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Schweineherz transplantiert: Empfänger saß als Gewalttäter im Gefängnis

Historische Organtransplantation  

Der Mann mit dem Schweineherz hat eine düstere Vergangenheit

Von Martin Küper

14.01.2022, 13:18 Uhr
Schweineherz transplantiert: Empfänger saß als Gewalttäter im Gefängnis. David Bennett (3. v. l.) 2019 im Kreis seiner Familie: "Hätte mir gewünscht, dass das Herz jemand bekommt, der es auch verdient hat." (Quelle: dpa/Byron Dillard)

David Bennett (3. v. l.) 2019 im Kreis seiner Familie: "Hätte mir gewünscht, dass das Herz jemand bekommt, der es auch verdient hat." (Quelle: Byron Dillard/dpa)

David Bennett ist der erste Mensch, dem erfolgreich ein Schweineherz implantiert wurde. Seine Geschichte löste weltweit Erstaunen aus, doch eine Familie kann sich nicht für den 57-Jährigen freuen. 

Vor wenigen Tagen hat David Bennett Medizingeschichte geschrieben: Er ist der erste Mensch, dem erfolgreich ein Schweineherz transplantiert wurde. "Ich will leben. Ich weiß, es ist ein Versuch ins Blaue, aber es ist meine letzte Wahl", hatte der 57-Jährige vor dem Eingriff gesagt. Sein Leben hat Bennett jetzt wieder, aber es gibt eine Familie, die ihm sein Glück nicht gönnen will

Es sind die Angehörigen von Edward Shumaker. 1988 ging David Bennett in einer Spelunke mit einem Messer auf Shumaker los, stach ihm immer wieder in Unterleib, Brust und Hals, wie die "Washington Post" berichtet. Der Anlass: Bennetts Frau soll auf Shumakers Schoß gesessen haben. Nach dem Messerangriff lieferte sich der damals 23-Jährige noch eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei. Ein Richter verurteilte Bennett wegen "extremer Gewalt" zu zehn Jahren Gefängnis. 

David Bennett (r.) nach seiner erfolgreichen Herztransplantation: Ein Richter verurteilte ihn wegen "extremer Gewalt" zu zehn Jahren Gefängnis. (Quelle: dpa)David Bennett (r.) nach seiner erfolgreichen Herztransplantation: Ein Richter verurteilte ihn wegen "extremer Gewalt" zu zehn Jahren Gefängnis. (Quelle: dpa)

"Es war die reine Hölle, bis zum Tag, als Ed starb"

Für Edward Shumaker begann nach Bennetts Messerattacke ein Leben in Schmerzen, wie seine Schwester Leslie Shumaker Downey der "Washington Post" erzählte. "Ed hat nur noch gelitten, über Jahre hinweg, an den Verletzungen und dem Trauma. Und meine Familie musste damit leben." Edward Shumaker war den Rest seines Lebens auf einen Rollstuhl angewiesen, er starb einige Jahre später an den Folgen der Attacke. "Es war die reine Hölle, bis zum Tag, als Ed starb", so seine Schwester. 

Leslie Shumaker Downey findet es ungerecht, dass ausgerechnet Bennett die lebensrettende Transplantation bekommen hat. "Bennett hat nach dem Angriff ein schönes Leben gelebt und bekommt jetzt sogar eine zweite Chance. Aber ich hätte mir gewünscht, dass das Herz jemand bekommt, der es auch verdient hat." Doch Mediziner widersprechen ihr. 

"Der wichtigste Grundsatz in der Medizin ist, dass wir jedem Kranken helfen, egal, wer der Mensch ist", sagt der Bioethiker Arthur Caplan der "New York Post". "Es ist nicht unsere Aufgabe, die Menschen in Sünder und Heilige zu unterscheiden. Verbrechen sind Sache des Justizsystems". Auch die Uniklinik in Maryland verteidigt den Eingriff: "Dieser Patient kam zu uns in schwerer Not und wir schauen nicht auf die Vergangenheit eines Menschen, wenn wir ihn behandeln."

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