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Bahn: Andreas Scheuer will mit TEE-Zügen EU-Bahnverkehr revolutionieren

Zurück in die Zukunft  

So will der Verkehrsminister das Bahnnetz revolutionieren

21.09.2020, 18:27 Uhr | dpa

Bahn: Andreas Scheuer will mit TEE-Zügen EU-Bahnverkehr revolutionieren. Ein "Trans Europ Express"-Zug auf dem Frankfurter Hauptbahnhof (Archivbild): Das neue Schnellzug-Netz soll an den legendären TEE anknüpfen. (Quelle: Kurt Zarski)

Ein "Trans Europ Express"-Zug auf dem Frankfurter Hauptbahnhof (Archivbild): Das neue Schnellzug-Netz soll an den legendären TEE anknüpfen. (Quelle: Kurt Zarski)

Einsteigen in Berlin, aussteigen in Barcelona: So stellt sich Andreas Scheuer die Zukunft auf Europas Schienen vor. Sie soll an glorreiche Zeiten anknüpfen.

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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat ein Konzept präsentiert, um den europaweiten Zugverkehr wieder aufleben zu lassen: Mit einer Kombination aus Hochgeschwindigkeits- und Nachtzügen will der Minister zunächst solche transeuropäische Strecken anbieten, für die keine größeren Infrastrukturmaßnahmen notwendig sind. Dazu gehören etwa durchgehende Verbindungen zwischen Amsterdam und Rom, Paris und Warschau oder Berlin und Barcelona. Mit Fahrzeiten von rund 13 Stunden sollen diese Städte untereinander erreichbar sein.

In einer zweiten Phase soll dann der süddeutsche Raum stärker mit Zielen in Ost- und Südeuropa sowie Skandinavien angebunden werden. Diese Trassen sollen dann möglich werden, wenn große Infrastrukturprojekte wie Stuttgart 21, die Fehmarnbeltquerung oder der Brenner Basistunnel fertig gestellt sind.

Scheuers Idee ist nicht neu

"TEE 2.0" nennt Scheuer sein neues Projekt, das an eine alte Idee anknüpft: Der "Trans-Europ-Express" (TEE) verband westeuropäische Metropolen miteinander, bevor er 1987 eingestellt wurde. Angetrieben von mächtigen Dieselloks sollte er schon damals eine komfortable Alternative zum Luftverkehr bieten.

Andreas Scheuer (CSU): Der Verkehrsminister will attraktive Bahnverbindungen zwischen den europäischen Metropolen schaffen. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)Andreas Scheuer (CSU): Der Verkehrsminister will attraktive Bahnverbindungen zwischen den europäischen Metropolen schaffen. (Quelle: Christophe Gateau/dpa)

Für den Betrieb des "TEE 2.0" schwebt dem Minister ein neues Unternehmen vor, das von den nationalen Eisenbahnunternehmen (EVU) getragen werden soll. "Diese Gesellschaft wird als eigenständiges EVU zugelassen, kauft für die Produktion jedoch Dienstleistungen bei den Muttergesellschaften ein", heißt es in Scheuers Entwurf.

In fünf Jahren sollen die ersten Züge rollen

"Unser Konzept wird die Grundlage sein, auf der die Unternehmen mit Hochgeschwindigkeitszügen und Nachtzügen attraktive Verbindungen fahren können", sagte Scheuer am Montag. "Ein solches TEE-Netz für Hochgeschwindigkeits- und Nachtzugangebote kann bis 2025 stehen, wir müssen den Einstieg jetzt schaffen." Der Minister wiederholte zudem die Forderung nach EU-Förderprogrammen, um Investitionen und Anschaffungen für die Bahnunternehmen attraktiver zu machen.

Schon Mitte Juni hatte der Minister neue Angebote für direkte Bahnverbindungen zwischen europäischen Großstädten ins Gespräch gebracht und angekündigt, während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft einen Vorschlag zu machen, wie der TEE über Grenzen hinweg organisiert werden könnte.

Auch innerhalb von Deutschland sollen mehr Züge fahren

Eine Wiederbelebung des TEE stößt vielerorts auf Zustimmung. "Erstmals ist es eine Notwendigkeit in Richtung Klimawandel", sagte am Montag etwa Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender beim Fahrgastverband Pro Bahn. "Und es wäre zweifelsfrei auch eine Ergänzung zum Deutschlandtakt." So will es auch Scheuer verstanden wissen. Mit dem Deutschlandtakt sollen Züge zwischen den großen Städten in Deutschland im Halbstunden-Rhythmus fahren. Es geht aber auch um bessere Anschlüsse zwischen Fern- und Regionalverkehr.

Mit einem potenziellen TEE-Netz will Scheuer den Takt auf Europa übertragen: "Der TEE 2.0 verknüpft die jeweils landesweit optimierten Systeme bestmöglich zu einem europäischen Angebot", heißt es im Konzept.

Scheuer sprach mit seinen Amtskollegen über den Plan

Der Ökologische Verkehrsclub Deutschland hofft, dass der neue TEE das Projekt wird, "das wieder deutlich macht, wofür es eine Europäische Union braucht: um Grenzen zu überwinden und Menschen zusammenzubringen." Jedoch brauche es dafür mehr als nur Lippenbekenntnisse. "Die EU selbst muss sich dem Projekt jetzt annehmen." Scheuer schaltete sich im Anschluss an sein Statement mit seinen EU-Amtskollegen zusammen, um dort über die Pläne zu sprechen.

Die Herausforderungen sind allerdings enorm – allein technisch. EU-weit gibt es unterschiedliche Strom- und Zugsicherungssysteme. Hinzu kommen verschiedene Vertriebs- und Tarifgestaltungen der nationalen Bahnunternehmen.

Zwei Themen könnten die Verkehrsminister spalten

Auch die Themen Nachtzüge und Reservierungspflicht dürften die Gemüter spalten. Während etwa die Österreichische Bundesbahn ihr Nachtzugangebot in den vergangenen Jahren kräftig hochgefahren hat, verweist die Deutsche Bahn stets auf die nach wie vor geringe Nachfrage und gibt sich zurückhaltend.

Allerdings hatte Bahnchef Richard Lutz sich zuletzt ebenfalls für mehr europäische Expressverbindungen ausgesprochen: "Denken wir an leistungsfähige, voll auf den Kunden ausgerichtete Expressverbindungen – sozusagen eine europäische Metropolen-S-Bahn von Stockholm bis Rom", schrieb er auf dem Jobportal LinkedIn. "Denken wir an grenzüberschreitende Regionalbahnnetze für den kleinen Grenzverkehr. Und denken wir an mehr Initiativen für länderübergreifendes Marketing."

Scheuer strebt noch in diesem Jahr eine gemeinsame Absichtserklärung der EU-Staaten für den Personenverkehr an. Für den Güterverkehr präsentierte er diese bereits am Montag: In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich die EU-Verkehrsminister zu mehr Engagement für besseren und schnelleren, grenzüberschreitenden Güterverkehr auf der Schiene.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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