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Umfrage: Reichen die Corona-Regeln aus? Das denken die Deutschen

Umfrage zur Pandemie  

Reichen die Corona-Maßnahmen aus? Das denken die Deutschen

10.12.2020, 17:53 Uhr
Umfrage: Reichen die Corona-Regeln aus? Das denken die Deutschen. Shopping in Essen während des Teil-Lockdowns: Sind die Deutschen mit den Maßnahmen zufrieden? (Quelle: imago images/Jochen Tack)

Shopping in Essen während des Teil-Lockdowns: Sind die Deutschen mit den Maßnahmen zufrieden? (Quelle: Jochen Tack/imago images)

Trotz Teil-Lockdown gibt es immer mehr Infektionen in Deutschland. Müssen mehr Einschränkungen her? Oder sind die Maßnahmen der Bundesregierung ausreichend? Deutschland ist in der Frage gespalten.

Heute hat Deutschland – mal wieder – einen traurigen Rekord aufgestellt: Innerhalb eines Tages wurden 23.679 Neuinfektionen von den Gesundheitsämtern registriert. Die Marke von 20.000 Menschen, die an den Folgen des Virus gestorben sind, wurde geknackt. In den vergangenen Tagen häufen sich die Nachrichten um einen "harten Lockdown" nach Weihnachten. In Sachsen, wo die Corona-Lage sich besonders zugespitzt hat, werden ab dem 14. Dezember alle Schulen und Kitas geschlossen, auch Teile des Einzelhandels sind betroffen.

Für Weihnachten und Silvester vereinbarten Bund und Länder Lockerungen des deutschlandweiten Teil-Lockdowns. Über die Feiertage sollte es erlaubt sein, zehn Personen aus unterschiedlichen Haushalten zu treffen. Schnell ruderten einzelne Länder zurück – in Berlin sind etwa nur Treffen von fünf Personen erlaubt. Was denken die Deutschen über die Maßnahmen – sind sie übertrieben oder doch angemessen? Und wie hat sich die Stimmung seit März verändert?

Das sagen die Deutschen zu den geltenden Maßnahmen

Wie aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für t-online hervorgeht, finden momentan 47,1 Prozent der Bevölkerung die Maßnahmen, die die Politik zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eingeleitet hat, nicht ausreichend. Denn im Hinterkopf haben viele womöglich das Weihnachtsfest, das in diesem Jahr nur mit großen Einschränkungen stattfinden kann. Würde man die Maßnahmen jetzt verschärfen – oder hätte man sie bereits verschärft – wäre die Unsicherheit, wie die Weihnachtstage verbracht werden dürfen, nun nicht so groß. Lediglich 30,6 Prozent empfinden die geltenden Maßnahmen als angemessen, 22,3 Prozent halten sie für übertrieben.

Zwischen den Anhängern der verschiedenen Parteien zeigen sich enorme Unterschiede. Sympathisanten von Union (51 Prozent ), SPD (etwa 53 Prozent), Grünen (gut 62 Prozent) und Linken (rund 50 Prozent) bewerten die Corona-Politik der Bundesregierung als nicht ausreichend. Anhänger der FDP und vor allem der AfD hingegen halten die beschlossenen Regeln zu großen Teilen für völlig angemessen: Gut 58 beziehungsweise über 73 Prozent von ihnen waren dieser Meinung.

Bei den Altersgruppen zeigen sich weniger Unterschiede. Bei den 18- bis 49-Jährigen halten rund 49 Prozent der Befragten die Maßnahmen für nicht ausreichend. Das denken auch 45 Prozent der Menschen über 65. Lediglich 12,1 Prozent dieser Altersgruppe halten die Regeln für übertrieben. Bei den 18- bis 49-Jährigen sind es um die 28 Prozent. Doch wie hat sich die Haltung gegenüber den Maßnahmen während der Corona-Monate verändert?

Entwicklung der Stimmung seit März

Die Unzufriedenheit mit den Maßnahmen war im März, kurz vor dem Lockdown, am höchsten. Am 18. März, als das Virus Deutschland schon erreicht hatte und Schulen und Kitas bereits geschlossen waren, waren 48,2 Prozent der Deutschen der Meinung, dass die Maßnahmen nicht ausreichend sind. Zwischen dem 23. März und 17. April schien die Zufriedenheit zuzunehmen. In dieser Zeitspanne herrschte bundesweit ein weitreichender Lockdown: Der Einzelhandel und Restaurants blieben geschlossen, es galten strenge Kontaktbeschränkungen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung beurteilte diese Regeln als angemessen.

Im Juni zeigt sich: Lediglich 13,7 Prozent der Menschen finden die damals herrschenden Maßnahmen nicht ausreichend. Zu diesem Zeitpunkt hat die Bundesrepublik die Corona-Pandemie im Griff. Die Kurve der Neuinfektionen ist extrem abgeflacht, viele Maßnahmen können gelockert werden. Knapp zwei Drittel der Bevölkerung halten die Lockerungen der Regeln für angemessen.

Mitte August – zur Reisehochzeit – steigen die Infektionen wieder an. In Deutschland gilt ab dem 8. August eine Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. 28,3 Prozent der Bewohner finden nicht, dass die Maßnahmen ausreichen. Mitte Oktober befindet sich Deutschland bereits mitten in der zweiten Welle. Bund und Länder einigen sich auf neue gemeinsame Einschränkungen. 

Reaktionen auf den Teil-Lockdown

In Regionen mit stark steigenden Corona-Zahlen sollen demnach private Feiern künftig auf maximal zehn Teilnehmer und zwei Hausstände begrenzt werden. In der Gastronomie soll eine Sperrstunde ab 23 Uhr gelten. Für knapp ein Drittel der Deutschen scheinen die Beschränkungen nicht auszureichen, circa ein Viertel hält die Maßnahmen für übertrieben.

Am 28. Oktober wird ein Teil-Lockdown beschlossen: Ab dem 2. November sollen soziale Kontakte auf zwei Haushalte begrenzt werden, die Gastronomie- und Tourismusbranche muss im gesamten Monat November schließen, ebenso Kultureinrichtungen. Schulen und Handel sollen dagegen am Laufen gehalten werden. Diese strengen Maßnahmen scheint die Bevölkerung zu begrüßen: Mehr als 42 Prozent halten die Maßnahmen zwischen Anfang und Mitte November für angemessen. Etwa 29 Prozent finden sie nicht ausreichend und rund 27 Prozent stufen sie als übertrieben ein. Kurz danach deutet sich die steigende Unzufriedenheit an, die bis heute anhält.

In die Umfrage flossen die Antworten von 10.045 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Personen ein, die vom 18. März bis 10. Dezember 2020 gefragt wurden: "Wie beurteilen Sie die Maßnahmen der Politik zur Bekämpfung der Corona-Pandemie?" Das Ergebnis ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren, der statistische Fehler der Gesamtergebnisse beträgt 2,5 bis 6,8 Prozentpunkte; für Teilgruppen kann er davon abweichen. 

Verwendete Quellen:
  • Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für t-online
  • Eigene Recherchen

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