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Tote und zerstörte Dörfer nach Unwettern im Alpenraum

Von dpa
Aktualisiert am 04.10.2020Lesedauer: 3 Min.
Starke RegenfĂ€lle haben SĂŒdfrankreich getroffen und starke Überschwemmungen ausgelöst.
Starke RegenfĂ€lle haben SĂŒdfrankreich getroffen und starke Überschwemmungen ausgelöst. (Quelle: Valery Hache/AFP/dpa./dpa)
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Nizza/Venedig (dpa) - Ganze HĂ€user wurden von den Wassermassen mitgerissen, Straßen und BrĂŒcken zerstört, Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten: Unwetter mit Überschwemmungen haben im SĂŒdosten Frankreichs und Norditalien zu teils chaotischen ZustĂ€nden gefĂŒhrt.

Auch in Österreich und der Schweiz richteten Wind und Regen am Wochenende große SchĂ€den an, ein vierjĂ€hriges MĂ€dchen starb.

In Italien kamen nach Medienberichten vermutlich mindestens sieben Menschen ums Leben. In Orten an der MittelmeerkĂŒste in Ligurien, etwa in Sanremo, wurden laut Nachrichtenagentur Ansa am Sonntag fĂŒnf Leichen entdeckt. Sie könnten von FlĂŒssen ins Meer gespĂŒlt worden sein, ein Opfer könne sogar aus Frankreich kommen. Im bergigen Hinterland von Nizza wurde in Saint-Martin-VĂ©subie ein Mann tot in seinem Auto gefunden, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Feuerwehr berichtete. Nach offiziellen Angaben wurden mindestens acht Menschen vermisst, darunter zwei Feuerwehrleute. Von anderen fehlten Nachrichten.

Es gebe große Sorge hinsichtlich der endgĂŒltigen Opfer-Bilanz, wie Regierungschef Jean Castex bei einem Besuch in der Krisenregion sagte.

Aus dem AuswĂ€rtigen Amt hieß es, nach den vorliegenden Informationen gebe es aktuell keine Hinweise, dass sich Deutsche unter den Vermissten oder Opfern der Unwetter befĂ€nden. Die deutsche Botschaft in Rom und das Generalkonsulat in Marseille standen demnach mit den lokalen Behörden in Kontakt.

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In Österreich mussten RettungskrĂ€fte am Freitagabend und Samstag zu zahlreichen EinsĂ€tzen wegen umgestĂŒrzter BĂ€ume und kleinerer Überflutungen ausrĂŒcken. Ein vierjĂ€hriges MĂ€dchen wurde bei einer Wanderung von einem Baum erschlagen. In der Schweiz brachte das Tief am Samstag enorme Mengen Regen mit sich, die Autobahn A2 war stundenlang wegen Überflutung gesperrt. In einem Tal im Tessin wurde laut dem Sender SRF mit 421 Millimetern in 24 Stunden die zweithöchste Regenmenge jemals in der Schweiz gemessen.

Im französischen DĂ©partement Alpes-Maritimes und in Norditalien liefen am Sonntag die AufrĂ€umarbeiten. In Frankreich wurden rund 1000 Feuerwehrleute und die Armee eingesetzt. In der italienischen Region Piemont waren Straßen und BrĂŒcken beschĂ€digt und StĂ€dte ĂŒberschwemmt, etwa in Limone Piemonte in der Provinz Cuneo. Der BĂŒrgermeister dort sprach von einer "katastrophalen Lage". Die Regionen Piemont und Ligurien beklagten SchĂ€den in Millionenhöhe.

In den Bergen nördlich von Nizza waren Dörfer nicht mehr erreichbar. Das Telefonnetz war zusammengebrochen. Tausende Haushalte waren ohne Strom. Retter brachten Wasser und Lebensmittel in die Region. RĂ©mi Recio, Leiter des engsten Mitarbeiterstabes des örtlichen PrĂ€fekten, sprach von einer "meteorologischen Bombe", die am Freitag ĂŒber dem DĂ©partement niedergegangen sei. Vom Hubschrauber aus habe er kriegsĂ€hnliche Szenen gesehen. "Man hat den Eindruck, dass das Gebiet bombardiert wurde."

HĂ€user seien von den Wassermassen weggerissen worden. Es gebe immer noch große Unsicherheit: "Wir wissen derzeit nicht, ob die HĂ€user bewohnt oder FerienhĂ€user waren", sagte Recio dem Nachrichtensender Franceinfo. Zu den acht Vermissten sagte er, es gebe Zeugenaussagen, dass diese in den Fluten verschwunden seien.

In Italien starb ein 53-jĂ€hriger freiwilliger Feuerwehrmann aus der Gemeinde Arnad im Aostatal, der bei einer Rettungsaktion von einem umgestĂŒrzten Baum getroffen wurde. Ein 36-jĂ€hriger Autofahrer aus Vercelli wurde auf einer kaputten Straße vom Flußwasser weggerissen. Sein jĂŒngerer Bruder konnte sich hingegen aus dem Auto befreien und ĂŒberlebte. Vercelli liegt zwischen Turin und Mailand.

Teilweise hatte es im Nordwesten Italiens von Freitag auf Samstag so stark geregnet wie seit rund 60 Jahren nicht mehr. Orte liefen mit Schlamm und Waser voll. Autos wurden in FlĂŒssen mitgerissen. Der Strom fiel fĂŒr Tausende Menschen aus. Die Behörden warnten weiter vor Hochwasser-Gefahren. Das galt auch am Fluss Po, der von Westen quer durch Italien fließt und in die Adria mĂŒndet.

21 Menschen, die im Piemont als vermisst galten, wurden schließlich auf der anderen Seite der Grenze im Hinterland von Nizza gefunden, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete. Auch eine deutsche Trekkinggruppe mit fĂŒnf MĂ€nnern und einer Frau, die im piemontesischen Tal Valle Gesso zunĂ€chst als vermisst galt, wurde auf einer HĂŒtte entdeckt und in Sicherheit gebracht.

In Venedig wurde am Samstag die neue Hochwasserschutzanlage Mose erstmals in einer echten Gefahrenlage hochgefahren. Die Tore der Flutschleusen an den Öffnungen der Lagune wurden aufgestellt. Am Sonntag hieß es in Medienberichten, Mose habe Wirkung gezeigt: Trotz erhöhter WasserstĂ€nde sei der Markusplatz im Zentrum trocken geblieben.

Regierungschef Castex und Innenminister GĂ©rald Darmanin waren am Samstag in das DĂ©partement Alpes-Maritimes geeilt. Castex sicherte der Bevölkerung UnterstĂŒtzung zu; an diesem Mittwoch werde das Kabinett den Katastrophenzustand fĂŒr betroffene Gemeinden ausrufen. Das erleichtert unter anderem EntschĂ€digungen.

SĂŒdfrankreich wird seit Jahren von schweren Unwettern getroffen, die Folgen waren schwer. Im Herbst vergangenen Jahres kamen 14 Menschen ums Leben. Die dicht bebaute CĂŽte d'Azur wurde genau vor fĂŒnf Jahren von schweren Unwettern getroffen, 20 Menschen starben damals.

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