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Lauterbach: "Wir sind an einem Schl├╝sselpunkt der Pandemie"

Von afp, rtr
Aktualisiert am 17.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Karl Lauterbach: Der Gesundheitsminister warnt vor einer "massiven f├╝nften Welle".
Karl Lauterbach: Der Gesundheitsminister warnt vor einer "massiven f├╝nften Welle". (Quelle: localpic/imago-images-bilder)
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Deutschland k├Ąmpft gegen die vierte Pandemiewelle. Nun m├╝sse sich das Land auf eine Herausforderung einstellen, "die wir in dieser Form noch nicht gehabt haben", sagt Gesundheitsminister Lauterbach.

Deutschland steht nach Einsch├Ątzung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor einer massiven f├╝nften Corona-Welle mit der neuen Omikron-Variante. Die Omikron-Welle k├Ânne verz├Âgert, aber nicht verhindert werden, sagte Lauterbach am Freitag in Hannover. Mit Spannung wurden Ergebnisse von Beratungen des Expertenrats der Bundesregierung zu Omikron erwartet. Zuvor hatte auch RKI-Chef Lothar Wieler eindringlich vor einer neuen Welle gewarnt.


Karl Lauterbach: Seine Karriere in Bildern

Karl Lauterbach hat seit Beginn der Corona-Pandemie massiv an Bekanntheit gewonnen. Der SPD-Gesundheitsexperte ist seit Dezember 2021 Bundesgesundheitsminister. Seine Karriere in Bildern.
Karl Lauterbach im November 2003: Seit 2001 ist er Mitglied der SPD. Lauterbach ist am 21. Februar 1963 in D├╝ren in Nordrhein-Westfalen geboren.
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Lauterbach k├╝ndigte m├Âgliche weitere politische Entscheidungen auf der Basis dieses Experten-Ratschlags an. Die von Omikron bereits besonders betroffenen L├Ąnder Gro├čbritannien und D├Ąnemark hatten in den vergangenen Tagen Rekordzahlen an Neuinfektionen verzeichnet.

Gesundheitsminister rechnet mit "massiver f├╝nfter Welle"

"Ich gehe von einer massiven f├╝nften Welle aus", sagte Lauterbach. "Wir m├╝ssen davon ausgehen, dass die Omikron-Welle, vor der wir stehen, die wir aus meiner Sicht nicht verhindern k├Ânnen, eine massive Herausforderung wird f├╝r unsere Krankenh├Ąuser, f├╝r unsere Intensivstationen, aber auch f├╝r die Gesellschaft in der G├Ąnze." So eine Herausforderung habe man in der Pandemie noch nicht gesehen. Was in Gro├čbritannien derzeit beobachtet werde, ├╝bertreffe alles, was in der Pandemie bisher beobachtet worden sei.

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Karl Lauterbach impft: Der Gesundheitsminister nahm am Freitag in Hannover bei der 10-j├Ąhrige Frida selbst die Spritze in die Hand.
Karl Lauterbach impft: Der Gesundheitsminister nahm am Freitag in Hannover bei der 10-j├Ąhrige Frida selbst die Spritze in die Hand. (Quelle: localpic/imago-images-bilder)

"Das einzige, was zuverl├Ąssig sch├╝tzt vor einem schweren Verlauf bei der Omikron-Infektion ist die Boosterimpfung", so Lauterbach. Am Vortag war bekannt geworden, dass vorgezogene Lieferungen von 35 Millionen Dosen des Moderna-Pr├Ąparats in Sicht sind. "Somit k├Ânnten wir so eine Boosterkampagne durchziehen", sagte Lauterbach. Er rief ├ärzteschaft und Impfzentren auf, jetzt bevorzugt mit Moderna zu impfen. Aber bis immer mehr Menschen die Drittimpfung haben, m├╝sse versucht werden, die Verbreitung von Omikron zu verlangsamen. "Jede Entschleunigung der Welle, die wir nutzen k├Ânnen, um in dieser Zeit einen gr├Â├čeren Anteil der Bev├Âlkerung zu boostern und nat├╝rlich auch mit einer Erst- und Zweitimpfung zu verschaffen, ist wichtig."

Kommen weitere Einschr├Ąnkungen auf Deutschland zu?

Auch durch einen etwas milderen Verlauf des Infektionsgeschehens k├Ânne die Zahl der Sterbef├Ąlle nur f├╝r zwei bis drei Wochen geringer gehalten werden, so Lauterbach. "Daher glaube ich sind wir an einem Schl├╝sselpunkt der Pandemie." Mit den klassischen Mitteln k├Ânne die Omikron-Welle nicht zur├╝ckgedr├Ąngt werden. "Da m├╝ssen wir andere Register der Bek├Ąmpfung ziehen."

Unklar blieb zun├Ąchst, ob die Politik in den kommenden Tagen noch einmal weitere Corona-Einschr├Ąnkungen beschlie├čt. Der Expertenrat der Regierung sollte an diesem Freitag beraten. Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) halte eine weitere Ministerpr├Ąsidentenkonferenz vorerst nicht f├╝r zwingend. Wollten die L├Ąnder eine solche Beratung, m├╝sste man dies diskutieren.

Nach Ansicht von Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) k├Ânnen erneute Schulschlie├čungen nur das letzte Mittel bei m├Âglichen Corona-Gegenma├čnahmen sein, wie sie im Fernsehsender Welt sagte.

Pl├Ądoyer f├╝r Tests an den Feiertagen

Lauterbach appellierte mit Blick auf die Weihnachtstage an alle B├╝rgerinnen und B├╝rger, bei Reisen nach dem Grundsatz vorzugehen: "Wir sch├╝tzen uns gegenseitig." Jeder sollte sich vorher testen lassen oder zumindest selbst testen ÔÇô bevorzugt mehrfach.

Der Berliner Virologe Christian Drosten wies darauf hin, dass Deutschland gegen├╝ber Gro├čbritannien das Problem habe, dass viele ├ťber-60-J├Ąhrige ungeimpft seien. Laut dem j├╝ngsten Wochenbericht des Robert Koch-Instituts sind 24 Prozent der 18- bis 59-J├Ąhrigen und 12 Prozent der ├╝ber 60-J├Ąhrigen ungeimpft. Drosten betonte auf Twitter, Deutschland sei wegen seiner Impfl├╝cke noch nicht bereit f├╝r die endemische Situation, also f├╝r das in der Wissenschaft erwartete Stadium, in der das Virus in der Bev├Âlkerung fortw├Ąhrend zirkuliert.

Rekordzahlen bei Impfungen

Die Corona-Impfungen ├╝berschritten am Donnerstag mit 1,24 Millionen den dritten Tag in Folge die Marke von einer Million. Eine Booster-Spritze haben nunmehr mindestens 24,1 Millionen Menschen oder 29 Prozent aller Einwohner erhalten.

Wie das RKI in seinem Wochenbericht feststellte, sinkt die Zahl der Neuinfektionen mit Blick auf Intensivstationen und Omikron-Welle nicht stark genug. So sei die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen zwischen dem 6. und 12. Dezember um 13 Prozent im Vergleich zur Vorwoche gesunken. Die Belastung der Kliniken und Intensivstationen bleibe hoch. Nach Angaben Lauterbachs gibt es derzeit noch weniger als 1.000 Omikron-F├Ąlle in Deutschland.

Gr├╝ne bringen Impfpflicht f├╝r Polizisten und Lehrer ins Spiel

Am Freitag sank die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz auf 331,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Es gab 50.968 Neuinfektionen und 437 Todesf├Ąlle an einem Tag. Laut Weltgesundheitsorganisation breitet sich Omikron mit einer Geschwindigkeit aus, die es sie bei keiner vorherigen Variante gegeben hat. Eine zweifache Impfung gilt als nicht ausreichend.

Unzufrieden zeigten sich die verantwortlichen Politiker mit einem Urteil des Nieders├Ąchsischen Oberverwaltungsgerichts, das die 2G-Regel im Einzelhandel des Landes gekippt hatte. Das habe epidemiologisch keinen Sinn, sagte Lauterbach. Die Landesregierung will kommende Woche eine neue Regelung f├╝r den Handel vorstellen.

Der Gr├╝nen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen brachte eine Corona-Impfpflicht bei Polizei und Lehrkr├Ąfte ins Gespr├Ąch. "Was f├╝r das Gesundheitspersonal schon beschlossen wurde, kann grunds├Ątzlich auch f├╝r Beamte mit Verantwortung f├╝r andere Menschen richtig sein", sagte er der "Rheinischen Post".

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Von Miriam Hollstein
Von Fabian Reinbold, Elmau
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