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Explosion in Beirut: Ammoniumnitrat? Was wir wissen – und was nicht

Viele Tote und Verletzte  

Was über die Explosion in Beirut bekannt ist – und was nicht

05.08.2020, 13:14 Uhr
Schwere Explosionen in Beirut fordern Tote und Tausende Verletzte

Zwei schwere Explosionen haben am Dienstagabend (Ortszeit) Beirut erschüttert. Zahlreiche Menschen starben, Tausende wurden verletzt. Bilder aus der libanesischen Hauptstadt zeigen die Detonationen und die Wucht der Zerstörung. (Quelle: t-online.de)

Aufnahmen aus dem Libanon: Bei einer starken Explosion in Beirut sind zahlreiche Menschen gestorben – es gab Tausende Verletzte. (Quelle: t-online.de)


Donald Trump spricht von einer möglichen Bombe, die libanesischen Behörden von einem Unglück: Was über die verheerende Explosion in Beirut bekannt ist – und welche Fragen noch offen sind. Ein Überblick. 

In der libanesischen Hauptstadt Beirut ist es im Gebiet des Hafens am Dienstag zu mehreren Explosionen gekommen. Es gibt viele Tote und Verletzte. Einiges ist schon bekannt, dennoch stellen sich noch viele Fragen. 

Was genau ist passiert?

Zunächst bricht am Hafen von Beirut ein Brand aus, eine dichte Rauchwolke hängt über dem Gebiet. Videos zeigen, wie es innerhalb dieser Wolke zu mehreren Explosionen kommt. Dann erfolgt eine heftige Detonation, die eine pilzförmige Wolke gen Himmel und eine heftige Druckwolke auslöst, die sich mit enormer Geschwindigkeit kreisförmig ausbreitet. Große Teile des Hafens werden durch diese Wucht zerstört, auch in kilometerweiter Entfernung zerbersten Scheiben, Türen werden aus den Angeln gerissen. Verwüstung ist das prägende Bild in der Stadt. Telefon- und Internetverbindung brechen nach dem Unglück zusammen. 

Die Explosion ist offenbar so laut, dass sie noch in Nikosia auf Zypern zu hören ist – die Hauptstadt der geteilten Mittelmeerinsel liegt 240 Kilometer entfernt von Beirut. Laut Deutschem Geoforschungszentrum sind die Erschütterungen mit einem Erdbeben der Stärke 3,5 zu vergleichen. 

Wie viele Tote und Verletzte gibt es? 

Die Aufnahmen legen nahe, dass die Zahl der Verletzten und Toten mutmaßlich sehr hoch ist. Davon gehen auch Regierung und Rettungskräfte aus, die Zahlen werden seit Dienstagabend kontinuierlich nach oben korrigiert. Am Mittwochvormittag (Stand 9.30 Uhr deutscher Zeit) waren es offiziell 100 Tote und 4.000 Verletzte. Alle aktuellen Entwicklungen finden Sie hier. 

Wie das Auswärtige Amt mitteilte, sind unter den Verletzten auch Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Beirut. Angesichts der enormen Verwüstung der Stadt könne nicht ausgeschlossen werden, dass nicht weitere Deutsche unter den Verletzten oder gar Toten sind. 

Wie kam es zu der verheerenden Explosion? 

Über die genaue Ursache wird nach wie vor spekuliert. Möglicherweise war der Auslöser eine große Menge Ammoniumnitrat, die seit Jahren ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen von Beirut gelagert wird. 2.700 Tonnen der gefährlichen Substanz sollen dort gelegen haben. Ein Anschlag gilt als unwahrscheinliche Ursache für die Katastrophe – wenngleich auch darüber spekuliert wird. 

Welche anderen Spekulationen gibt es? 

Donald Trump brachte etwa eine "Bombe" ins Spiel und auch auf Twitter wurde direkt nach Bekanntwerden des Vorfalls über einen Angriff spekuliert. Die politische Lage im Libanon ist angespannt – vor allem die Beziehungen zu Israel sind schlecht. Anwohner wollen kurz vor der Explosion Flugzeuge gehört haben und sehen darin ein Indiz für einen Angriff. Israels Regierung dementierte die Mutmaßungen und bot Hilfe an. Der Libanon lehnte diese ab, da beide Staaten sich offiziell noch im Krieg miteinander befinden. "Wir nehmen keine Hilfe von einem feindlichen Staat an", hieß es dazu. 

Wie ist die Lage in Beirut jetzt? 

Die Verwüstung in der Stadt ist groß, die Krankenhäuser mit der Flut der Verletzten an ihren Kapazitätsgrenzen. Das ganze Ausmaß des mutmaßlichen Unglücks ist auch am Mittwochvormittag noch nicht bekannt. Aus Europa und befreundeten arabischen Staaten kommt Hilfe. Unter anderem schickt Frankreich zwei Militärflugzeuge mit tonnenweise medizinischem Material und einer mobilen Krankenstation in den Libanon. Tschechien entsendet beispielsweise Experten mit Suchhunden, um bei der Suche nach Verletzten und Toten zu helfen. 

Eine enorme Druckwelle breitet sich über Beirut aus: Scheiben zerbersten durch die Wucht, Türen werden aus den Angeln gehoben. Die Verwüstung ist enorm.  (Quelle: Reuters/Karim Sokhn/Instagram/Ksokhn + Thebikekitchenbeirut)Eine enorme Druckwelle breitet sich über Beirut aus: Scheiben zerbersten durch die Wucht, Türen werden aus den Angeln gehoben. Die Verwüstung ist enorm. (Quelle: Karim Sokhn/Instagram/Ksokhn + Thebikekitchenbeirut/Reuters)

Wie reagierte die libanesische Regierung? 

Hassan Diab, Regierungschef des Libanon, kündigte an, die Verantwortlichen für die Explosionen zur Rechenschaft zu ziehen. Präsident Michel Aoun rief den Nationalen Sicherheitsrat zusammen, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Er fordert eine harte Bestrafung für die Schuldigen. Außerdem rief er eine dreitägige Staatstrauer aus. Beirut wurde unterdessen vom Obersten Verteidigungsrat zur "Katastrophenzone" erklärt, ein zweiwöchiger Notstand verhängt. 

Wie hat Deutschland reagiert?

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Dienstagabend erschüttert gezeigt. "Unsere Gedanken sind bei denen, die Angehörige verloren haben. Den Verletzten wünschen wir eine schnelle Genesung", zitierte ihre stellvertretende Sprecherin Ulrike Demmer die Kanzlerin in einem Tweet und kündigte an: "Wir werden dem Libanon unsere Unterstützung anbieten."

Auch das Auswärtige Amt reagierte auf Twitter. "Unsere Gedanken sind bei Angehörigen der Opfer. Deutschland steht Libanon in dieser schweren Stunde zur Seite", hieß es. Derzeit werde geprüft, welche Hilfe Deutschland "unverzüglich" anbieten könne. Der Chef des Ministeriums, Heiko Maas, meldete sich ebenfalls in dem Sozialen Netzwerk zu Wort: 

In welcher Situation traf die Explosion den Libanon? 

Auch ohne das mutmaßliche Unglück befindet sich der Libanon in einer schwierigen Lage. Das Land leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise, etwa die Hälfte der Einwohner leidet unter Armut. Kaum ein Land in der Welt ist stärker verschuldet. Vor der Corona-Pandemie, die die Situation der rund sechs Millionen Einwohner noch verschlimmert hat, gingen immer wieder Menschen auf die Straße, um gegen Misswirtschaft und Korruption in ihrem Land zu demonstrieren. 

Verwendete Quellen:

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