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Ukraine-Krieg I Die Nacht: Ukrainer müssen mit monatelangen Stromausfällen rechnen


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Ukrainer müssen mit monatelangen Stromausfällen rechnen

Von dpa
22.11.2022Lesedauer: 4 Min.
Russia's military retreat from Kherson
Menschen stehen in Cherson Schlange, um SIM-Karten zu ergattern: Seit dem Rückzug der Russen gibt es in weiten Teilen der Großstadt keine Elektrizität oder fließendes Wasser. (Quelle: REUTERS/dpa-bilder)
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Die Stromversorgung in der Ukraine bleibt ein Problem. Im Donbass wird weiter heftig gekämpft. Ein Überblick über die Geschehnisse in der Nacht.

Das durch russische Raketentreffer schwer beschädigte Stromnetz der Ukraine dürfte auf Monate hinaus äußerst störanfällig bleiben. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, das Land habe am Montag nicht nur mit geplanten Abschaltungen, sondern auch mit plötzlichen Stromausfällen zu kämpfen gehabt. Der Verbrauch übersteige die Stromproduktion, alle müssten Energie sparen. Der Stromversorger Yasno teilte mit, die Ukrainer müssten wohl mindestens bis Ende März mit Ausfällen oder Abschaltungen rechnen.

Während das ukrainische Militär aus dem Kohle- und Stahlrevier Donbass im Osten des angegriffenen Landes weiter heftige Gefechte meldete, gab die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) eine Teilentwarnung: Das von russischen Soldaten besetzte Atomkraftwerk Saporischschja sei trotz des intensiven Beschusses am Wochenende weitgehend intakt.

Erinnerung an Protest auf Maidan vor neun Jahren

Selenskyj erinnerte in seiner Videoansprache am Montag an den Beginn der proeuropäischen Demonstrationen auf dem Unabhängigkeitsplatz der Hauptstadt Kiew, dem Maidan, vor neun Jahren am 21. November 2013. Der Protest führte im Februar 2014 zum Sturz der Russland freundlich gesinnten Regierung. Moskau nutzte aber die Schwächephase der Ukraine, um die Halbinsel Krim zu annektieren und wenig später auch den Krieg in der Ostukraine zu beginnen.

Freiheit und Würde des ukrainischen Volkes seien mehr als tausend Jahre alt, sagte Selenskyj. Das Volk habe viele Bedrohungen seiner Freiheit und Existenz überstanden. "Und jetzt haben wir eine historische Chance, die ukrainische Freiheit ein für alle Mal zu schützen", sagte er mit Blick auf den erhofften Sieg über die russischen Angreifer.

20. Februar 2014: Der Maidan gleicht einem Schlachtfeld.
20. Februar 2014: Der Maidan gleicht einem Schlachtfeld (Quelle: imago-images-bilder)

Selenskiyj fordert Landsleute zum Stromsparen auf

Wegen des Strommangels im ukrainischen Netz wandte Selenskyj sich an die regionalen und kommunalen Verwaltungen: Sie sollten die Bürger weiter zum Stromsparen anhalten. Auch im öffentlichen Raum müsse Strom gespart werden. "Heute Abend ist die Lage in Kiew und Umgebung sowie in Winnyzja, Sumy, Ternopil, Tscherkassy, Odessa und einigen anderen Städten und Bezirken besonders schwierig", sagte Selenskyj.

"Der Systemschaden, der unserem Energiesektor durch die Anschläge der russischen Terroristen entsteht, ist so groß, dass alle unsere Bürger und Unternehmen sehr sparsam sein und den Verbrauch über die Stunden des Tages verteilen sollten", sagte er. Russland zerstört mit Raketenangriffen seit Mitte Oktober gezielt und völkerrechtswidrig das Energiesystem der Ukraine. Nach Aussage von Kremlsprecher Dmitri Peskow soll die Regierung des Nachbarlands so an den Verhandlungstisch gezwungen werden.

Die Stromtechniker versuchten ihr Möglichstes, die Schäden am Netz zu reparieren, bevor es noch winterlicher werde, schrieb der Chef des Stromversorgers Yasno, Serhij Kowalenko, auf Facebook. "Auch wenn es jetzt weniger Ausfälle gibt, möchte ich, dass jeder versteht: Wahrscheinlich werden die Ukrainer mindestens bis Ende März mit Ausfällen leben müssen", schrieb er. Der Netzbetreiber Ukrenergo kündigte für Dienstag planmäßige Abschaltungen im ganzen Land an.


Verwüstung und Tod: Die Chronologie des Ukraine-Krieges

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Kiew: Bereits am 10. Oktober hat Russland Kiew und andere große Städte der Ukraine mit Raketen beschossen.
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Heftige Gefechte im Donbass

Zu den Kämpfen im Donbass teilte der ukrainische Generalstab mit, Russland konzentriere seine Angriffe auf die Städte Awdijiwka und Bachmut im Gebiet Donezk. An anderen Orten sprach der Generalstab von einer "aktiven Verteidigung" der russischen Truppen – dort greifen also offenbar die Ukrainer an. Genannt wurden die Orte Kupjansk und Lyman sowie Nowopawliwka und die Front im Gebiet Saporischschja. Die russischen Truppen wehrten sich mit Panzern, Mörsern, Rohr- und Raketenartillerie, hieß es.

Dem offiziellen Bericht zufolge verstärkten die russischen Truppen in der Südukraine ihre Verteidigungslinien auf dem südlichen Ufer des Flusses Dnipro. Nach inoffiziellen Angaben nimmt die ukrainische Artillerie diesen Raum in Richtung Krim mit ihren weittragenden Geschützen unter Feuer. Russische Militärblogger berichteten von einem erfolgreichen russischen Vorstoß auf den Ort Marjinka bei Donezk. Die ukrainische Stadt Wowtschansk im Gebiet Charkiw wurde am Montagabend von den Geschossen russischer Mehrfachraketenwerfer getroffen, wie örtliche Behörden berichteten.

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IAEA: Atombrennstoffe in Saporischschja lagern sicher

Unmittelbare Bedenken wegen der nuklearen Sicherheit des AKW Saporischschja gebe es nicht, sagte der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi. Vier IAEA-Experten hätten das größte europäische Atomkraftwerk überprüft. Der Status der sechs Reaktoreinheiten sei stabil. Die Unversehrtheit des abgebrannten Brennstoffs, des frischen Brennstoffs und des schwach-, mittel- und hochradioaktiven Abfalls in ihren Lagern sei bestätigt worden.

Dennoch hätten die Experten vielerorts Schäden auf dem Gelände festgestellt. "Dies ist ein großer Anlass zur Sorge, da es die schiere Intensität der Angriffe auf eines der größten Atomkraftwerke der Welt deutlich macht", sagte Grossi. Das AKW war am Samstag und Sonntag von Dutzenden Granateinschlägen erschüttert worden. Auch in den Monaten davor war die Anlage unter Beschuss geraten. Die Ukraine und Russland geben sich gegenseitig die Schuld dafür.

Das wird am Dienstag wichtig

Das russische Parlament, die Staatsduma in Moskau, will am Dienstag die Erschießung russischer Soldaten bei der Gefangennahme durch ukrainische Soldaten verurteilen. Parlamente anderer Länder sollen aufgefordert werden, sich anzuschließen. Der durch ein Video belegte Vorfall soll sich Mitte November ereignet haben, als die Ukraine den Ort Makijiwka im Gebiet Luhansk im Osten des Landes zurückeroberte. Ukrainischen Angaben zufolge soll ein Russe, statt sich zu ergeben, das Feuer eröffnet haben. Die Ukrainer hätten deshalb in Notwehr auf bereits am Boden liegende Russen erschossen. Das UN-Menschenrechtsbüro hat eine Untersuchung angekündigt.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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Von Patrick Diekmann
ChersonDonezkKiewMilitärMoskauRusslandSaporischschjaStromausfallUkraineWolodymyr Selenskyj

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