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Ukraine-Krieg: Verzweifelte Arbeit am Stromnetz nach Raketenangriffen


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Verzweifelte Arbeit am Stromnetz nach Raketenangriffen

Von dpa
Aktualisiert am 24.11.2022Lesedauer: 3 Min.
Feuerwehrleute löschen einen Brand nach einem Raketenangriff in Kiew.
Feuerwehrleute löschen einen Brand nach einem Raketenangriff in Kiew. (Quelle: Evgeniy Maloletka)
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Die Ukraine repariert fieberhaft das von Raketentreffern zerstörte Stromnetz. Polen schlägt deutsche Patriot-Raketen für die ukrainische Armee vor. Ein Überblick.

Nach einem massiven russischen Raketenangriff haben ukrainische Techniker ein weiteres Mal die schwer angeschlagene Energieversorgung ihres Landes zu reparieren versucht. Das Präsidialamt in Kiew meldete am späten Mittwochabend erste Erfolge: In 15 Gebieten gebe es teilweise wieder Strom, teilte Vizechef Kyrylo Tymoschenko mit.

"Die Besatzer tun alles, damit Menschen leiden, damit wir einander nicht einmal fühlen oder sehen", sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Er wurde auch zu einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York zugeschaltet und forderte dort, Moskau zu verurteilen. Russland müsse deutlich als terroristischer Staat bezeichnet werden.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verurteilte die Bombardierung ziviler Infrastruktur in der Ukraine scharf. "Dieser Bombenterror gegen die Zivilbevölkerung muss aufhören - und zwar sofort", sagte er in Berlin. Am Donnerstag dauert der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine genau neun Monate: Russische Truppen waren am 24. Februar in das Nachbarland einmarschiert.

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Eine dunkle Nacht in der Ukraine

Russland schoss am Mittwoch etwa 70 Raketen sowie Drohnen auf die Ukraine ab. Zwar wurden nach Luftwaffenangaben 51 Raketen und 5 Drohnen abgefangen. Doch die übrigen Geschosse töteten zehn Menschen und richteten zum wiederholten Mal schwere Schäden am Stromnetz der Ukraine an. Die Kernkraftwerke des Landes schalteten sich ab, die meisten Wärme- und Wasserkraftwerke fielen aus, wie das Energieministerium mitteilte. Es kam zu großflächigen Blackouts.

In der Hauptstadt Kiew mit ihren drei Millionen Einwohnern waren nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko 80 Prozent der Haushalte ohne Strom und Wasser. Journalisten berichteten, sie hätten die Stadt noch nie so finster gesehen. Die Verwaltung wollte handbetriebene Sirenen und Lautsprecher einsetzen, um in Stadtteilen ohne Strom vor möglichen weiteren Luftangriffen zu warnen. "In Kiew ist die Lage schwierig", sagte Selenskyj. "Die Arbeiten dauern die ganze Nacht." Ein Ergebnis sei erst Donnerstagvormittag zu erwarten.

Russland werde das militärische Potenzial der Ukraine weiter dezimieren, bis Kiew eine "realistische Haltung" zu Verhandlungen einnehme, sagte der Moskauer UN-Botschafter Wassili Nebensja im Sicherheitsrat. Die Angriffe auf die Infrastruktur seien die Antwort "auf das Vollpumpen des Landes mit westlichen Waffen und die unklugen Aufrufe, Kiew solle einen militärischen Sieg über Russland erringen". Die Ukraine setzt darauf, russische Truppen aus allen besetzten Gebieten zu vertrieben.

Kritik an Russlands Raketenangriffen

Bundeskanzler Scholz sagte zu den Angriffen, der russische Präsident Wladimir Putin zeige einmal mehr, wie rücksichtslos und erbarmungslos er in diesen Krieg vorgehe. "Ein Krieg, den er auf dem Schlachtfeld gar nicht mehr gewinnen kann, so viel scheint klar." Er forderte Putin auf, seine Truppen abzuziehen und in Friedensgespräche mit der Ukraine einzuwilligen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die Angriffe auf Strom- und Wasserversorgung der Ukraine als Kriegsverbrechen, die Konsequenzen haben müssten. Gleichwohl kündigte Macron an, dass er demnächst wieder Kontakt zu Putin aufnehmen wolle. Auch die USA verurteilten die Angriffe.

Bei einem Verteidigungsgipfel früherer Sowjetrepubliken forderte der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew einen Friedensschluss in Russlands Krieg gegen die Ukraine. "Was die Ukraine betrifft, denke ich, dass die Zeit für eine kollektive Suche nach einer Friedensformel gekommen ist", sagte Tokajew beim Gipfeltreffen der von Russland dominierten Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS).

Europäische Politikerinnen solidarisch mit Kiew

Europastaatsministerin Anna Lührmann (Grüne) und die Vizepräsidentin des EU-Parlaments Nicola Beer (FDP) besuchten mit weiteren europäischen Politikerinnen am Mittwoch die Ukraine. Lührmann kündigte weitere 40 Millionen Euro als humanitäre Hilfe für den Winter an. Weitere fünf Millionen Euro würden für ukrainische Schulen aufgewendet. Deutschland werde auch Generatoren liefern.

Polen schlägt deutsche Flugabwehr in der Westukraine vor

Polen änderte am Mittwoch seine Haltung zu dem Berliner Vorschlag einer gemeinsamen Verteidigung des Luftraums an der Nato-Ostgrenze. Deutsche Patriot-Flugabwehrsysteme sollten nicht wie geplant in Polen, sondern im Westen der Ukraine stationiert werden, schrieb Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak auf Twitter. "Dies würde es ermöglichen, die Ukraine vor weiteren Opfern und Stromausfällen zu bewahren und die Sicherheit an unserer Ostgrenze zu erhöhen."

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In der vergangenen Woche war im ostpolnischen Dorf Przewodow im Grenzgebiet zur Ukraine eine Rakete eingeschlagen, zwei Zivilisten starben. Derzeit geht der Westen davon aus, dass es eine ukrainische Flugabwehrrakete war, die zur Verteidigung gegen Angriffe des russischen Militärs eingesetzt wurde. Deutschland bot Polen daraufhin Patriot-Batterien und Eurofighter zum Schutz der Nato-Ostgrenze an.

Waffensystem Patriot der Bundeswehr (Archiv): Deutschland hat Polen angeboten, das Raketenabwehrsystem zur Verfügung zu stellen.
Waffensystem Patriot der Bundeswehr (Archiv): Deutschland hat Polen angeboten, das Raketenabwehrsystem zur Verfügung zu stellen. (Quelle: via www.imago-images.de)

Das wird am Donnerstag wichtig

Die Reparaturarbeiten am Stromnetz der Ukraine gehen am Donnerstag weiter. Die Ukraine erwartet zudem ein weiteres Schiff, um Getreide für den Transport über das Schwarze Meer aufzunehmen. Am Mittwoch legten nach UN-Angaben drei Schiffe mit Getreide aus ukrainischen Häfen ab. Die Vereinten Nationen und die Türkei hatten die ukrainischen Exporte in Abstimmung mit Russland ermöglicht.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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