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Tschentscher schie├čt bei "Markus Lanz" gegen S├Âder

Eine TV-Kritik von Nina Jerzy

Aktualisiert am 28.04.2021Lesedauer: 4 Min.
Peter Tschentscher (SPD): Hamburgs B├╝rgermeister will sich bei der Pandemie-Bek├Ąmpfung nicht Markus S├Âder als Vorbild nehmen.
Peter Tschentscher (SPD)(Archivbild): Hamburgs B├╝rgermeister will sich bei der Pandemie-Bek├Ąmpfung nicht Markus S├Âder als Vorbild nehmen. (Quelle: imago images)
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Tschentscher weist S├Âders Forderung nach einer Freigabe der Impfpriorisierung als unehrlich zur├╝ck. "Es ist dadurch nicht mehr Impfstoff da", sagt er bei Lanz. Palmer warnt: Wer jetzt J├╝ngere impfe, riskiere das Leben von ├älteren.

Die G├Ąste

  • Peter Tschentscher (SPD), Erster B├╝rgermeister Hamburgs
  • Jana Schroeder, Virologin
  • Boris Palmer (Gr├╝ne), Oberb├╝rgermeister T├╝bingens
  • Anja Maier, Journalistin vom "Weser-Kurier"

Peter Tschentscher (SPD) und Boris Palmer (Gr├╝ne) gehen beim Kampf gegen die Pandemie entgegengesetzte Wege. Bei einem sind sie sich aber einig: Markus S├Âder (CSU) wollen sie auf keinen Fall folgen. Der bayerische Ministerpr├Ąsident hat gefordert, die Impfreihenfolge bereits im Mai zu lockern. Bei Hamburgs Erstem B├╝rgermeister schrillte da der Populismus-Alarm. Der Sozialdemokrat warf S├Âder am Dienstagabend bei "Markus Lanz" vor, mit der Ank├╝ndigung die Erwartung zu sch├╝ren, dass es dann mit den Impfungen schneller gehen werde. S├Âders Kabinett hatte am Dienstag verk├╝ndet: "Wer freier impft, impft effizienter." Tschentscher aber gab zu bedenken: "Es ist dadurch nicht mehr Impfstoff da." Das m├╝sse auch so kommuniziert werden. "Alles andere ist nicht ganz ehrlich", sagte er.

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Solange der Impfstoff knapp ist, muss er laut dem B├╝rgermeister den besonders gef├Ąhrdeten Personengruppen vorbehalten bleiben. "Dabei orientieren wir uns nicht an dem Bauchgef├╝hl von Politikern, sondern an den Empfehlungen von Experten aus der St├Ąndigen Impfkommission." Auf die nur noch rhetorische Frage des Moderators, ob Hamburg die Impfpriorisierung aufgeben werde, lie├č Tschentscher, der gelernter Mediziner ist, keinen Zweifel an seiner Meinung ├╝ber den Kollegen aus M├╝nchen: "Wir haben gute Erfahrung gemacht, nicht unmittelbar das zu tun, was Herr S├Âder in Bayern macht. Wir sehen das an den Inzidenzzahlen. Wir machen nat├╝rlich das, was sinnvoll ist."

Palmer kritisiert S├Âder

"Wahrscheinlich denkt sich Herr S├Âder, dass es popul├Ąr ist, allen zu sagen: Ihr bekommt Impfstoff", meinte Palmer. Die Folge dieses Versprechens aber k├Ânne verheerend sein. "Wenn man jetzt 30-J├Ąhrige impft, die gar nicht besondere Risiken tragen, dann geht man leider das Risiko ein, dass ein 60- oder 70-J├Ąhriger daf├╝r stirbt", sagte der Gr├╝nen-Politiker. "Deshalb w├╝rde ich sagen: Wir Jungen m├╝ssen noch warten." Damit war die Einigkeit zwischen den beiden B├╝rgermeistern aber auch ersch├Âpft.

Palmer verteidigte seinen T├╝binger Sonderweg. Bei diesem waren ├ľffnungen auch von Restaurants und Theatern durch eine breit angelegte Teststrategie gerechtfertigt worden. Mit der bundesweiten Notbremse wurde dieser Modellversuch beendet. Die Folge laut Palmer: Die Zahl der t├Ąglichen Corona-Tests in seiner Stadt ist von 5.000 auf 500 gesunken. "Das ist das, was ich bef├╝rchtet habe", sagte der Gr├╝nen-Politiker. Denn die Menschen seien nur durch Anreize dazu zu bringen, sich h├Ąufig testen zu lassen und dadurch ein verl├Ąssliches Bild ├╝ber die tats├Ąchliche Infektionslage zu erm├Âglichen.

"Auf der Habenseite haben Sie eine deutlich gestiegene Inzidenz, die ist jetzt ├╝ber 100", kritisierte Tschentscher hingegen den T├╝binger Modellversuch. Palmer verwies auf mindestens doppelt so hohe Werte im umliegenden Landkreis: "Da kann man doch nicht annehmen, dass unser Modell ein Infektionstreiber ist." Er warnte davor, sich deutschlandweit mit dem neuen Infektionsschutzgesetz auf nur noch eine Strategie gegen die Pandemie zu beschr├Ąnken. "Wir machen jetzt alle das Gleiche. Die Frage ist: Ist das gut?" Wenn die Strategie nicht funktioniere, "haben wir nichts anderes mehr".

F├╝r Tschentscher hingegen ist die Strategie der Bundesregierung seit Wochen sogar zu lasch. "Das Konzept, dass wir in Deutschland klarkommen, indem wir mehr testen und dadurch Einzelhandel ├Âffnen, ist f├╝r mich keine L├Âsung. Ich glaube, es f├╝hrt zu h├Âheren Inzidenzen", warnte der Hamburger. In seiner Stadt gilt bereits seit dem 2. April eine Ausgangssperre ab 21 Uhr. So sei es gelungen, innerhalb von rund zwei Wochen die Inzidenz von 150 stark abzusenken. "Aber daf├╝r zahlen Sie einen hohen Preis", meinte Lanz mit Blick auf geschlossene Gesch├Ąfte. "Nein", widersprach der Erste B├╝rgermeister, "die Preise der Inkonsequenz sind viel, viel h├Âher". Allerdings wird er m├Âglicherweise schon bald wieder auf das Prinzip Hoffnung setzen m├╝ssen. "Wenn wir unter die Grenze von 100 kommen, und zwar stabil, muss man diesen Eingriff auch wieder zur├╝cknehmen und hoffen, dass alles andere dann weiterhin eingehalten wird." Tschentscher erwartete, dass das Robert Koch-Institut am Mittwoch f├╝r Hamburg einen Inzidenzwert von unter 100 ausweisen werde.

Was ist mit den Kindern?

Virologin Jana Schroeder forderte leidenschaftlich eine st├Ąrkere politische und auch gesellschaftliche Kraftanstrengung zum Schutz von Kindern vor dem Erreger. Im vergangenen Jahr h├Ątten die alten Menschen im Zentrum gestanden: "Jetzt w├╝nsche ich mir eine gewisse Solidarit├Ąt den Kindern gegen├╝ber." Das bedeute: Inzidenzen dr├╝cken, damit Kinder m├Âglichst sicher zur Schule gehen k├Ânnen. Sie warf der Politik vor, die J├╝ngsten in der Debatte nicht zu einer Priorit├Ąt gemacht zu haben ÔÇô ansonsten h├Ątte es in den Schulferien zu Weihnachten und zu Ostern begrenzte bundesweite Lockdowns gegeben, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Ja, Kinder w├╝rden seltener an Covid-19 sterben. Aber laut Studien k├Ânnten rund sieben Prozent von ihnen nach einer Infektion an Langzeitfolgen leiden und vieles sei bei der Krankheit noch gar nicht erforscht.

Wenn schwere Folgesch├Ąden in Kauf genommen werden sollten, um beispielsweise der Wirtschaft einen erneuten Lockdown zu ersparen, dann m├╝sse das auch so offen gesagt werden, forderte die Chef├Ąrztin des Instituts f├╝r Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der Stiftung Mathias-Spital Rheine: "Ich w├╝rde mir da ein Ehrlichmachen in der Debatte w├╝nschen." Da die Impfstoffe erst ab 16 Jahren zugelassen sind, brachte Journalistin Anja Maier zum Schutz von Kindern eine neue Impfreihenfolge ins Gespr├Ąch: "W├Ąre es nicht sinnvoll, die Eltern priorit├Ąr zu impfen?"

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Von Mario Thieme
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