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Sigmar Gabriel spricht USA unter Donald Trump Führungsrolle ab

"Schwächung des Westens"  

Deutschland bäumt sich gegen Trump auf

30.05.2017, 10:10 Uhr | dpa

Sigmar Gabriel spricht USA unter Donald Trump Führungsrolle ab. Angela Merkel hat sich klar von Donald Trumps Politik distanziert. (Quelle: dpa)

Angela Merkel hat sich klar von Donald Trumps Politik distanziert. (Quelle: dpa)

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat der US-Regierung unter Präsident Donald Trump eine Schwächung des Westens vorgeworfen und zum Widerstand aufgerufen. "Wer dieser US-Politik nicht entgegen tritt, macht sich mit schuldig", sagte Gabriel. Außerdem sprach er vom "Ausfall der Vereinigten Staaten als wichtige Nation".

"Der Westen" sei "kleiner geworden, mindestens ist er schwächer geworden", ergänzte der deutsche Außenminister mit Blick auf die Klima- und Rüstungsexportpolitik von Trumps Regierung. Wer den globalen Klimawandel durch Rückschritte in der Umweltpolitik beschleunige, mehr Waffen in Krisengebiete verkaufe und Konflikte zwischen Religionen anheize, sorge dafür, dass sich Flüchtlingsströme nach Europa vergrößerten, kritisierte Gabriel.

"Die kurzsichtige Politik der amerikanischen Regierung steht gegen die Interessen der Europäischen Union", erklärte Gabriel. Der "neue US-amerikanische Isolationismus" mache die Probleme nur größer und stelle eine Abkehr vom "westlichen Politik-Konsens" dar.

Gabriels verbale Abrechnung mit Trump sorgte in den USA für großes Aufsehen. CNN machte seine Aussagen unter dem Titel "Germany slams Trump" ("Deutschland macht Trump nieder") zum Aufmacher. 

Viel beachtete Rede von Merkel

Gabriel äußerte sich einen Tag nach den weltweit stark beachteten kritischen Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur globalen Rolle der USA und Großbritanniens. Bei einer Wahlkampfveranstaltung von CDU und CSU in München hatte sie am Sonntag die Europäer dazu aufgerufen, ihr "Schicksal" selbst in die Hand zu nehmen.

Linke-Chefin Katja Kipping bezeichnete Trump als "infantilen Narzissten". Deutschland müsse nun "mit dem Duckmäusertum gegenüber den USA" aufhören und "eine klare Kante gegen das Aufrüstungs-Diktat von Trump" zeigen, sagte sie der "Bild"-Zeitung (Montag).

Der Grünen-Außenexperte Jürgen Trittin stellte sogar die Partnerschaft mit Trump in der "Bild" grundsätzlich in Frage: "Ein Nationalist kann kein Partner sein in einer Welt, die nach mehr und nicht nach weniger internationaler Kooperation verlangt."

Die EU-Kommission verwies darauf, dass sie bereits Ideen vorgelegt habe, wie die Europäer bei besonders wichtigen Fragen wie Handel, Verteidigung und Sicherheit gemeinsam vorankommen können. "Dabei geht es genau darum sicherzustellen, dass Europa sein eigenes Schicksal bestimmt", sagte ein Sprecher vom Kommissionspräsident Juncker.

In den USA stoßen die Äußerungen Merkels auf ein geteiltes Echo. Der demokratische Abgeordnete Adam Schiff bedauerte ein Ende der besonderen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland. "Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten das einen großen Erfolg nennt, tut es mir leid", sagte Schiff.

Die "New York Times" zitierte den früheren US-Botschafter bei der Nato, Ivo Daalder, mit den Worten: "Dieses scheint das Ende einer Ära zu sein, in der die USA geführt haben und Europa gefolgt ist."

Richard Haas vom Think Tank Council on Foreign Affairs beschrieb Merkels Äußerungen als eine Wasserscheide in den Beziehungen beider Staaten. "So etwas haben die USA seit dem Zweiten Weltkrieg zu vermeiden versucht", sagte Haas.

Die Kolumnistin Anne Applebaum schrieb auf Twitter: "Seit 1945 haben erst die UdSSR und dann Russland versucht, einen Keil zwischen Deutschland und die USA zu treiben. Dank Trump hat Putin es geschafft.


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