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Nervengift bestätigt: Wurde das Paar nur zufällig mit Nowitschok vergiftet?

Verdacht auf Nervengift bestätigt  

Wurde das Paar nur zufällig mit Nowitschok vergiftet?

05.07.2018, 17:22 Uhr | AFP, dpa, df, dru, aj

Nervengift bestätigt: Wurde das Paar nur zufällig mit Nowitschok vergiftet?. Emittler bestätigen einen schlimmen Verdacht im britischen Salisbury: Ein Paar ist durch ein tödliches Nervengift erkrankt. (Quelle: Reuters/Henry Nicholls)

Emittler bestätigen einen schlimmen Verdacht im britischen Salisbury: Ein Paar ist durch ein tödliches Nervengift erkrankt. (Quelle: Henry Nicholls/Reuters)

Erneut sind in Südengland zwei Menschen mit Nowitschok vergiftet worden. Sind die Opfer womöglich mit dem Behältnis in Kontakt gekommen, das für den Skripal-Anschlag verwendet wurde?

Die lebensbedrohliche Vergiftung eines Paares in Südengland vier Monate nach dem Anschlag auf die Skripals könnte ein tragischer Zufall gewesen sein. Denn die Vergiftung geht einem Bericht zufolge womöglich auf einen kontaminierten Gegenstand aus dem Fall Skripal zurück. Testergebnisse des Chemielabors des britischen Militärs hatten zuvor bestätigt, dass die Briten ebenfalls dem Nervengift Nowitschok ausgesetzt waren. Das teilte der Leiter der britischen Terrorabwehr, Neil Basu, mit. 

Das nahe der Stadt Salisbury aufgefundene Paar kam demnach mit dem gleichen Gift in Berührung wie im März der russische Ex-Doppelagent Sergei Skripal und dessen Tochter. Die britische Regierung kommt heute zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.


Noch nicht ganz klar ist, wie das Paar mit dem Gift in Berührung kam. Die Nachrichtenagentur Press Association berichtet unter Berufung auf eine ranghohe Regierungsquelle, das im Fall Skripal verwendete Behältnis für den Kampfstoff könnte ungewollt auch die nun erkrankten Briten in Lebensgefahr gebracht haben. Statt eines zweiten Anschlags prüfen die Ermittler also auch den Verdacht einer solchen Kreuzkontamination.

Der vor dem Anschlag auf die Skripals verwendete Behälter zur Aufbewahrung des Nervengifts sei bis heute nicht gefunden worden, berichtete Press Association unter Verweis auf die Regierungsquelle. Denkbar sei deshalb, dass das Paar mit demselben Gegenstand in Berührung kam – ohne bis dahin selbst etwas mit dem Kriminalfall Skripal zu tun gehabt zu haben.

Fall löst neue Unsicherheit aus

Die lebensbedrohliche Vergiftung des Paares und die Unsicherheit, ob sie vielleicht nur ein Zufall war, löst neue Ängste bei den Menschen in der Region aus. "Wir dürfen den Effekt nicht unterschätzen, der von der schockierenden Nachricht eines zweiten solch schweren Vorfalls binnen derart kurzer Zeit ausgeht", warnte der Polizeichef der Grafschaft Wiltshire, Kier Pritchard. 

Das in Lebensgefahr schwebende Paar liegt in derselben Klinik der Stadt Salisbury, in der schon der ehemalige russische Doppelagent Sergei Skripal (67) und seine Tochter Julia (33) behandelt wurden.

Neil Basu (r.), Leiter der britischen Terrorismusbekämpung, und die Gesundheitsbeauftragte Sally Davies: Verdacht auf eine Kreuzkontamination mit Nowitschok. (Quelle: dpa/John Stillwell)Neil Basu (r.), Leiter der britischen Terrorismusbekämpung, und die Gesundheitsbeauftragte Sally Davies: Es besteht der Verdacht auf eine Kreuzkontamination mit Nowitschok. (Quelle: John Stillwell/dpa)

"Es ist das gleiche Nervengift", sagte Terrorabwehr-Chef Basu vor Journalisten. Woher das Nervengift im jüngsten Fall genau komme, müssten weitere Untersuchungen zeigen. Unklar sei, ob sich jemals feststellen lasse, ob das Gift aus derselben Charge wie im Fall Skripal stamme. Dies müssten nun die Experten untersuchen.

Keine Hinweise auf gezielten Angriff

"Die Priorität liegt für die Ermittler jetzt darin, zu klären, wie diese beiden Leute in Kontakt mit diesem Nervengift gekommen sind", sagte Basu weiter. Bislang deute nichts darauf hin, dass die beiden Opfer "auf irgendeine Weise gezielt angegriffen" wurden. Es bestehe aber die Möglichkeit, die Ermittlungen in dem jüngsten Fall mit den Skripal-Ermittlungen zu verknüpfen, sagte Basu. Die britische Terrorabwehr werde jetzt wie im Fall von Skripal ermitteln. Hundert Beamte seien an den Ermittlungen beteiligt.

Chefermittler Basu sagte allerdings, dass es bislang keine Beweise dafür gibt, dass die 44-jährige Frau und der 45-jährige Mann "kürzlich einen der dekontaminierten Orte" nach der Vergiftung der Skripals aufgesucht hätten. Er versicherte, dass für die Öffentlichkeit nur ein "geringes Risiko" bestehe.

Nur zwölf Kilometer entfernt

Die beiden Opfer waren am Samstag in lebensbedrohlichem Zustand in einem Haus im Dorf Amesbury in Südengland entdeckt worden. Der Ort des Geschehens liegt nur etwa zwölf Kilometer von Salisbury entfernt, wo Skripal und seine Tochter im März mit Nowitschok vergiftet worden waren.

Die Polizei rief die Bevölkerung zur Ruhe auf, riet aber zugleich Menschen, die sich am Freitag und Samstag an denselben Orten wie das vergiftete Paar aufgehalten hätten, ihre Kleidung zu waschen und persönliche Gegenstände abzuwischen. Die Anwohner sollten sich darauf einstellen, in den kommenden Tagen Beamte in Schutzanzügen "an einer Reihe von Orten" zu sehen.

In Amesbury und Salisbury wurden die Orte abgeriegelt, an denen sich das vergiftete Paar aufgehalten hatte, darunter ein Park, eine Unterkunft für Obdachlose, eine Apotheke, eine Kirche und das Haus in Amesbury. Amesbury liegt ganz in der Nähe des Unesco-Weltkulturerbes Stonehenge. 

Sergei Skripal und seine Tochter Julia waren im März in Salisbury mit dem  Nervengift Nowitschok in Kontakt gekommen, das in der Sowjetunion erfunden wurde. Man fand sie bewusstlos auf einer Parkbank. Beide lagen mehrere Wochen lang im Koma, überlebten den Anschlag aber. Der Vorfall löste eine diplomatische Krise zwischen Großbritannien und Russland aus und führte zu Ausweisungen zahlreicher Diplomaten. Die Skripals leben inzwischen an einem unbekannten Ort.

Verwendete Quellen:
  • AFP, dpa

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