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Frankfurt Hauptbahnhof: Kind vor ICE gestoßen – was wir wissen und was nicht

Menschen vor ICE gestoßen  

Schreckenstat von Frankfurt – was wir wissen und was nicht

30.07.2019, 20:42 Uhr | job, t-online.de, AFP, dpa, pdi

 (Quelle: Reuters)
Stoß vor ICE: Staatsanwaltschaft beantragt Haft wegen Mordes

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat im Fall des vor einen Zug gestoßenen Jungen Haftbefehl wegen Mordes beantragt. Der 40-jährige Tatverdächtige schweige bislang zu der Tat. (Quelle: Reuters)

Frankfurter Hauptbahnhof: Die Staatsanwaltschaft hat im Fall des Verdächtigen, der ein Kind und eine Frau vor einen ICE gestoßen haben soll, Haftbefehl wegen Mordes beantragt. (Quelle: Reuters)


Eine Tat erschüttert die Republik: Warum stößt ein Mann am Frankfurter Hauptbahnhof Menschen auf die Gleise? Was wir über den Tod eines achtjährigen Jungen wissen – und was nicht.

Was ist passiert?

Ein Mann hat am Montag im Hauptbahnhof Frankfurt eine 40 Jahre alte Mutter und ihren acht Jahre alten Sohn auf die Gleise gestoßen. Die Mutter konnte sich nach dem Sturz abrollen und sich auf einen schmalen Fußweg zwischen zwei Gleisen retten. Ihr Sohn wurde vom Zug erfasst und starb noch am Tatort. Die Mutter erlitt laut Staatsanwaltschaft einen schweren Schock und leichtere körperliche Verletzungen. Sie wohnt im Hochtaunuskreis und wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Der Mann versuchte anschließend noch, eine 78 Jahre alte Passantin ins Gleisbett zu stoßen. Das gelang ihm jedoch nicht. Die Frau erlitt einen Schock und Verletzungen an der Schulter. Nach den Taten floh der mutmaßliche Täter zunächst aus dem Hauptbahnhof. Passanten und ein Polizist in Zivil verfolgten und überwältigten ihn jedoch. Sie hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei in der Nähe des Hauptbahnhofs fest. 

Wer ist der mutmaßliche Täter?

Der Mann ist laut Staatsanwaltschaft 40 Jahre alt und lebt seit 2006 in der Schweiz. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und wohnte zuletzt im Kanton Zürich. Der Mann besitzt laut Schweizer Polizei die eritreische Staatsbürgerschaft und eine sogenannte Niederlassungsbewilligung in der Schweiz. Diese wird Ausländern in der Schweiz nach einem Aufenthalt von fünf oder zehn Jahren im Land ausgestellt. Niedergelassene haben damit laut dem Staatssekretariat für Migration ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht.

Der mutmaßliche Angreifer ist nach Angaben der Bundespolizei in der Schweiz zur Festnahme ausgeschrieben gewesen. Er soll am vergangenen Donnerstag eine Nachbarin mit einem Messer bedroht, sie gewürgt und eingesperrt haben und danach geflüchtet sein, wie Bundespolizeipräsident Dieter Romann sagte. 

Dies habe die Schweiz "zum Anlass genommen, ihn national zur Festnahme auszuschreiben". Der 40-Jährige sei aber "auch im Vorfeld mit entsprechenden Delikten bereits in der Schweiz auffällig" gewesen, sagte Romann. Er galt nach Angaben der deutschen Sicherheitsbehörden dennoch als gut integriert und sogar vorbildlich.

Der Mann kam nach eigenen Angaben "vor wenigen Tagen" mit dem Zug aus Basel nach Frankfurt, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Der Grund seiner Reise ist bislang nicht bekannt. Es lege die Vermutung nahe, dass er auf der Flucht vor den Schweizer Behörden war, so Romann. 

Was weiß man über das Motiv?

Dazu habe man "überhaupt keine Erkenntnisse", heißt es von der Staatsanwaltschaft. Der Mann schweigt bislang zu seinem Motiv. Der Polizei zufolge kannten sich der mutmaßliche Täter und die Opfer offenbar nicht. Nach Angaben der Kantonspolizei Zürich war der Mann in diesem Jahr in psychiatrischer Behandlung. Bei einer Hausdurchsuchung seien Dokumente gefunden worden, die darauf schließen lassen. Er war deswegen zuletzt auch krankgeschrieben. Zuvor hatte auch Nadja Niesen von der Staatsanwaltschaft Frankfurt gesagt: "Die Tat spricht dafür, dass man an eine psychische Erkrankung denkt." Der Mann werde psychiatrisch begutachtet, auch um zu klären, ob er schuldfähig sei. Es gebe keine Hinweise darauf, dass er unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gestanden habe. Ein Atemalkoholtest ergab nach der Festnahme einen Wert von 0,0 Promille.

Was passiert nun?

Es ist eine Mordkommission gebildet worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 40-Jährigen wegen Mordes und zweifachen Mordversuchs. Im Falle einer Verurteilung würde ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe drohen. Noch am Dienstag wurde Haftbefehl gegen den Mann erlassen. Die Behörden vernehmen derzeit Zeugen und werten Videomaterial vom Bahnhof aus.
 

 
Bundesinnenminister Horst Seehofer hat seinen Urlaub unterbrochen. Er führt am Dienstag Gespräche mit Vertretern der Sicherheitsbehörden. Dabei soll es neben dem Mordfall von Frankfurt offenbar auch um andere Themen gehen, etwa um Angriffe und Drohungen gegen Vertreter der Linkspartei, um Bombendrohungen gegen Moscheen sowie den rassistisch motivierten Angriff auf einen Eritreer im hessischen Wächtersbach.

Verwendete Quellen:
  • Stellungnahme der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag
  • Pressekonferenz von Horst Seehofer mit den Chefs der Sicherheitsbehörden
  • Pressekonferenz der Schweizer Polizei
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP
  • weitere Quellen
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