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Jung, queer, Wikinger: Diese Abgeordneten sitzen im 20. Bundestag

Neues Parlament startet  

Jung, queer, Wikinger – wer sitzt jetzt im Bundestag?

Von Nora Schiemann

26.10.2021, 12:24 Uhr
Jung, queer, Wikinger: Diese Abgeordneten sitzen im 20. Bundestag. Nyke Slawik: Die grüne Politikerin ist eine der ersten Transfrauen im Bundestag. (Quelle: imago images/Future Image)

Nyke Slawik: Die grüne Politikerin ist eine der ersten Transfrauen im Bundestag. (Quelle: Future Image/imago images)

Zwei queere Personen, viele junge Abgeordnete, ein Politiker, der auf Wikinger macht: Der 20. Deutsche Bundestag ist diverser denn je und hält einige Überraschungen bereit. Eine Auswahl.

Am heutigen Dienstag versammeln sich die Mitglieder des neu gewählten Bundestags zum ersten Mal. Insgesamt 736 Abgeordnete sind eingezogen, noch mal mehr als im Rekordparlament der vergangenen Legislaturperiode.

Neben altbekannten Gesichtern tummeln sich viele neue. Mit dem Schrumpfen der Volksparteien hat sich nicht nur die Parteienlandschaft verändert. Auch die Abgeordneten selbst sind vielfältiger. Wer ist in der neuen Wahlperiode das jüngste, wer das älteste Mitglied auf den blauen Stühlen? Und wer fällt besonders auf? Eine Auswahl.

Die Jüngste

Das Durchschnittsalter aller Abgeordneten ist im Vergleich zu 2017 von rund 49 auf 47 Jahre gesunken. Während die AfD mit 51 Jahren das höchste Durchschnittsalter aufweist, hat die Grünen-Fraktion mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren die jüngsten Mitglieder. 

Emilia Fester, genannt "Milla", ist mit ihren 23 Jahren die Jüngste im Deutschen Bundestag. Sie ist eine von 22 Grünen-Abgeordneten, die jünger als 30 Jahre alt sind. Fester hat sich als Kandidatin der Grünen Jugend Hamburg für die diesjährige Wahl aufstellen lassen. Die Studentin arbeitete schon vor der Bundestagswahl in mehreren Funktionen für die Partei: So war sie frauenpolitische Sprecherin der Grünen in Hamburg sowie Mitglied des Landesvorstandes.

Emilia Fester: Die Politikerin ist mit 23 Jahren die jüngste Bundestagsabgeordnete. (Quelle: imago images/Willi Schewski)Emilia Fester: Die Politikerin ist mit 23 Jahren die jüngste Bundestagsabgeordnete. (Quelle: Willi Schewski/imago images)

Der Ansturm der jungen Generation im Bundestag hat auch politische Folgen: Klimaschutz und Energiewende rücken verstärkt in den Vordergrund. Auch Fester kämpft unter anderem für Klimagerechtigkeit, wie sie auf ihrer Webseite schreibt. Die 23-Jährige fordert etwa eine deutlich höhere CO2-Steuer und eine "Klimadividende", die jedem Bürger jährlich ausgezahlt wird und dazu anleiten soll, weniger Energie zu verbrauchen. 

Der Älteste

Alexander Gauland und Fester trennen 57 Jahre. Der Ehrenvorsitzende der AfD ist das älteste Mitglied im Bundestag, er feierte am 20. Februar seinen 80. Geburtstag. Damit ist er ein Jahr älter als das zweitälteste Parlamentsmitglied – sein Parteikollege Albrecht Glaser. Gauland war über 40 Jahre Mitglied der CDU, bis er 2013 die AfD mitgründete. In der vergangenen Legislaturperiode war er gemeinsam mit Alice Weidel Fraktionsvorsitzender der Partei im Bundestag. 

Alexander Gauland: Der AfD-Politiker ist der älteste Bundestagsabgeordnete. (Quelle: imago images/Political-Moments)Alexander Gauland: Der AfD-Politiker ist der älteste Bundestagsabgeordnete. (Quelle: Political-Moments/imago images)

Gauland war über Jahre eine der mächtigsten Figuren in der Partei. Er hat maßgeblich zu einem weiteren Rechtsruck der AfD beigetragen. Das Lager um den scheidenden Parteichef Jörg Meuthen wirft Gauland vor, das radikale Lager um den Thüringer Rechtsaußen Björn Höcke unterstützt zu haben. Die AfD wird wohl auch in der nächsten Legislatur politisch weitgehend isoliert bleiben. Die FDP, die in der vergangenen Legislatur neben der AfD-Fraktion saß, hatte zuletzt sogar die Sitzordnung ändern wollen. Es sei "kein Spaß" neben den AfD-Abgeordneten zu sitzen, hieß es bei den Liberalen. Wie es aussieht, werden sie wohl erneut in den sauren Apfel beißen müssen.

Die ersten Transfrauen

Tessa Ganserer: Die Abgeordnete will sich unter anderem für eine offene und tolerantere Gesellschaft einsetzen. (Quelle: imago images/Future Image)Tessa Ganserer: Die Abgeordnete will sich unter anderem für eine offene und tolerantere Gesellschaft einsetzen. (Quelle: Future Image/imago images)

Dass der Bundestag beim Abbilden der gesellschaftlichen Realität nun langsam in die Gänge kommt, zeigen Tessa Ganserer und Nyke Slawik. Die Abgeordneten der Grünen ziehen als erste offen lebende Transfrauen ins Parlament ein. 

Die 27-Jährige Slawik ist seit 2013 Mitglied bei den Grünen und kommt aus Nordrhein-Westfalen. Sie will sich nach eigenen Angaben im Bundestag für eine "vielfältige Gesellschaft und eine Stärkung der Menschenrechte" einsetzen. Eine weitere Herzensangelegenheit sei ihr eine sozial gerechte Klimapolitik, schreibt sie auf ihrer Webseite. Sie fordert unter anderem einen höheren Mindestlohn und mehr Investitionen in erneuerbare Energien. 

Die 44-jährige Ganserer war vor ihrem Einzug in den Bundestag Abgeordnete im bayerischen Landtag, wo sie seit 2013 saß. In einem Interview mit t-online verriet sie, welche queeren Themen ihr besonders am Herzen liegen. Sie fordert unter anderem eine Reform des Abstammungsrechtes, das verheiratete lesbische Frauen und Transpersonen benachteiligt, gemeinsam ein Kind zu bekommen. Zudem will sie das Transsexuellengesetz durch ein Selbstbestimmungsgesetz ablösen, das frei von Diskriminierung gegen Transpersonen ist. 

Der Einzelkämpfer aus dem Norden

Es ist ein Comeback nach mehreren Jahrzehnten: Stefan Seidler zieht als Einzelkämpfer für die dänische Minderheitspartei aus Schleswig-Holstein in den Bundestag ein. Zuletzt war der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) in den 1960er-Jahren im Bundestag vertreten. Seidlers Partei profitiert dabei von Sonderrechten, die Parteien nationaler Minderheiten gewährt werden: Die SSW ist von der Fünfprozenthürde befreit, muss also lediglich genug Stimmen für einen der blauen Sitze im Bundestag erlangen. In ihrem Wahlkampfspot zeigte sich die Partei bereits kämpferisch und ließ einen Wikinger die wichtigsten Wahlversprechen vortragen. 

Stefan Seidler: Der Bewerber des Südschleswigschen Wählerverbands (SSW), feiert seine Wahl. (Quelle: dpa/Axel Heimken)Stefan Seidler: Der Bewerber des Südschleswigschen Wählerverbands (SSW), feiert seine Wahl. (Quelle: Axel Heimken/dpa)

Seidler möchte den Fokus seiner Arbeit auf regionale Entwicklung setzen – und dabei die dänische Minderheit ins Licht der bundespolitischen Agenda rücken. Der 41-jährige Flensburger setzt auf "skandinavische Werte wie Vertrauen, Respekt und Gleichheit".

Auch in einer weiteren Hinsicht ist Seidler Einzelkämpfer: Gab es im 19. Deutschen Bundestag noch neun fraktionslose Vertreter, steht Seidler nach der diesjährigen Wahl nun allein da. 

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