Interaktive Karte der Wahlkreise

So viel verdienen Ihre Abgeordneten nebenbei

Von Jonas Mueller-Töwe und Cem Özer

11.11.2020, 13:29 Uhr

Zählen zu den Topverdienern im Bundestag, von links: Sebastian Brehm (CDU), Enrico Komning (AfD), Judith Skudelny (FDP) und Gregor Gysi (Linke). (Quelle: imago images)

Längst nicht jedes Mitglied des Bundestages bestreitet seinen Lebensunterhalt ausschließlich mit Politik: Zum Teil verdienen die Parlamentarier Hunderttausende Euro dazu. Eine Übersicht über alle Nebeneinkünfte.

Sie sind als Steuerberater tätig, als Anwälte und Unternehmer, manche beziehen enorme Einkommen mit Reden: Fast jeder dritte Bundestagsabgeordnete verdient neben seiner Abgeordnetendiät von gut 10.000 Euro pro Monat etwas dazu. Das geht aus den Selbstauskünften hervor, die die Parlamentarier gegenüber dem Bundestag machen müssen – und die von der Bundestagsverwaltung veröffentlicht worden sind. t-online hat die Daten ausgewertet. Zuvor hatte die Transparenzinitiative "Abgeordnetenwatch" sie gemeinsam mit dem "Spiegel" gesammelt und aufbereitet.

Viele Abgeordnete haben Nebentätigkeiten, erzielen daraus aber keine oder nur geringe Einkünfte. Ein Zuverdienst ist erst dann anzeigepflichtig, wenn die Einkünfte daraus mehr als 1.000 Euro im Monat oder 10.000 Euro im Jahr betragen.

Die Topverdiener in der Übersicht

Zu den Bestverdienern zählen in dieser Legislaturperiode bis Mitte des Jahres nicht nur Abgeordnete der eher wirtschaftsaffinen Unionsparteien, der FDP und der AfD. Auch Linken- und SPD-Politiker verdienen zum Teil gut an ihren Nebentätigkeiten. Etwa Gregor Gysi, der einen Nebenverdienst von mindestens 470.000 Euro angegeben hat. Bei dem prominenten Linken-Politiker fallen vor allem seine Vorträge, die Einkünfte aus seiner Autobiografie und seine Anwaltstätigkeit ins Gewicht. Ähnlich gut verdient auch FDP-Chef Christian Lindner mit Reden.

Wie stark Ihr Abgeordneter seine aus Steuergeldern bezahlte Diät mit Nebentätigkeiten aufbessert, können Sie auf dieser Karte nachprüfen. Sie zeigt alle Bundestagswahlkreise.* 

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Unangefochtener Topverdiener im Bundestag ist – zumindest dem Umsatz nach bis Stand 31. Juli – der selbstständige Steuerberater Sebastian Brehm von der CSU. Er hat mindestens 3,13 Millionen Euro als Nebeneinkünfte angegeben. Bei Selbstständigen sind auf der Bundestagsseite allerdings Bruttoumsätze vermerkt, das tatsächliche zusätzliche Einkommen ist also wahrscheinlich deutlich geringer. 

Als weitere Gutverdiener können in dieser Legislaturperiode unter anderem der Unternehmer Carl-Julius Cronenberg (mindestens 1,54 Mio. Euro, FDP), der Steuerberater Enrico Komning (mindestens 950.000 Euro, AfD) und Strategieberater Peter Ramsauer (mindestens 900.000 Euro, CSU) gelten.

Bestverdienende Sozialdemokratin im Bundestag ist mit mindestens knapp 450.000 Euro bis Ende Juli die Kinder- und Jugendärztin Nezahat Baradari. Bei den Grünen ist Cem Özdemir Top-Verdiener: mit knapp 40.000 Euro hauptsächlich aus Vorträgen.

*Die Karte berücksichtigt nicht den Wahlkreis 246 (Roth in Bayern). Dort ist Marlene Mortler (CSU) ausgeschieden, ihre Nachfolgerin Astrid Freudenstein ebenfalls. Ihr Nachrücker Tobias Zech wiederum trat nicht als Direktkandidat an und ist deswegen dem Wahlkreis nicht zuzuordnen. 

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