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Die aufgeheizte Debatte um KriminalitÀt von Migranten

dpa, Anne-BĂ©atrice Clasmann

Aktualisiert am 17.03.2018Lesedauer: 3 Min.
Zwei Frauen mit KopftĂŒchern sitzen bei einer Gedenkfeier in der Nikolaikirche nach dem Tod einer 17-JĂ€hrigen: Debatte nach Bluttaten von Migranten.
Zwei Frauen mit KopftĂŒchern sitzen bei einer Gedenkfeier in der Nikolaikirche nach dem Tod einer 17-JĂ€hrigen: Debatte nach Bluttaten von Migranten. (Quelle: Malte Christians/dpa-bilder)
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Die AfD wertet jede Gewalttat eines Asylbewerbers als Beweis fĂŒr die Gefahren offener Grenzen. Die Zahlen aus der Polizeistatistik sind allerdings auch hoch. Nach Kandel und Flensburg tobt eine hochemotionale Diskussion.

Ein 18-jĂ€hriger Asylbewerber aus Afghanistan soll seine 17 Jahre alte deutsche Freundin erstochen haben. Die Bluttat in Flensburg schockiert viele Menschen – auch weil der mutmaßliche TĂ€ter und das Opfer so jung sind. Flensburgs Stadtpastor Johannes Ahrens sagt am Freitagabend bei einer Gedenkfeier in der Nikolaikirche: "Unsere Gedanken und GefĂŒhle sind aufgewĂŒhlt und unterwegs." Da sei es gut, zusammenzukommen - "gleich welcher Herkunft, Sprache und Religion. Um innezuhalten. Um zu trauern."


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"Invasion kulturfremder muslimischer MĂ€nner"

Die Ermittler haben zum Motiv zwar offiziell noch keine Angaben gemacht. Aus dem Umfeld heißt es jedoch, religiöse Fragen hĂ€tten in diesem Beziehungsdrama wohl keine Rolle gespielt. FĂŒr die Autoren rechter Blogs und Foren steht trotzdem sofort fest: Der Islam ist schuld. Mireilles Tod in Flensburg ist fĂŒr sie nicht das traurige Lebensende eines jungen MĂ€dchens aus schwierigen VerhĂ€ltnissen, sondern Ergebnis einer "Invasion kulturfremder muslimischer MĂ€nner".

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Die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, fĂŒhrt offenbar sogar eigene Strichlisten. Sie schreibt: "Wieder ein Opfer der "Willkommens"-Politik. Im Wochentakt erfahren wir von MĂ€dchen, die von Asylbewerbern niedergestochen oder mit Messern grausam ermordet werden." AfD-Parteichef Jörg Meuthen schreibt auf Facebook: "Fast jeden Tag neue, katastrophale Meldungen ĂŒber Messerattacken durch Merkels GĂ€ste in Deutschland."

Anzahl schwerer Gewaltverbrechen durch Migranten bekannt

Wie hĂ€ufig AuslĂ€nder schwere Gewaltverbrechen begehen, darĂŒber gibt die Polizeiliche Kriminalstatistik Auskunft. Die aktuellsten Zahlen stammen von 2016. Damals verzeichneten die Polizeibehörden bundesweit 3765 "Straftaten gegen das Leben". Darunter fallen vor allem Mord, Totschlag und fahrlĂ€ssige Tötung. In 12 Prozent der FĂ€lle aus diesem Bereich wurden Zuwanderer – darunter versteht die Polizei Asylbewerber, BĂŒrgerkriegsflĂŒchtlinge, AuslĂ€nder, die mit einer Duldung in Deutschland leben, sogenannte KontingentflĂŒchtlinge und Menschen mit "unerlaubtem Aufenthalt" – als TatverdĂ€chtige ermittelt. Mehr als 70 Prozent von ihnen waren zur Tatzeit Ă€lter als 20 Jahre.

Im vergangenen Dezember gab es eine Messerattacke, die Parallelen zu dem Flensburger Fall aufweist. Wie der TatverdĂ€chtige aus Flensburg, so war auch der mutmaßliche Mörder der 15-jĂ€hrigen Mia aus Kandel in Rheinland-Pfalz ein junger afghanischer Asylbewerber. Auch zwischen Mia und ihm gab es eine – zur Tatzeit von ihr beendete – Beziehung.

Maskuline Dominanz

Über die Schwierigkeiten und Konflikte, die entstehen können, wenn sich junge Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen anfreunden oder eine Liebesbeziehung eingehen, treffen diese Statistiken keine Aussage. Der Kriminalwissenschaftler Christian Pfeiffer schreibt in einer aktuellen Studie ĂŒber die "Akzeptanz gewaltlegitimierender MĂ€nnlichkeitsnormen". Er sagt: "Die FlĂŒchtlinge stammen ganz ĂŒberwiegend aus LĂ€ndern, die von maskuliner Dominanz geprĂ€gt sind."

Die Frauenrechtsorganisation "Terre des Femmes" hat kĂŒrzlich einen mehrsprachigen Animationsfilm fĂŒr FlĂŒchtlinge mit dem Titel "Gleichberechtigt leben in Deutschland" produziert. Darin wird erklĂ€rt, dass man seine Partnerin nicht schlagen darf, dass Zwangsheirat verboten ist und Frauen gleichberechtigt sind.

Gesa Birkmann von "Terre des Femmes" sagt: "Da gibt es sicher noch viele HĂŒrden zu nehmen." Man mĂŒsse sich stĂ€rker als bisher damit auseinandersetzen, welche Wertvorstellungen Zuwanderer haben. "Das hat aber mit Merkels FlĂŒchtlingspolitik nichts zu tun", betont sie. Schließlich wisse jeder, der sich fĂŒr Opfer von hĂ€uslicher Gewalt engagiere, dass diese auch von deutschen MĂ€nnern ausgehe.

Es wird zu viel herumgeeiert

Benita von Brackel-Schmidt arbeitet bei "Refugees Welcome Flensburg". Sie betreut fĂŒnf Afghanen im Alter zwischen 17 und 20 Jahren, ist selbst Mutter. Sie sagt, die Integrationskurse wĂŒrden vor allem fĂŒr Afghanen meist viel zu spĂ€t angeboten. Auch werde in diesen Kursen nicht genĂŒgend ĂŒber das GeschlechterverhĂ€ltnis gesprochen. Schließlich werde bei diesen gesellschaftlichen Themen oft zu viel "herumgeeiert". Man mĂŒsse etwa erklĂ€ren, dass niemand beleidigt sein dĂŒrfe, wenn sich aus einem Flirt im Lokal nichts weiter ergibt.

Gauhar Besmil hat Afghanistan 1972 verlassen. Die 64-JĂ€hrige engagiert sich ehrenamtlich bei "Terre des Femmes". Sie betont, die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit der afghanischen FlĂŒchtlinge, die sie in Deutschland kennengelernt habe, verabscheue die Taliban und ihre Ideen. Viele hĂ€tten "ein Leben voller Krieg und Missachtung" erlebt. Wer Konflikte vermeiden wolle, mĂŒsse dafĂŒr sorgen, dass sie hier kein Leben "in FlĂŒchtlingsheimen und Ghettos abgekapselt" fĂŒhren.

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In Flensburg gab es am Freitagabend vor der Kirche keine Proteste rechtsgerichteter Gruppierungen gegen Asylbewerber und eine liberale FlĂŒchtlingspolitik – anders als in Kandel. Unter den um Mireille Trauernden waren auch viele Afghanen.

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  • Lars Wienand
Von Lars Wienand
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