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Kohleausstieg in Deutschland: Das soll der Fahrplan bis 2038 sein

Einigung in Kohlekommission  

So sieht der Fahrplan für den Kohleausstieg aus

17.01.2020, 07:31 Uhr | dpa, dru

Bund und Länder einigen sich auf Braunkohle-Ausstiegsplan

Die Beratungen im Kanzleramt dauerten mehr als sechs Stunden. Bundesregierung und Länder haben sich auf einen Zeitplan für die Abschaltung der Braunkohle-Kraftwerke in Deutschland verständigt. (Quelle: Reuters)

Berlin: Auf diesen Zeitplan haben sich Bundesregierung und Länder für die Abschaltung der Braunkohle-Kraftwerke verständigt. (Quelle: Reuters)


Bund, Länder und Energiewirtschaft haben sich auf einen Ausstieg aus der Kohleverstromung geeinigt. Die ersten Kraftwerksblöcke sollen schon Ende dieses Jahres vom Netz gehen.

Bundesregierung, Länder und Betreiber haben einen genauen Fahrplan für den Kohleausstieg bis 2038 verabredet. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach am Donnerstag von einer guten Einigung für den Klimaschutz. Für das vorzeitige Abschalten von Kraftwerken bekommen Betreiber Entschädigungen von insgesamt 4,35 Milliarden Euro, wie Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte. Eine wesentliche Summe dürfte an RWE gehen. Betreiber für westdeutsche Kraftwerke bekommen laut Scholz 2,6 Milliarden Euro, Betreiber für Anlagen im Osten 1,75 Milliarden.

Vorausgegangen war ein Spitzentreffen von Bundesregierung und den vier Kohleländern, das bis zum frühen Morgen dauerte. Die Bundesregierung und die vier Kohleländer hatten einen Durchbruch erzielt. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, acht "sehr alte und dreckige" Kraftwerksblöcke sollten nun schnell vom Netz, der erste schon Ende des Jahres. "Der Kohleausstieg beginnt sofort, er ist verbindlich", sagte sie.

Bis 2038 ist der letzte Block vom Netz

Konkret sieht der Zeitplan unter anderem vor, dass der erste, sehr alte und dreckige Kraftwerksblock im Rheinland bereits in diesem Jahr abgeschaltet wird, sieben weitere sehr alte bis Ende 2022. Es folgen u.a. Weisweiler F, G, und H in NRW bis spätestens zum 1. April 2029. In Brandenburg werden die Blöcke des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde bis Ende 2028 heruntergefahren, in Sachsen-Anhalt das Braunkohlekraftwerk Schkopau bis 2034.

KraftwerksblockRevierStilllegung
Nord-Süd-Bahn (NSB)Rheinland31.12.2020
NSBRheinland31.12.2021
NSBRheinland31.12.2021
NSB oder WeisweilerRheinland31.12.2021
NSB oder WeisweilerRheinland01.04.2022
BrikettierungRheinland31.12.2022
NSBRheinland31.12.2022
NSBRheinland31.12.2022
Weisweiler FRheinland01.01.2025
JänschwaldeLausitz (BB)31.12.2025*
JänschwaldeLausitz (BB)31.12.2027*
WeisweilerRheinland01.04.2028
JänschwaldeLausitz (BB)31.12.2028
JänschwaldeLausitz (BB)31.12.2028
WeisweilerRheinland01.04.2029
BoxbergLausitz (SN)31.12.2029
BoxbergLausitz (SN)31.12.2029
NiederaußemRheinland31.12.2029
NiederaußemRheinland31.12.2029*
SchkopauMitteldeutschland (ST)31.12.2034
SchkopauMitteldeutschland (ST)31.12.2034
LippendorfMitteldeutschland (SN)31.12.2035
LippendorfMitteldeutschland (SN)31.12.2035
NiederaußemRheinland31.12.2038
NeurathRheinland31.12.2038
NeurathRheinland31.12.2038
Schwarze PumpeLausitz (BB/SN)31.12.2038
Schwarze PumpeLausitz (BB/SN)31.12.2038
BoxbergLausitz (SN)31.12.2038
BoxbergLausitz (SN)31.12.2038
*Sicherheitsbereitschaft

Zu dem Gesamtpaket zählt, dass das neue und umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 in Nordrhein-Westfalen des Betreibers Uniper ans Netz gehen soll. Die Politik werde die Inbetriebnahme nicht verhindern, sagte Altmaier. Dies habe auch mit der komplexen Systematik von Entschädigungsleistungen zu tun. Vor allem Umweltverbände hatten die Inbetriebnahme eines neuen Steinkohlekraftwerks bereits scharf kritisiert, weil es angesichts der Klimakrise ein völlig falsches Signal setze.

Kohleregionen erhalten Milliarden für Strukturwandel

Deutschland soll bis spätestens 2038 aus der klimaschädlichen Stromgewinnung aus Stein- und Braunkohle aussteigen. Das hatte eine Kommission aus Politik, Wirtschaft und Klimaschützern vor einem Jahr entschieden. Die Kohleregionen sollen parallel insgesamt 40 Milliarden Euro für den Umbau ihrer Wirtschaft bekommen.

Vor dem Spitzentreffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten die Ministerpräsidenten der Kohleländer Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen auf verbindliche Zusagen für die Strukturhilfen gepocht – nun wurde ihnen eine Bund-Länder-Vereinbarung bis Mai zugesagt.

Noch im Januar will das Bundeskabinett den Gesetzentwurf für den Kohleausstieg auf den Weg bringen. Das Gesetz soll bis Mitte des Jahres verabschiedet sein. An dieses Gesetz sind die Strukturhilfen gekoppelt.

"Deutschland hat sich etwas Großes vorgenommen"

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte zum Kohleausstieg: "Deutschland hat sich etwas Großes vorgenommen. Ich bin sicher, dass wir das auch hinkriegen."

Schulze sprach von harten Verhandlungen. Aus ihrer Sicht haben sie zu aber lange gedauert, wie sie sagte. Sie fügte aber an: "Wir sind das erste Land, das endlich aus Atom und Kohle aussteigt." Schulze sagte, nun sei ein massiver Ausbau der Energien aus Wind und Sonne notwendig, damit dies wirklich gelinge. Das letzte Atomkraftwerk soll Ende 2022 abgeschaltet werden.

Das Gesamtpaket sieht vor, dass in den Jahren 2026 und 2029 im großen Stil überprüft werden soll, wie es mit dem Kohleausstieg läuft. Eine Frage soll dabei auch sein, ob Stilllegungs-Daten nach 2030 um je drei Jahre vorgezogen werden können - damit vielleicht doch schon 2035 komplett Schluss ist.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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