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Die Corona-Krise und das Weltall

Von dpa
Aktualisiert am 31.03.2020Lesedauer: 3 Min.
Die Kosmonauten Oleg Germanowitsch Artemjew und Sergei Walerjewitsch Prokopjew bringen bei einem knapp siebenst├╝ndigen Einsatz eine Antenne an der Au├čenh├╝lle der ISS an.
Die Kosmonauten Oleg Germanowitsch Artemjew und Sergei Walerjewitsch Prokopjew bringen bei einem knapp siebenst├╝ndigen Einsatz eine Antenne an der Au├čenh├╝lle der ISS an. (Quelle: Alexander Gerst/ESA/dpa./dpa)
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Washington/Moskau/Darmstadt (dpa) - Ein Russe und zwei Amerikaner fliegen derzeit mit der Internationalen Raumstation (ISS) in rund 400 Kilometern H├Âhe um die Erde - weit von der Corona-Krise entfernt.

"Hinsichtlich des Coronavirus ist die ISS derzeit wahrscheinlich einer der sichersten Orte", wird Luis Zea von der University of Colorado in Boulder vom Magazin "Newsweek" zitiert. Wie sieht es bei anderen Raumfahrtprojekten aus? Ein ├ťberblick.

Raumstation ISS

"Die T├Ątigkeiten hier werden weitergehen, egal was auf der Erde passiert", sagt US-Astronaut Andrew Morgan. Er arbeitet gemeinsam mit seinen Kollegen Jessica Meir und Oleg Skripotschka auf dem Au├čenposten der Menschheit. Bald kommt Unterst├╝tzung von der Erde - und es muss zwingend vermieden werden, dass diese drei Raumfahrer das Virus in die Station tragen.

Vor ihrem am 9. April geplanten Flug zur ISS sind die beiden Russen und der Amerikaner im Kosmonauten-Ausbildungszentrum im Sternenst├Ądtchen nahe Moskau darum weitgehend isoliert. Die meisten der ├╝blichen Rituale wurden abgesagt: keine Blumen an den Kremlmauern, kein Besuch im Wohnhaus des sowjetischen Raketenkonstrukteurs Sergej Koroljow. Eine Ausnahme gab es: Die Raumfahrer besuchten das Denkmal f├╝r Juri Gagarin, den ersten Menschen im Weltall, sowie sein Arbeitszimmer in einem Museum.

"Obwohl Weltraumfl├╝ge immer mit einem besonderen Risiko verbunden sind, verstehen wir ganz gut, dass die ISS in den kommenden Monaten der sicherste Ort sein wird", sagt Kosmonaut Anatoli Iwanischin. "Wir sind gesund, die Mannschaft wird sehr sorgf├Ąltig von medizinischem Personal untersucht", meint auch Astronaut Christopher Cassidy. Die beiden Raumfahrer starten Anfang April zusammen mit dem Russen Iwan Wagner ins All. Dort soll die Crew 196 Tage bleiben.

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Wie es auf der Erde in dieser Zeit weitergeht, l├Ąsst sich kaum erahnen. Klar ist aber schon jetzt, dass es Auswirkungen auf zahlreiche Raumfahrtvorhaben gibt.

STARTS

Wegen der Pandemie gibt es aktuell keine Starts vom Weltraumbahnhof in Kourou im s├╝damerikanischen Franz├Âsisch-Guayana mehr. Auch die russische Raumfahrtbeh├Ârde Roskosmos zog von dort den Gro├čteil seiner Mitarbeiter ab. Der russische Weltraumbahnhof Baikonur in der Ex-Sowjetrepublik Kasachstan arbeitet hingegen weiter nach Plan. Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin betonte, dass die Starts auch k├╝nftig weitergehen sollen. Nur Journalisten sind bei den sonst sorgf├Ąltig inszenierten Starts nicht mehr zugelassen. Roskosmos ist seit Jahren die einzige Raumfahrtagentur, die bemannte Fl├╝ge zur ISS anbieten kann.

MISSIONEN

"Die Technik erlaubt uns, dass wir vieles von dem, was wir machen m├╝ssen, aus der Ferne tun k├Ânnen", sagt der Chef US-Raumfahrtbeh├Ârde Nasa, Jim Bridenstine. Die ISS und alle aktuellen Missionen im Weltraum k├Ânnten weiter koordiniert werden. Bei Missionen, die noch in der Planungs- und Bauphase sind, sieht es anders aus. Wo Arbeit vor Ort nicht sicher m├Âglich sei, "da m├╝ssen wir sie vor├╝bergehend einstellen", sagt Bridenstine.

Das betrifft zum Beispiel das Space Launch System und Orion, die Rakete und die Raumkapsel, mit der die Nasa innerhalb der kommenden f├╝nf Jahre Astronauten zum Mond bringen wollte. Auch der Zeitplan f├╝r das James-Webb-Teleskop, das eigentlich 2021 starten sollte, d├╝rfte sich weiter verz├Âgern, ebenso der f├╝r Sommer geplante Start des Mars-Rovers "Perseverance". Und ob die Nasa gemeinsam mit der privaten Raumfahrtfirma SpaceX wirklich wie angek├╝ndigt im Mai zwei Astronauten zur ISS bringen kann, bleibt abzuwarten.

In mindestens zwei Nasa-Forschungszentren in den USA hat es bereits Coronavirus-Nachweise bei Mitarbeitern gegeben. Mit wenigen Ausnahmen sind alle Angestellten aufgerufen, von zuhause aus zu arbeiten.

ESA-PLÄNE

Auch die Pl├Ąne der Europ├Ąischen Weltraumorganisation (Esa) k├Ânnen nicht immer so weiterlaufen wie geplant. Das Europ├Ąische Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt ist nur noch mit einer Rumpfmannschaft besetzt. Durchschnittlich 30 der insgesamt 900 Mitarbeiter arbeiten derzeit im Kontrollzentrum. "Das ist das Minimum", sagt der stellvertretende ESOC-Leiter Paolo Ferri. Bei vier Satelliten seien Instrumente abgeschaltet worden. Auch Tests im Zuge der Sonnenmission "Solar Orbiter", die erst k├╝rzlich gestartet war, seien eingestellt worden.

Grund f├╝r die Vorsicht ist auch der nahende Erdvorbeiflug der Merkur-Sonde BepiColombo. "Die d├╝rfen wir nicht in Gefahr bringen." Das sei eine heikle Phase, in der pr├Ązise gesteuert werden m├╝sse - da d├╝rfe man nicht riskieren, dass weitere Mitarbeiter der Rumpfbesetzung in Quarant├Ąne m├╝ssten. "Wir k├Ânnen die Satelliten nicht von zu Hause aus steuern." Technisch w├Ąre das im Prinzip zwar m├Âglich, aber das Risiko w├Ąre einfach zu gro├č.

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