf kritisiert. 

Nachdem der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber Annalena Baerbock vorgeworfen hat, in ihrem Buch abgeschrieben zu haben, ist in den sozialen Netzwerken eine Debatte rund um das Thema entbrannt. Die Grünen hatten Webers Ausführungen zuvor kategorisch zurückgewiesen und als "Rufmord" bezeichnet. Hier lesen die die Hintergründe.

Auf Twitter schaltete sich unter anderem der ZDF-Rechtsexperte Felix Zimmermann ein, um in 15 Beiträgen zu erklären, warum die Vorwürfe gegen die Grünen Kanzlerkandidatin haltlos seien. "Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock. Was ist dran? Spoiler: NICHTS, da bloße Übernahme von Sachinformation, wörtlicher Rede und zudem kein Zitiergebot in Populärliteratur", heißt es in seinem ersten Tweet. "Jeder Autor, der ein Populärliteratur, auch ein Sachbuch schreibt, hat irgendwo seine Informationen her", schreibt er weiter. 

Neben vielen anderen Nutzern antwortete darauf dann auch der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch. Bei den Vorwürfen gegen Baerbock gehe es nicht vorrangig um die juristische Fragestellung der Urheberrechtsverletzung sondern darum, mit der Herkunft von Ideen und Formulierungen transparent umzugehen. Das müsse auch in der Populärliteratur passieren.

"Bei wem die 'Schuld' für Plagiate, Fehlinformationen oder langweilige Banalitäten am Ende liegt  – Ghostwriter*in, Autor*in, Redakteur*in, Lektor*in, Verlag – lässt sich natürlich nicht mehr feststellen. Und das ist das eigentliche Problem", schreibt Stefanowitsch. Populärwissenschaftliche Bücher seien daher problematisch. "Diese Textsorte ist eine Plage, niemand braucht diese Bücher, und niemand sollte sie schreiben (müssen)." Aber man solle sie auch nicht nutzen, "um irgendeinen Unfug über grundsätzlich fehlende Standards" zu verbreiten.

Baerbocks Buch "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern" war am 21. Juni erschienen. Es handelt sich dabei nicht um einen akademischen Text, für den zwingend strenge Standards wissenschaftlichen Arbeitens gelten. Baerbock breitet in dem 240 Seiten umfassenden Buch grüne politische Konzepte aus und verbindet das mit persönlichen Erlebnissen. Fußnoten, mit denen sie auf Quellen verweisen könnte, nutzt sie nicht. Der Medienwissenschaftler Weber, der sich bereits seit Mai auch mit Ungenauigkeiten im Lebenslauf Baerbocks befasst hat, zählt in seinem Beitrag mehrere Textpassagen mit Parallelen zu anderen Veröffentlichungen auf. 

Im Vergleich zu früheren Vorwürfen gegen Baerbock reagierte die Parteispitze dieses Mal mit äußerster Entschlossenheit. In einer E-Mail an Unterstützer mit dem Betreff "Das ist Rufmord!" schrieb Bundesgeschäftsführer , es handle sich um eine Kampagne und schlug vor: "Twittere selbst dazu oder retweete und zeige damit volle Solidarität mit Annalena!" In der E-Mail soll Kellner laut einem Bericht der "Bild" zudem auch auf die Tweets des ZDF-Experten verwiesen haben, mit den Worten: "In diesem Twitter-Thread kannst Du alles über die haltlosen Vorwürfe nachlesen." Zimmermann habe demnach drei Jahre lang als Medienanwalt in der Kanzlei gearbeitet, die Baerbock derzeit vertritt.

Auch mehrere Nutzer auf Twitter hinterfragten, warum der gelernte Journalist so ausgiebig zu dem Thema Stellung bezogen hatte. Auf den Beitrag eines Nutzers, dass er als Journalist bei einem solchen Thema doch "neutral" hätte bleiben sollen, antwortete Zimmermann mit einem Verweis auf einen seiner früheren Tweets zum ehemaligen Verfassungsschutzpräsident Hans Georg Maaßen (CDU): "Nicht neutral wäre es dann, wenn ich nicht gleichzeitig andere kritisieren/verteidigen würde. Dass ich dies ständig tue, können Sie meiner Time-Lime entnehmen, sogar Herrn Maaßen verteidige ich wenn m.E. erforderlich."

Verwendete Quellen:

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