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K-Frage: Etappensieg des Gladiators Söder im Streit mit Laschet

Söder gegen Laschet vor der Fraktion  

Etappensieg des Gladiators

13.04.2021, 19:14 Uhr
CDU-Kanzlerkandidatur: Söder zeigt sich nicht zum Verzicht bereit

CSU-Chef Markus Söder macht in München deutlich, dass er nicht auf die Kanzler-Kandidatur verzichten wolle, sondern das Votum der CDU-Gremien für CDU-Chef Armin Laschet als nicht ausreichend ansehe. (Quelle: Reuters)

Selbstbewusster Auftritt schon am Vortag: Hier äußert sich Markus Söder zur CDU-Kanzlerkandidatur und zeigt sich nicht zum Verzicht bereit – im Gegenteil. (Quelle: Reuters)


In der Unionsfraktion kam es am Dienstag zum Showdown um die Kanzlerkandidatur. Und wieder stand einer besonders gut da: Markus Söder. Reicht ihm das, um Kanzler zu werden?

Am Montag wirkte es in der Spitze der Union für kurze Zeit, als könnte man sich auf eine ruhige Woche einstellen: Im Fraktionsvorstand kamen am späten Nachmittag die Spitzen der Abgeordneten von CDU und CSU zusammen. Hermann Gröhe, stellvertretender Fraktionschef, schwor die mächtigen Abgeordneten ein: Es solle keine Abstimmung über die Kanzlerkandidatur in der Fraktion geben, um den späteren Kandidaten nicht zu beschädigen. Ein Teilnehmer sagt: "Gröhe berichtete, als wäre es eine Klassenfahrt." Laschet und Söder würden miteinander telefonieren, und dann sei die Kanzlerkandidaten-Frage klar.

24 Stunden später zeigt sich: Es wird keine ruhige Woche, es wird keine Klassenfahrt. Söder und Laschet haben zwar telefoniert, doch in der Fraktionssitzung der Union kam es am Dienstagnachmittag zu einem messerscharfen Politik-Kampf: Der Bayer gegen den CDU-Chef. Es war ein Duell um die Frage, wer künftig für die Union ins Kanzleramt einziehen soll — ausgetragen vor den Augen der Abgeordneten. Was am Tag zuvor noch als sicher galt, geriet da bereits ins Rutschen: Nur knapp kam es nicht zu einer Abstimmung, die Laschet wohl verloren hätte.

Eine kämpferische Rede von Laschet

Die größte Partei Deutschlands, die CDU, schlingert zwischen den beiden Kanzlerkandidaten hin und her wie ein Puck auf dem Eis. Noch steht das Ergebnis der Kandidatur nicht fest. Fest steht nur: Der heutige Tag war ein guter Tag für Markus Söder. Und ein schlechter für Armin Laschet

Dabei ging es gut los für ihn: Kurz nach 15 Uhr ging Armin Laschet am Dienstag zum Rednerpult und begann direkt mit einer Spitze gegen Söder. Man dürfe "nicht noch grüner sein als die Grünen". Söder, der für Fotos schon mal einen Baum umarmt, zeigte sich wenig beeindruckt. Laschet sprach anschließend über innere Sicherheit, gute Politik für Schulen und die mittelständischen Unternehmen. Sein Vortrag gipfelte dann in dem Satz: "Wir brauchen keine One-Man-Show!". Es war für Laschets Verhältnisse eine recht kämpferische Rede, er gab sich Mühe, so schildern es Teilnehmer. Laschet ist klar, wie wichtig die Abgeordneten für die Klärung der Kanzlerfrage sind. Doch dann kam Markus Söder.

Söder trat auf wie ein Gladiator

Der blieb zwar sitzen, er sprach von seinem Platz aus. Doch seine wichtigste Attacke konnte er auch von dort aus loswerden. Er sagte: "Wir sollten alles tun, so viele Abgeordnete wie möglich reinzubekommen." Reinbekommen in den Deutschen Bundestag, meinte Söder. Söder zielte dabei auf seine guten Umfragewerte ab: Je höher die Prozentzahl für die Union bei der Bundestagswahl, desto mehr Abgeordnete ziehen ins Parlament ein. Söder sprach insgesamt fast doppelt so lange wie Laschet, doch dieser Satz ist das Kernargument, mit dem der CSU-Chef vor der Fraktion wirbt.

Darauf lässt sich seine gesamte Strategie am Dienstag reduzieren: Wählt mich zum Kanzlerkandidaten, dann behaltet ihr euren Job. Söder trat dabei auf wie ein Gladiator, der jetzt seinen Gegner besonders gemein piesackt: Seine beste Waffe sind seine guten Umfragewerte.

Besonders erstaunlich ist die Offenheit, mit der dann der Machtkampf eskalierte. Die beiden Aspiranten auf das Amt hatten gesprochen, dann ging es los: Verschiedene Abgeordnete meldeten sich, die Anzahl von Wortmeldungen für Söder war in der weiten Überzahl. Wie bei einem Fußballspiel zählten viele Abgeordnete die Meldungen mit: 4 zu 21 für Söder, dann 8 zu 28, dann 9 zu 31, irgendwann stand es 14 zu 38. Die Zahlen kletterten und der Unmut wuchs. Manche Abgeordnete verlasen gar Briefe aus ihren Wahlkreisen, wo explizit vor Armin Laschet gewarnt wurde. 

"Man hat das Gefühl, er wirft uns Brocken vor die Füße"

Markus Söder wirkte souverän. Zwar sprachen sich viele Abgeordnete auch für Armin Laschet aus, darunter der einflussreiche Chef der Mittelstandsunion, Carsten Linnemann. Doch gleichzeitig, fanden viele, hatte Armin Laschet dem zu wenig entgegenzusetzen. Er konnte nur zusehen, wie die Stimmung immer positiver gegenüber Söder wurde. 


Die langjährige Abgeordnete Elisabeth Motschmann erklärte in der Sitzung, sie wolle keine "Kanzlerin Annalena Baerbock". In der Fraktion herrscht der Eindruck: Wir wollen uns bloß nicht vertun bei unserer Wahl, sonst geben wir die Macht ab. 

Der Auftritt von Armin Laschet wiederum stieß viele, die auch im konservativen Lager zu verorten sind, vor den Kopf. Dass Laschet über den Mittelstand und Familienunternehmen sprach, bezeichnet ein Abgeordneter als "Frechheit": "Man hat das Gefühl, er wirft uns da einige Brocken vor die Füße und denkt, dass das reicht." Es sind viele, die vorher Friedrich Merz unterstützten und plötzlich ins Schwanken geraten: Ist mit Söder vielleicht doch eher die gute Stellung der Union manifestiert?

Der Kampf ähnelt einem Harakiri 

Allein, dass die Fraktion so aufgeputscht ist, ist ein Erfolg für Söder. Es gärt und sprudelt, das kann ihm nur recht sein. Denn eigentlich hatte er am Sonntag erklärt, dass er nur Kanzlerkandidat der Union werden wolle, wenn die CDU ihn ruft. Am Montagmorgen wurde klar: Es gibt keinen Ruf, das Präsidium und der Vorstand stehen geschlossen hinter Armin Laschet. Doch Söder wertete das Votum von Parteipräsidium und Vorstand daraufhin nur noch als "wichtiges Signal", das aber "eingeordnet" werden müsse. In der Fraktion erlebte er nun wieder den Rückenwind. 

Selbst erfahrene Politiker blicken mit Fassungslosigkeit auf das, was sich in diesen Tagen in der Partei abspielt. Die CDU ist eigentlich eine Partei, die besonders die Harmonie liebt. Dass Angela Merkel sich so lange an der Macht halten konnte, spricht für die DNA der Christdemokraten. Streit ist unerwünscht, dort weiß man: Die Wähler wollen kein Gerangel um die Spitze. Der Kampf zwischen Söder und Laschet ähnelt jedoch zunehmend einem Harakiri. 

Langsam steht die Frage im Raum: Wie will man das wieder heilen? Der Ton in der Fraktion ist rau. Es wirkt, als wären CSU und CDU zwei so verfeindete Lager wie im Jahr 2018. Damals kam es fast zum Bruch der Koalition. Jetzt könnte dies erneut bevorstehen, wenn es nicht schnell klar wird, wer der Kanzlerkandidat ist. Möglich wäre, dass doch in einer Sitzung der Fraktion am Ende der Woche abgestimmt wird. Doch das wäre die maximale Eskalation, weil sich beide Kontrahenten nicht verständigen können. Ganz am Schluss sagte Söder, er sei "beeindruckt" von der Dynamik in der Fraktion. Laschet, deutlich lauter, erklärte: "Man gewinnt nicht, wenn man nur in Bayern stark ist." 

Wie es weitergeht, ist völlig offen nach diesem turbulenten Tag. Eine CDU-Funktionärin sagt t-online: "Eigentlich sollten sich Söder und Laschet jetzt einfach einigen." Kann das wirklich noch funktionieren? Die ranghohe Bundestagsabgeordnete sagt dazu nur: "Ich glaube nichts mehr."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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