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Da hilft nur die hÀrteste Strafe

  • Florian Harms
Von Florian Harms

Aktualisiert am 26.01.2022Lesedauer: 4 Min.
MĂ€nner wie der emeritierte Papst Benedikt haben die katholische Kirche in eine existenzielle Krise gestĂŒrzt.
MĂ€nner wie der emeritierte Papst Benedikt haben die katholische Kirche in eine existenzielle Krise gestĂŒrzt. (Quelle: Daniel Karmann/dpa-bilder)
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Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

Glaube kann etwas Wundervolles sein. Er spendet Hoffnung, Trost und Vertrauen. UnzĂ€hligen Katholiken verleiht ihr Glaube Kraft, sie befruchten die Gesellschaft durch ihr soziales Engagement und ihre NĂ€chstenliebe. Zerstörtes Vertrauen hingegen kann furchtbar sein. Es raubt Menschen das SelbstwertgefĂŒhl, die Zuversicht, die StabilitĂ€t. Wie katholische WĂŒrdentrĂ€ger mit dem systematischen sexuellen Missbrauch in ihrer Kirche umgehen, ist unfassbar.

Jahrzehntelang haben sie die Verbrechen an Kindern verheimlicht und die AufklĂ€rung behindert. Die Komplizenschaft reicht bis hinauf an die Spitze der Kirchenhierarchie: Das steht spĂ€testens jetzt fest, nachdem sich der emeritierte Papst Benedikt XVI. als LĂŒgner geoutet hat. Auch er hat seinen Fehler erst eingestanden, nachdem ihm dieser in einem Gutachten schwarz auf weiß nachgewiesen worden ist. Seine Reaktion ist typisch fĂŒr viele scheinheilige Kleriker: Sie leugnen und vertuschen, solange es geht.

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Joseph Ratzinger ist keine geistliche AutoritĂ€t mehr. Er ist MittĂ€ter in einem riesigen Verbrechenskomplex. Indem KirchenfĂŒrsten wie er KinderschĂ€nder jahrelang deckten, verlĂ€ngerten sie das Leid der Opfer und trugen dazu bei, dass weitere Taten geschehen konnten. Wer die Berichte von Betroffenen hört, dem kann ĂŒbel werden: Sie wurden vergewaltigt, begrapscht, geschlagen, erniedrigt, verhöhnt.

Die Liste der Tatorte geht durch alle BistĂŒmer: von Aachen bis Augsburg, von Bamberg bis Berlin, von EichstĂ€tt bis Erfurt, von Freiburg bis Fulda, von Hamburg bis Köln, von Magdeburg bis Mainz, von MĂŒnchen bis MĂŒnster, von Passau bis Paderborn, von Regensburg bis Rottenburg-Stuttgart, von Speyer bis Trier, und das sind lĂ€ngst noch nicht alle Orte der Schande.

Die Kirche erweist sich seit Jahren als unfĂ€hig, die Verbrechen ihrer AmtstrĂ€ger konsequent aufzuklĂ€ren. Bewegung kommt nur auf Druck von außen oder von obrigkeitskritischen Katholiken zustande. Trotzdem geschieht viel zu wenig, und es ist nicht abzusehen, dass sich das grundlegend Ă€ndert.

Deshalb mĂŒssen die AltmĂ€nner-Netzwerke in der Kirche entmachtet werden – und das kann nur der Staat durchsetzen: Die katholische Kirche muss ihren Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit eigener Gerichtsbarkeit verlieren. Die AufklĂ€rung aller Straftaten gehört vollstĂ€ndig in die HĂ€nde von StaatsanwĂ€lten und Polizisten. Die Kirche darf keinen rechtlichen Sonderstatus mehr genießen. Das ist schwierig, weil dafĂŒr der Grundgesetzartikel 140 geĂ€ndert werden muss. Aber es kann gehen. FĂŒr die selbstgerechten MĂ€nner auf den Kirchenthronen wĂ€re dies die hĂ€rteste Strafe, weil sie die Basis ihrer Macht verlören. Nur so können alle Verbrechen aufgeklĂ€rt und weitere verhindert werden.

"Auch im Jahr 2022 heißt die bittere RealitĂ€t: Das System der Vertuschung, des Vergessens und der schnellen Vergebung ist nicht aufgebrochen worden", hat die PrĂ€sidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, nach der Veröffentlichung des neuen Gutachtens zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum MĂŒnchen und Freising eingerĂ€umt. Das Ausbleiben "ĂŒberzeugender Strukturreformen" zeige, dass der Rechtsbruch in der Kirche "bis in die Gegenwart" reiche. Sie glaube nicht mehr daran, dass die Kirche die Aufarbeitung allein schaffe. Zu zögerlich seien viele Diözesen daran gegangen, unabhĂ€ngige Kommissionen zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals einzusetzen. Es gehe nur schleppend voran.

Dieser skandalöse Zustand wird solange bestehen bleiben, bis der Staat endlich eingreift. Das sollte er jetzt tun. Es ist höchste Zeit.

Der Bischof von Essen betet mit Teilnehmern einer kirchenkritischen Protestkundgebung.
Der Bischof von Essen betet mit Teilnehmern einer kirchenkritischen Protestkundgebung. (Quelle: Bernd Thissen/dpa-bilder)

Termine des Tages

Sexualisierte Gewalt gibt es vielerorts in der Gesellschaft. Auf dem Fachtag "Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in der Familie" diskutieren Experten heute gemeinsam mit Betroffenen, wie sich der Gewalt besser vorbeugen lĂ€sst. Eine Studie hatte im Herbst die AbgrĂŒnde verdeutlicht.

In Heidelberg laufen die Ermittlungen nach der Bluttat in der UniversitÀt. Was bisher bekannt ist, lesen Sie hier.

PCR-Tests fĂŒr den verlĂ€sslichen Nachweis des Coronavirus gibt es nun nur noch fĂŒr wenige BĂŒrger. Dieser und alle weiteren BeschlĂŒsse der gestrigen Bund-LĂ€nder-Konferenz dĂŒrften heute weiter fĂŒr GesprĂ€chsstoff sorgen.

Bundeskanzler Olaf Scholz empfĂ€ngt Frankreichs StaatsprĂ€sidenten Emmanuel Macron. Sie wollen ĂŒber Auswege aus dem Ukraine-Konflikt beraten.

Klimaminister Robert Habeck besucht in BrĂŒssel EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und die Kommissare fĂŒr Energie, Wettbewerb, Klimaschutz, Handel und Binnenmarkt. Gemeinsam planen sie den grĂŒnen Umbau der EuropĂ€ischen Union.

Transparency International veröffentlicht den Korruptions-Wahrnehmungsindex. Er listet 180 Staaten nach dem Grad der Korruption in Politik und Verwaltung auf. Deutschland kommt dabei in der Regel nicht gut weg.

Die Marktforschungsagentur Rheingold stellt eine Studie zum GeschichtsverstĂ€ndnis vor: Was weiß die Generation der 20-JĂ€hrigen ĂŒber die Nazizeit und wie bewertet sie diese?


Olympia kann kommen

Ende kommender Woche beginnen die Olympischen Winterspiele in Peking. Welche Athleten sollen bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne tragen? Das können Sie auf t-online mitbestimmen.


Was lesen?

Angesichts der milderen Corona-Variante Omikron ist eine Überlastung der Intensivstationen derzeit nicht zu befĂŒrchten. Was daraus folgt und was jetzt jeder BĂŒrger beachten sollte, hat der Virologe Alexander KekulĂ© meiner Kollegin Christiane Braunsdorf erklĂ€rt.


Morgen debattiert der Bundestag ĂŒber die allgemeine Impfpflicht. Einer ihrer prominentesten Gegner ist der VizeprĂ€sident des Parlaments, Wolfgang Kubicki. In seinem Gastbeitrag erklĂ€rt er, warum.


Kubickis Kollegin Katrin Göring-Eckardt hĂ€lt hingegen eine Impfpflicht ab 18 Jahren fĂŒr eine gute Lösung. Im GesprĂ€ch mit meinen Kollegen Johannes Bebermeier und Sven Böll erlĂ€utert sie, wie diese praktisch funktionieren könnte.


(Quelle: dpa-bilder)

Einst war Fliegen ein Luxus. Als Gipfel der Eleganz galten Zeppeline, doch die Reisen waren riskant. Auf unserem Historischen Bild erfahren Sie, was diesem Giganten zum VerhÀngnis wurde.


Was amĂŒsiert mich?

Deutschland hat eine superraffinierte Russland-Strategie.

(Quelle: Mario Lars)
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