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Putins Wagner-Söldner plündern Afrika: Der blutige Raub


Wagner-Söldner
"Sie klauten alles. Dann brannten sie das Haus nieder"

Von t-online, cc

Aktualisiert am 19.05.2023Lesedauer: 5 Min.
Zentralafrikanische Republik: In der Nähe der Mandjim Goldmine verteidigen Rebellen die Zivilbevölkerung gegen Angriffe von Wagner-Söldnern.Vergrößern des BildesZentralafrikanische Republik: In der Nähe der Mandjim Goldmine verteidigen Rebellen die Zivilbevölkerung gegen Angriffe von Wagner-Söldnern. (Quelle: DE VIGUERIE Veronique)
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Wagner-Söldner kämpfen nicht nur in der Ukraine. Auch in Afrika sind die Schergen des Kremls aktiv. Ihre Armee finanzieren sie offenbar auch durch systematischen Bodenraub.

Mitten in Bangui, zwischen Universität und Fußballstadion, steht ein ungewöhnliches Denkmal. Es zeigt vier Soldaten in Kampfaufstellung. Einer von ihnen visiert durch einen Feldstecher das Ziel, die anderen drei haben ihre Maschinengewehre im Anschlag. Welchen Feind die Gruppe im Blick hat, ist nicht klar. Klar ist nur, dass das Denkmal der Gruppe Wagner gewidmet ist. Es stilisiert russische Söldner, die im Auftrag des russischen Unternehmers Jewgeni Prigoschin in Afrika unterwegs sind.

Bangui ist die Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik (ZAR), einem der ärmsten Länder der Welt. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern in der ZAR liegt bei 52 Jahren. Eine Lehrkraft muss im Schnitt 83 Grundschüler betreuen. Im Bericht der Vereinten Nationen (UNDP 2021) über die menschliche Entwicklung liegt das Land auf Rang 188. Und damit auf dem letzten Platz.

Das Erschreckende ist, dass die Republik eigentlich sehr reich ist. Vor allem an Bodenschätzen wie Gold, Diamanten und dem zur Herstellung von Kernenergie und Nuklearwaffen benötigten Schwermetall Uran. Doch die Ausbeutung dieser Schätze kommt nicht der Bevölkerung zugute. Stattdessen wandern die Erträge aus den Gold- und Uranminen vor allem in die Taschen einer vermögenden Oberschicht, der autokratischen Regierung – und seit einiger Zeit auch in die Taschen der Gruppe Wagner.

Zeuge: Von Wagner-Söldnern überfallen und ermordet

Spätestens seit 2017 ist die Söldnerarmee in der Zentralafrikanischen Republik aktiv. Ein Jahr zuvor war Faustin-Archange Touadéra zum Präsidenten der ZAR gewählt worden, ein ehemaliger Mathematik-Professor, der sich anschickte, seine Macht auch mithilfe der Wagner-Söldner zu sichern. Wie der US-amerikanische Fernsehsender CBS berichtet, protegierten Wagner-Söldner etwa Touadéras Wahlkampfveranstaltungen im Vorfeld des Urnengangs 2021, bei dem der amtierende Präsident sich eine zweite Amtszeit sichern konnte.

Im Gegenzug trat Touadéra laut Medienberichten eine bedeutende Zahl an Schürfrechten an das Unternehmen von Prigoschin ab. Um diese Schürfrechte zu nutzen, bedienen sich die russischen Paramilitärs besonders brutaler Methoden. So vertrieben sie laut Augenzeugen vielerorts einheimische Minenschürfer mit roher Gewalt. Dabei soll etwa die Familie eines Goldsuchers, die in einem kleinen Dorf nach dem Edelmetall schürfte, von Wagner-Soldaten überfallen und ihr Geschäft übernommen worden sein.

"Sie stahlen alles. Dann brannten sie unser Haus nieder", berichtet ein Mann namens Usman dem Fernsehsender CBS. Die Schwestern des Mannes sollen vergewaltigt, sein jüngerer Bruder ermordet worden sein. Er selbst wurde laut eigener Aussage in einem provisorischen Gefängnis gefoltert. Unter anderem sollen ihn die Wagner-Söldner tagelang in einen Sack gesteckt haben, den sie mit einem Seil verschnürten. Doch Usman konnte fliehen.

"Ein Hund stirbt den Tod eines Hundes"

Die brutalen Methoden der Gruppe Wagner sind auch aus anderen Konfliktherden der Welt bekannt. Syrien, Libyen, Tschad, Mali oder jüngst die Ukraine. Überall dort, wo die Schergen Prigoschins auftauchen, verbreiten sie Angst und Schrecken. Prigoschin selbst rühmt sich in Videos immer wieder seiner Kaltblütigkeit. Wer die Befehle der Wagner-Kommandeure nicht befolgt, dem droht der Tod.

Nachdem seine Männer im November 2022 einen zur Ukraine übergelaufenen Kämpfer mit einem Vorschlaghammer ermordeten und das Video der Hinrichtung in sozialen Netzwerken verbreiteten, spottete Prigoschin: "Ein Hund stirbt den Tod eines Hundes."

Als ähnlich blutrünstig wird das Vorgehen Wagners auch in Syrien oder in einigen afrikanischen Staaten beschrieben. Dabei ist der afrikanische Kontinent längst zu einem weiteren Schauplatz der Auseinandersetzungen um weltweite Einflusssphären zwischen den Supermächten China, USA und Russland geworden.

Während China seinen Fußabdruck vornehmlich in Gestalt von langfristigen Handelsverträgen hinterlässt, bedient sich Russlands Diktator Wladimir Putin handfesterer Methoden. Mithilfe Prigoschins, den Putin noch aus gemeinsamen Zeiten in St. Petersburg kennt, greift der Kremlherrscher auch in Afrika nach der Macht und sichert sich geopolitischen Einfluss. Zugleich bescheren die Interventionen der Wagner-Söldner Prigoschin mutmaßlich Milliardeneinkünfte und dem Kreml Nachschub an Rohstoffen.

Wird der Krieg in der Ukraine auch finanziert durch den Raub in Afrika?

Während Russland den afrikanischen Staaten "Frieden und Stabilität" verspricht, wenn sie mit russischen Söldnern kooperieren, sehen Geheimdienste wie die amerikanische Central Intelligence Agency (CIA) das Engagement von Prigoschins Truppen eher als Indiz dafür, dass die betreffenden Länder in politischem Chaos versinken, die politische Führung gestürzt und durch Wagner-treue Warlords ersetzt wird. Im Tschad soll Wagner laut CIA etwa ein Attentat auf den derzeitigen Präsidenten geplant haben.

Der Zugang zu den Bodenschätzen in Afrika, wie den Gold- und Diamantminen in der ZAR, könnte auch ein Garant dafür sein, dass Prigoschin und Putin den Krieg in der Ukraine so weiterführen können, wie sie es derzeit tun, mit unverminderter Intensität und Grausamkeit. "Oder wie lässt sich das sonst erklären, dass Russland trotz aller Embargos weitermacht, als sei nichts gewesen?", fragt Usman im Sender CBS. "Das wirkt doch ein bisschen wie Zauberei."

Allerdings sah sich der Kreml Anfang dieses Jahres genötigt, Gold- und Währungsreserven zur Deckung des russischen Haushaltslochs zu verkaufen. Insgesamt seien 2,27 Milliarden Yuan (rund 309 Millionen Euro) sowie 3,6 Tonnen Gold verkauft worden, teilte das russische Finanzministerium nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Tass mit. Das Embargo gegen Moskau zeigt also durchaus eine gewisse Wirkung. Einen Sinneswandel bei den Beteiligten hat es aber nicht bewirkt.

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So steht auch Prigoschin selbst auf der internationalen Sanktionsliste. Bislang offenbar ohne gravierende Folgen. Im Gegenteil, der kremltreue Oligarch verfügt mit seiner Gruppe Wagner inzwischen über ein multinational operierendes Unternehmen, das von Fachleuten als Verbrechersyndikat eingestuft wird.

Mit riesigen Frachtflugzeugen wird das Gold angeblich nach Russland geflogen

Experten schätzen, dass zwischen 1.200 und 2.000 Wagner-Söldner allein in der ZAR aktiv sind. Manche gehen sogar von bis 3.000 russischen Paramilitärs aus. Sie sorgen dafür, dass Präsident Touadéra an der Macht bleibt und der systematische Bodenraub reibungslos verläuft.

Touadéra soll Wagner Exklusivverträge mit Laufzeiten von bis zu 25 Jahren zur Nutzung von Goldminen gewährt haben. Das Edelmetall soll laut CBS-Recherchen über den Airport von Bangui mit riesigen Frachtflugzeugen zunächst in die Vereinigten Arabischen Emirate ausgeflogen und dann weiter nach Moskau gebracht werden.

So würden afrikanische Bodenschätze auch den Krieg in der Ukraine finanzieren helfen. Dort belagern Prigoschins Truppen seit Monaten die Stadt Bachmut.

Aber nicht nur Gold, Diamanten und Uran sollen die Wagner-Männer plündern. Auch auf Afrikas Holz haben sie es wohl abgesehen. Wie die CBS-Investigation aufdeckt, soll die Gruppe unter dem Schutzmantel verschiedener Tarnfirmen massenweise Holz aus der Zentralafrikanischen Republik über Häfen im Nachbarland Kamerun nach Russland verschiffen. So trägt Wagner überdies dazu bei, dass auch die Wälder in der ZAR in rasantem Tempo abgeholzt werden.

Die Plünderung der Rohstoffe durch Wagner bringt Prigoschin und seinen Männern Experten zufolge Milliarden Dollar ein. All das geschieht mit Zustimmung der autokratisch geführten Regierung in ZAR.

Inwieweit auch der Kreml von den Geschäften profitiert, lässt sich nicht sagen. Sicher ist, dass Wladimir Putin mit Jewgeni Prigoschin und seinen Wagner-Söldnern willfährige Helfer hat, die dem Diktator Einfluss in verschiedenen Regionen der Welt sichern. Und außerdem zuverlässig Tod und Verderben bringen.

Verwendete Quellen
  • medium.com: First Russian mercenary statue in Africa identified in the Central African Republic (englisch)
  • cbsnews.com: How Russia's Wagner Group funds its role in Putin's Ukraine war by plundering Africa's resources (englisch)
  • zeit.de: Gruppe Wagner. Putins bester Schurke
  • destatis.de: Statistisches Länderprofil. Zentralafrikanische Republik
  • hdr.undp.org: Bericht über die menschliche Entwicklung 2022
  • ft.com: Russian mercenaries leave trail of destruction in the Central African Republic (englisch, kostenpflichtig)
  • crisisgroup.org: Russia’s Influence in the Central African Republic (englisch)
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