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Aktivistinnen befragen Laschet – so bereiteten sie sich vor

Wirbel um Wahlsendung  

Wer die Aktivistinnen für die Laschet-Show vorbereitet hat

16.09.2021, 16:51 Uhr
Aktivistinnen befragen Laschet – so bereiteten sie sich vor. Armin Laschet: Der CDU-Kanzlerkandidat wurde am Mittwoch in der ARD-Wahlkampfarena mit Fragen von zuvor gecoachten Aktivistinnen konfrontiert. (Quelle: dpa/Axel Heimken)

Armin Laschet: Der CDU-Kanzlerkandidat wurde am Mittwoch in der ARD-Wahlkampfarena mit Fragen von zuvor gecoachten Aktivistinnen konfrontiert. (Quelle: Axel Heimken/dpa)

Zwei Aktivistinnen richten in der ARD-"Wahlarena" kritische Fragen an den Unionskanzlerkandidaten Armin Laschet. Der Sender muss dafür viel Kritik einstecken. Aber ist das überhaupt ein Problem? 

Aufregung um die ARD-"Wahlarena": Am Mittwochabend stellte sich CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet dort den Fragen der Bürger. In dem Format gehe es darum, "die Sorgen, Probleme und Anliegen der Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt zu stellen", wie es die ARD auf ihrer Website beschreibt.

Doch unter den Fragestellern befanden sich auch zwei Aktivistinnen, die vor der Sendung von einer linksgerichteten Agentur auf ihren Auftritt vorbereitet worden waren. Die ARD wird deswegen für ihre Publikumsauswahl kritisiert. Aber der Reihe nach. 

Was ist passiert? 

Eine der Zuschauerinnen im ARD-Publikum war eine Schülerin und Klimaaktivistin von "Fridays for Future", die Laschet zu dessen Plänen in den ersten 100 Tagen als möglicher Kanzler befragte. Eine eigentlich harmlose Frage. Schließlich hatte Laschet bereits am Montag Sofortmaßnahmen vorgestellt, sollte er zum Kanzler gewählt werden. 

Ihrer Frage schickte die Aktivistin jedoch harsche Kritik voraus. Die Klimapolitik des NRW-Ministerpräsidenten, etwa beim Hambacher Forst oder dem Kohlekraftwerk Datteln IV, sei in den vergangenen Jahren eine Katastrophe und von Fehlentscheidungen und Skandalen geprägt gewesen, so die 15-Jährige.

Laschet wies die Vorwürfe in seiner Antwort als unwahr zurück und erklärte anschließend knapp, was er in den ersten Zeit als Kanzler vorhabe. So plädierte Laschet für die schnellere Umsetzung von klimafreundlichen Projekten, wie etwa dem Ausbau von Bahnstrecken und Stromtrassen. Dafür brauche es schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Warum die Kritik?

Die Schülerin hatte Anfang August ein Training bei der linken Hamburger "Aktivistinnen-Agentur" absolviert. Hinter der Agentur steckt die Aktivistin Emily Laquer, die der Organisation "Interventionistische Linke" angehört. Diese wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet und als linksextremistisch eingestuft. 

Laquer hatte bereits vor Ausstrahlung der Sendung auf Twitter angekündigt, dass die von ihr trainierte Schülerin Laschet mit Fragen konfrontieren werde. Neben der 15-Jährigen war noch eine weitere von Laquer geschulte Aktivistin der "Black Lives Matter"-Bewegung unter den Fragestellerinnen. Eine dritte Aktivistin und Sprecherin der Organisation "Deutsche Wohnen & Co Enteignen", die ebenfalls im Vorfeld gecoacht wurde, nahm zeitgleich an der "Bundestagswahl-Show" des Privatsenders ProSieben mit Olaf Scholz teil.

Die 15-jährige Klimaaktivistin schrieb auf Twitter, sie sei "super vorbereitet, um ihn (Laschet, Anm d.Red.) fertig zu machen." Ihr Ziel war es also, den Unionskanzlerkandidaten schlecht aussehen zu lassen. Die viel diskutierte Frage: Ist eine Einladung in die ARD-"Wahlarena" trotzdem legitim?

Der FAZ-Journalist Philip Plickert fragte die ARD auf Twitter beispielsweise, wie es sein könne, eine speziell von Linken geschulte Aktivistin einzuladen. "Emily Laqueur (laut Verfassungsschutz eine Linksradikale) ist begeistert. Der Gebühren-Michel wird getäuscht". Es schade einer Talkshow ungemein, wenn das Publikum nicht aus normalen Bürgern bestehe, so Plickert weiter. 

Agenturbetreiberin Laquer erwiderte, dass sich jeder auf der Homepage des NDR für die Sendung bewerben konnte. Nach der Sendung sagte die Schülerin der "Bild", sie habe sich auf normalem Weg mit einer klimapolitischen Frage beworben und wurde daraufhin ausgewählt. Auch die "Fridays for Future"-Ortsgruppe Hamburg, der die 15-Jährige angehört, wies die Kritik zurück. Die Aktivistin habe sich selbst beworben. "Behauptungen, sie wurde 'geschickt' oder explizit für die Sendung 'geschult', sind unwahr", hieß es auf Twitter. 

Was sagt die ARD? 

Die ARD hat sich zu der Kritik bisher noch nicht geäußert. t-online hat den öffentlich-rechtlichen Sender um eine Stellungnahme gebeten. 

Was ist das für eine Agentur? 

Die von Emily Laquer betriebene "Aktivistinnen-Agentur" bietet diverse Workshops und Trainings für Aktivisten sowie Kontaktvermittlungen für Journalisten an. "In der Primetime kommen soziale Bewegungen kaum vor. Das wollen wir ändern", heißt es auf der Homepage der Agentur. Und weiter: "Ob Talkshow, Live-Interview in TV und Funk, O-Ton in den Nachrichten oder Zeitungsinterview: Wir empowern Aktivist:innen, sich vor Kameras und Mikrofone zu trauen und bauen Brücken in die Redaktionen."

Die Aktivistinnen, die am Mittwochabend in der ARD-Wahlarena waren, hatten laut dem Twitterprofil der Agentur gemeinsam bei einem Talkshowtraining teilgenommen, das laut Website vom 6. bis 8. August stattfand. Eine t-online-Anfrage an Emily Laquer, wie die Teilnehmerinnen konkret auf Fernsehauftritte vorbereitet werden, blieb bisher unbeantwortet.

Ist das ein Skandal? 

Nein. Die Aktivistinnen stellten sich in der Sendung transparent auch als solche vor. Zudem ist es nicht unüblich, dass Gäste in politischen Fernsehformaten vor ihren Auftritten in Seminaren und Workshops vorbereitet werden. Auch Spitzenpolitiker wie Armin Laschet erhalten solche Trainings. Agenturen dafür gibt es über das gesamte politische Spektrum verteilt.

Außerdem disqualifiziert sie ihr Engagement bei politischen Organisationen nicht automatisch für die Teilnahme an Fernsehformaten wie der "Wahlarena". Neben ihrer Rolle als Aktivistinnen sind sie schließlich auch Bürgerinnen des Landes. 

Mit diesem Konflikt ist die ARD nicht das erste Mal konfrontiert. Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, wurde in der ersten "Wahlarena"-Sendung von einem Mitarbeiter eines Energiekonzerns und einem Vertreter der AfD mit Fragen konfrontiert, wie das Portal "Übermedien" nach der Sendung berichtete. Während der Sendung wurden die Hintergründe der beiden Männer nicht eindeutig kenntlich gemacht. 

Der Bericht legt nahe, dass sie eine politische Agenda verfolgten. Der NDR wies die Kritik zurück. Man sei sich des Hintergrundes der Männer bewusst gewesen. "Politisches oder sonstiges Engagement sind generell kein Ausschlussfaktor, solange sie nicht über die kommunale Ebene hinausgehen", hieß es in der Erklärung an "Übermedien". Zudem sei es den Fragestellern selbst überlassen, inwieweit sie in der Livesituation ihren eigenen Hintergrund öffentlich machen. 

Verwendete Quellen:

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