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Konklave 2013: Das sind die heißesten Favoriten der Papstwahl

Das sind die heißesten Favoriten für den Heiligen Stuhl

13.03.2013, 06:46 Uhr | AFP, dpa, dapd

Konklave 2013: Das sind die heißesten Favoriten der Papstwahl. Kardinäle stecken beim Konklave die Köpfe zusammen (Quelle: dapd)

Im Vorfeld der Papstwahl wird heftig über den Nachfolger Benedikt XVI. spekuliert (Quelle: dapd)

Die Spannung steigt. Am Dienstag werden 115 wahlberechtigte Kardinäle der Katholischen Kirche zum Konklave in die Sixtinische Kapelle einziehen.

Unter den prächtigen Fresken Michelangelos müssen die Purpurträger aus ihren Reihen unter strengster Geheimhaltung ein neues Oberhaupt für die Weltkirche wählen. Schon vorab hieß es, es könnte ein langwieriges Konklave werden. Seit Reform der Wahlregeln durch Benedikt XVI. braucht der neue Papst eine Zweidrittelmehrheit, bei 155 Kardinälen sind das 77.

Streitigkeiten innerhalb der römischen Kurie, die schwierige Lage der Weltkirche und der Vatileaks-Skandal belasteten schon das Vor-Konklave. Schon vorab ließen die Kardinäle sich Zeit. Fünf Tage diskutierten sie im Kardinalskollegium, bevor sie einen Termin für den Start des Konklaves festlegten.

Wer folgt Benedikt auf den Stuhl Petri? Diese Frage interessiert nicht nur die weltweit rund 1,2 Milliarden Katholiken. Rund um den Erdball wird bereits spekuliert: Wird es ein Europäer? Oder doch der seit langem fällige Papst aus der Dritten Welt? Ein Papst weißer oder schwarzer Hautfarbe? Ein konservativer Hardliner, wie es Joseph Ratzinger war, oder der von vielen ersehnte moderate Pontifex?

Das Thema ist heikel, die Spekulationen zahlreich, die Hoffnungen brennend. Bis Palmsonntag - zum Beginn der Karwoche am 24. März, hofft der Vatikan, den Gläubigen einen neuen Pontifex präsentieren zu können. Darüber wer das sein könnte, scheiden sich bis zuletzt die Geister.

Großbritannien wettet, Rom spekuliert

In Großbritannien stiegen die Wetten. Als Favoriten wurden dabei von den britischen Buchmachern zwei Italiener und ein Afrikaner ausgemacht: Der Erzbischof von Mailand Angelo Scola (71), der umstrittene Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone (78) sowie Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson (64) aus Ghana.

Turkson gilt als volksnah, mediengewandt und selbstbewusst, der Norditaliener Bertone war die rechte Hand des zurückgetretenen deutschen Papstes Benedikt XVI.

"Scola ist wohl der auf der Pole-Position am weitesten vorne liegende Kardinal", kommentierte der renommierte Vatikan-Experte John Allen im "National Catholic Reporter" noch kurz vor Beginn des Konklaves. Der 71-jährige Scola gilt nicht nur als geschätzter Theologe, sondern vor allem auch als Kommunikator und Mann des Dialogs zwischen den Religionen.

In Rom hingegen kursierten auch andere Namen. Als Topfavoriten gaben einschlägige italienische Medien neben dem Mailänder Scola auch einen Brasilianer mit deutschen Wurzeln aus: Den 63-jährigen Erzbischof von Sao Paolo, Kardinal Odilo Pedro Scherer. Er gilt als konservativ, geradlinig und weltoffen - und könnte der erste Papst aus Lateinamerika werden.

Aber auch die Nordamerikaner könnten höher im Kurs liegen. Im Gespräch als zukünftiger Pontifex war dabei zuletzt Kardinal Sean Patrick O'Malley, der sich als Erzbischof von Boston einen Namen im Kampf gegen den Missbrauchsskandal machte. Um die Opfer mit mehr als 75 Millionen Euro entschädigen zu können, verkaufte er unter anderem das erzbischöfliche Palais.

Auch Timothy Dolan und Marc Ouellet wurden immer wieder als mögliche neue Päpste ins Spiel gebracht. New Yorks Erzbischof Dolan (63) gilt als Konservativer mit viel Witz. Auch der 68-jährige Kanadier Ouellet ist in theologischen Fragen sehr konservativ, er gilt zudem als scheu, intellektuell und völlig integer.

Sein Kollege, der 72-jährige Donald William Wuerl aus Washington, ging von einem langen Konklave aus. "Viel hängt von den ersten Tagen ab, da es noch keine feste Auswahl der Kandidaten gibt", sagte Wuerl. Mit einem schon vorher ausdiskutierten Profil des neuen Kirchenführers könnte das bevorstehende Konklave am Ende doch unerwartet kurz sein, hatten Medien zuvor spekuliert.

Im 20. Jahrhundert ging es meist schnell

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Zuletzt gingen die Papstwahlen relativ schnell über die Bühne. Das gilt auch für den bisherigen Papst. Benedikt XVI. wurde am 19. April 2005 nur einen Tag nach dem Beginn des Konklaves gewählt. Sein Vorgänger Johannes Paul II. wurde im Oktober 1978 innerhalb von 48 Stunden und acht Wahlrunden gekürt. Im 20. Jahrhundert dauerte kein Konklave länger als vier Tage.

Ganz anders sah das im Mittelalter aus. Als Papst Gregor X. im März 1271 als Nachfolger Clemens' IV. den Heiligen Stuhl bestieg, war dieser seit fast drei Jahren unbesetzt. Das in der zentralitalienischen Stadt Viterbo stattfindende Konklave gilt als längstes in der Kirchengeschichte. Im Jahr 1274 erließ Gregor X. eine strenge Konklaveordnung, um künftig ähnlich langwierige Verfahren zu verhindern.

Welchen Typ Papst braucht die Kirche?

Doch worauf kommt es an bei dem viel diskutierten Profil des neuen Pontifex? Scola ist zwar Europäer, gilt aber als kurienfern. Damit könnten ihm eventuell auch die Stimmen amerikanischer, osteuropäischer und deutscher Papstwähler zufließen, spekulierten italienische Medien. Der Brasilianer Scherer soll hingegen ein Mann der Kurie sein, würde aber den Traum eines nichteuropäischen Papstes erfüllen.

Das neue Kirchenoberhaupt sollte aus einer Region kommen, wo die Kirche noch dynamisch und aktiv sei, und er sollte nicht älter als 67 Jahre alt sei, wünschte sich der südafrikanische Kardinal Wilfrid Fox Napier (72) in der Turiner Tageszeitung "La Stampa". Es werde hoch hergehen im Konklave, spekulierte Papst-Biograph und Vatikanist Andreas Englisch vorab im Interview mit dem Magazin "Der Spiegel".

"Auf der einen Seite sind die Italiener, die das Amt für sich zurückhaben wollen. Auf der anderen Seite steht die Globalisierungsfraktion, die sagt: Nach einem Polen und einem Deutschen muss es ebenso global weitergehen", fügte Englisch hinzu.

Die zahlreichen Probleme, denen sich die Kirche in der nächsten Zukunft stellen muss, vom Missbrauchsskandal über Vatileaks, von der Neuevangelisierung bis zur Christenverfolgung, scheinen einen jüngeren und starken Papst notwendig zu machen. Doch bis zuletzt war klar: Alles ist möglich und Überraschungen sind ganz und gar nicht ausgeschlossen.

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