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Markus Lanz: FDP-Politikerin nennt Kevin Kühnert (SPD) "nicht die hellste Kerze"

Wahl-Talk bei Lanz  

FDP-Politikerin nennt Kühnert "nicht die hellste Kerze"

Eine TV-Kritik von Christian Bartels

29.09.2021, 09:41 Uhr
Markus Lanz: FDP-Politikerin nennt Kevin Kühnert (SPD) "nicht die hellste Kerze". Marie-Agnes Strack-Zimmermann: Die FDP-Politikerin diskutierte bei "Lanz" mit SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. (Quelle: imago images/teutopress)

Marie-Agnes Strack-Zimmermann: Die FDP-Politikerin diskutierte bei "Lanz" mit SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. (Quelle: teutopress/imago images)

Bei "Markus Lanz" diskutierten SPD-Generalsekretär Klingbeil, eine Liberale und ein bekennender Laschet-Vertrauter über die anlaufenden Koalitionsgespräche. Nur zwischendurch wurde das Geplänkel unterbrochen.

Markus Lanz ließ keinen Zweifel: Gleich zu Beginn seiner ersten Talkshow nach der Bundestagswahl gratulierte er erst mal der SPD zum Wahlsieg – nicht ohne Hintersinn allerdings. Zur "exzellenten Kampagne", für die er SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil ausdrücklich lobte, habe gehört, den Cum-Ex-Skandal aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Anschließend wollte Lanz klären, ob es nun auf eine Ampel- oder doch eher eine Jamaika-Koalition hinausläuft.

Die Gäste:

Die Diskussion begann als freundlicher Austausch von Aussagen, die man in der umfangreichen Berichterstattung zum Wahlabend und seinen Folgen schon oft hören konnte. Bei den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen sollen die zahlreichen Fehler der 2017 gescheiterten Jamaika-Koalitionsverhandlungen vermieden werden, sagte Klingbeil. Und beklagte dann, dass inzwischen alle dem SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz zu "Platz 1" gratuliert hätten – außer Armin Laschet.

"Wir haben im Wahlkampf schon die Hälfte der Zeit über Quark diskutiert, und das machen wir munter weiter", entfuhr es da Herbert Reul, der als Innenminister der bisher von Laschet geführten Düsseldorfer Landesregierung zu dessen Vertrauten zählt. Sollte heißen: Es gibt viel wichtigere Themen als Gratulationen.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann gratulierte Markus Lanz dennoch – ironisch – zum Deutschen Fernsehpreis, den er kürzlich erhielt. Als Lanz die FDP-Vertreterin später fragte, ob sie denn die nächste Verteidigungsministerin werde, gratulierte sie ihm – noch ironischer – gleich noch mal. Sollte heißen: Vor den Koalitionsverhandlungen wollen wirklich alle Fehler vermeiden und sich nicht etwa frühzeitig öffentlich auf Posten oder andere Wünsche festlegen. Das könnte ein Indiz für erfolgreiche Gespräche sein. Bloß für Markus Lanz' Talkshow war es ungünstig. Sie bestand aus überdurchschnittlich viel mal freundlichem, mal scharfem Geplänkel bis Gefrotzel. Arg oft wurde interpretiert, was abwesende Politiker anderswo gesagt und damit gemeint hatten.

Alle sind bemüht, Fehler zu vermeiden

Immerhin berichtete "Welt"-Journalist Robin Alexander über die Unionsfraktionssitzung vom Nachmittag. Da habe Laschet, "was ja auch sein Talent ist, in letzter Minute eine Lösung hinbekommen" und sei daher immer noch im Spiel. Auch wenn Alexander die unionsinternen Konflikte für bestenfalls "vertagt" halte, bleibe möglich, dass die SPD im "Rausch des Sieges" taktische Fehler begehe, etwa indem sie unterschätzt, wie viel grünes Spitzenpersonal schwarz-grüne Koalitionen kennt und schätzt. "Wenn Laschet im Spiel bleibt, gibt er der SPD die Möglichkeit, es zu vermasseln", das sei der Kern seiner Strategie. Ein im Studio-Hintergrund eingeblendetes Foto, das FDP-Mann Kubicki und den Grünen Habeck gemeinsam lachend zeigte, illustrierte, worauf Alexander anspielte.

Konsequent bemühten sich alle Politiker im Studio weiter, Fehler zu vermeiden. Reul sagte, Laschet habe parteiintern durchaus Verantwortung übernommen. Es wäre aber auch "verantwortungslos, wenn er jetzt hinschmeißen würde". Strack-Zimmermann nannte den SPD-Mann Kevin Kühnert, der gerne ihre FDP kritisiert, "nicht die hellste Kerze auf der sozialdemokratischen Torte". An so einer freundlichen Beleidigung dürfte kein Gespräch scheitern. Und Klingbeil nannte als ein Erfolgsrezept seines Wahlkampfs, dass die SPD ihre Themen wie etwa die Forderung nach 12 Euro Mindestlohn konsequent durchgehalten habe und daher auch, anders als die CDU, durchgedrungen sei.

Auch über ein Streitthema wird nicht gestritten

Erst nach einer Stunde holte Lanz ein konkretes Thema aufs Tapet, bei dem schon deshalb Streit zwischen der SPD und dem potenziellen Koalitionspartner FDP drohen dürfte, weil selbst innerhalb der SPD gestritten wurde: die Bewaffnung von Drohnen zum Schutz deutscher Soldaten. FDP-Verteidigungsexpertin Strack-Zimmermann ist klar dafür. Klingbeil allerdings auch. Er habe seinen Parteifreunden, die eine Entscheidung der Groko für solche Drohnen verhindert hatten, öffentlich widersprochen. Zu echtem Streit kam es also erneut nicht.

Fazit: Während sonst bei Lanz häufig handfest über strittige Themen diskutiert wird, blieb es in der ersten Show nach der Wahl bei manchmal pointiertem, aber vor allem von Taktik geprägtem, daher unverbindlichem Geplänkel. Das ergab durchaus ein Stimmungsbild und den Eindruck, dass hinter den Kulissen konstruktiv diskutiert werden wird. Für eine politische Talkshow von über einer Stunde Länge war es trotzdem dünn. Für die kommenden Tage und Wochen, die die Koalitionsverhandlungen gewiss dauern werden, muss Markus Lanz sich mehr einfallen lassen.

Verwendete Quellen:
  • Markus Lanz vom 28. September 2021 

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