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"Rassismus? Vielleicht sollte man Fanbl├Âcke schlie├čen"

Von Benjamin Zurm├╝hl

Aktualisiert am 20.01.2020Lesedauer: 7 Min.
Leon Bailey: Der Bayer-Star spielt seit Januar 2017 f├╝r die Werkself.
Leon Bailey: Der Bayer-Star spielt seit Januar 2017 f├╝r die Werkself. (Quelle: Laci Perenyi/imago-images-bilder)
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Affenlaute, Beleidigungen, obsz├Âne Gesten. Fu├čballprofis mit schwarzer Hautfarbe werden selbst im Jahr 2020 immer noch angefeindet. Ein belastender Umstand, ├╝ber den nur wenige Profis sprechen. Leverkusens Leon Bailey tut es ausf├╝hrlich.

Die ├Âffentliche Meinung von Fu├čball-Stars kann durch einen einzigen Fehltritt ├╝ber Jahre ruiniert sein. Bei Leon Bailey ist es ├Ąhnlich. Seine Auseinandersetzung mit einem Boxer in Belgien kurz nach seinem Wechsel nach Leverkusen 2017 handelte ihm schnell ein schlechtes Image ein. Schnell war bei dem Jamaikaner die Rede von einem m├Âglichen "Problem-Profi".


Diese Stars spielen nun in der Bundesliga

Erling Haaland (19, Borussia Dortmund): Die spektakul├Ąrste Verpflichtung des bisherigen Transferfensters hat der BVB get├Ątigt. Mit Erling Haaland wechselt das aktuell wohl gr├Â├čte St├╝rmertalent nach Dortmund. F├╝r wohl knapp 60 Millionen Euro wechselte der Norweger von RB Salzburg zum deutschen Vize-Meister.
Exequiel Palacios (21, Bayer Leverkusen): F├╝r rund 22 Millionen Euro hat die Werkself den Argentinier Exequiel Palacios verpflichtet. Der Nationalspieler kommt vom argentinischen Klub River Plate. Bislang ist er die einzige Verpflichtung der Leverkusener.
+5

Dass sich Bailey dazu auf den sozialen Netzwerken gerne in schicken und teuren Klamotten zeigt, ist f├╝r so manchen Kritiker Wasser auf die M├╝hlen. Doch wenn man sich mit dem 22-J├Ąhrigen unterh├Ąlt, ├Ąndert sich das Bild schnell. Bailey spricht ruhig, denkt ├╝ber seine Antworten nach und hat immer einen Spruch auf den Lippen. Und so hat er mit t-online.de ausf├╝hrlich ├╝ber seine Kindheit in ├ľsterreich, seinen "Bruder" Raheem Sterling und Rassismus in Deutschland gesprochen.

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t-online.de: Herr Bailey, k├Ânnen Sie sich an Ihr erstes Trikot erinnern?

Leon Bailey (22): Das ist schwer (├╝berlegt). Ich kann mich nicht genau daran erinnern. Ich wei├č aber noch, dass ich als Kind ein gro├čes Arjen-Robben-Poster von der WM 2006 in meinem Zimmer hatte. Und dann habe ich Jahre sp├Ąter pl├Âtzlich gegen ihn gespielt. Das war v├Âllig verr├╝ckt f├╝r mich.

War er Ihr Idol in der Kindheit?

Nein. So kann man das nicht sagen. Ich wei├č nicht einmal mehr, wie dieses Poster in mein Zimmer kam (lacht). Ich wei├č nur, dass ich es da h├Ąngen hatte.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit?

Seitdem ich klein war, war Fu├čball immer meine gro├če Liebe. Ich wollte immer mit den anderen Kindern Fu├čball spielen. Als ich zw├Âlf Jahre alt war, sind wir nach ├ľsterreich gezogen. Ein v├Âllig neues Land, weit weg von der Heimat, nur wenige Menschen aus meiner Familie um mich herum. Das war sehr hart f├╝r mich. Dazu war es auch noch sehr kalt, das kannte ich gar nicht. Nach einer gewissen Zeit habe ich mich daran gew├Âhnt.

Haben Sie in dieser Zeit viel geweint?

Ich wurde tough erzogen, habe deshalb wenig geweint. Nur dann, wenn es wieder richtig kalt wurde (lacht). Ich hatte zwar Heimweh, aber habe so oft wie m├Âglich mit der Familie in Jamaika telefoniert. Das geh├Ârt zu den Opfern, die ich bringen musste, um Fu├čballprofi zu werden.

Was waren Ihre ersten Gedanken an ├ľsterreich?

K├Ąlte, Skifahren und Bier. ├ľsterreicher trinken viel Bier. Ach, und Schnitzel nat├╝rlich(lacht).

M├Âgen Sie Schnitzel?

Schnitzel waren das Erste an Europa, was mir gefiel. Das Essen in ├ľsterreich ist komplett anders als das in Jamaika. Schnitzel haben mir damals sofort geschmeckt.

In jungen Jahren sind Sie weitergezogen, haben in der Slowakei und Belgien gespielt, ehe Sie 2017 mit 19 Jahren nach Deutschland kamen.

Ich habe viele L├Ąnder und Vereine kennengelernt. Das hat mir sehr geholfen, um zu reifen und erwachsen zu werden. Von jeder Station habe ich etwas mitgenommen und habe mich so weiterentwickelt.

Leon Bailey (l.) im Trikot des belgischen Erstligisten KRC Genk.
Leon Bailey (l.) im Trikot des belgischen Erstligisten KRC Genk. (Quelle: Belga/imago-images-bilder)

F├╝hlen Sie sich wie 22?

Nein, das k├Ânnen Sie mir glauben. Ich f├╝hle mich viel ├Ąlter (lacht).

Welche Unterschiede haben Sie im Umgang der Menschen miteinander in Europa im Vergleich zu Jamaika wahrgenommen?

Die Kulturen sind sehr unterschiedlich. Jamaikaner sind sehr locker und entspannt. Deutsche zum Beispiel sind sehr direkt und ernst. Ihnen sind Ordnung und Struktur wichtig. Wenn du in Jamaika eine Minute zu sp├Ąt kommst, ist das kein Problem. In Deutschland bist du eigentlich zu sp├Ąt, wenn du p├╝nktlich bist. Ich musste mich daran anpassen, aber das fiel mir als Kind auch leicht. Ich habe die Kultur sehr schnell kennengelernt.

Deutschland wird nachgesagt, eine ausgepr├Ągte Neidkultur zu haben. Wenn jemand sein neues Auto oder seine neue Uhr pr├Ąsentiert, wird er, anders als beispielsweise in den USA, daf├╝r gerne kritisch be├Ąugt.

Das stimmt. Kulturen sind eben unterschiedlich, so wird es immer sein. Kulturen sind wichtig, sie lehren dich viel. Man kann aus mir keinen Deutschen machen und aus einem Deutschen keinen Jamaikaner. Das hei├čt nicht, dass man sich nicht anpassen kann. Wenn ich hier lebe, sollte ich mich an die Vorgaben halten.

Wie erleben Sie die Kritik an teuren Klamotten oder so auf Social Media?

Ich bin den mittel- und nordamerikanischen Lifestyle gewohnt, wo das kein gro├čes Problem ist. Hier eben etwas mehr. Aber das wird sich nicht ├Ąndern und das ist auch okay. Wenn ich mich nur daran orientieren w├╝rde, was in Deutschland besser ankommt, w├╝rde man mir in Jamaika vorwerfen, mich ver├Ąndert zu haben. Man sollte immer authentisch bleiben.

Leon Bailey im Trikot der jamaikanischen Nationalmannschaft.
Leon Bailey im Trikot der jamaikanischen Nationalmannschaft. (Quelle: Icon SMI/imago-images-bilder)

Konnten Sie mit der Kritik schon immer so entspannt umgehen?

Die Menschen sehen nicht, was du alles erlebt hast. Sie sehen dich nur, wenn du an der Spitze bist, und dann gibt es nat├╝rlich auch Menschen, die dir das neiden. Es ist schwer, nach oben zu kommen, aber umso leichter, nach unten zu fallen. Gerade im Fu├čball. Wenn du die Fans entt├Ąuschst und deine Leistung nicht bringst, wirst du kritisiert. Wenn du aber gute Leistungen bringst, lieben dich alle. Was kann man also daraus schlie├čen?

Es geht nicht um dich als Mensch, sondern um dich als Sportler.

Exakt. Genau deshalb sollte man sich nicht so sehr nach anderen richten, sondern vielmehr das tun, wovon man ├╝berzeugt bist. Kritik ist gut, aber man darf sie sich nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Ansonsten kannst du das Leben nicht genie├čen. Wie gesagt: Ich bin Jamaikaner, ich lache viel, mache gerne Witze. Das bin einfach ich. Das macht mich gl├╝cklich. Und genau dieses Gef├╝hl brauche ich, um guten Fu├čball zu spielen. Ein deutscher Spieler braucht das vielleicht nicht. Er spielt am besten, wenn es ruhig ist und er klare Anweisungen und Strukturen hat. Bei Wendell, Lucas (Alario, Anm. d. Red.), Charly (Charles Ar├ínguiz, Anm. d. Red.) oder mir ist es eben anders.

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Sie sind der ber├╝hmteste aktive Fu├čballer aus Jamaika. Aber auch Raheem Sterling von Manchester City hat seine Wurzeln in Jamaika. Sie beide sind gut befreundet. Seit wann kennen Sie sich?

Ich kenne ihn seit ├╝ber sechs Jahren, bevor ich Profi war. Wir haben uns in Jamaika ├╝ber Freunde kennengelernt.

Wo genau?

Jamaika ist sehr klein. Wenn Raheem dort ist, ist er auf den selben Events wie ich. Von dem Moment an, an dem wir uns kennengelernt haben, waren wir befreundet. Und ich wei├č noch, wie ich damals zu ihm gesagt habe: "Mach dir keine Sorgen, ich werde auch bald ein Fu├čballprofi sein." Und jetzt sind wir wom├Âglich die beiden besten Spieler, die ihre Wurzeln in Jamaika haben.

Haben Sie oft Kontakt?

Er ist f├╝r mich wie ein Bruder, wirklich. Durch uns flie├čt zwar nicht das gleiche Blut, aber er ist Familie. Ab und zu schlafe ich mal bei ihm oder wir gehen etwas essen. Ich kenne seine Mutter, seine Schwestern. Ich war sogar erst vor kurzer Zeit mit seinen Schwestern in Jamaika.

Raheem Sterling ist in den letzten Monaten und Jahren nicht nur durch gute Leistungen, sondern auch durch seinen Kampf gegen Rassismus positiv aufgefallen.

Er spricht es aus und daf├╝r bewundere ich ihn. Nat├╝rlich spielt auch die Leistung eine Rolle. Raheem spielt aktuell tollen Fu├čball, deshalb h├Âren ihm alle zu. Wenn er schlecht spielen w├╝rde und er auf Rassismus aufmerksam machen w├╝rde, w├╝rde das nicht den Effekt haben. So ist der Fu├čball, so ist diese Welt. Dass Raheem all das auf sich nimmt, bedeutet mir viel.

Raheem Sterling im T-Shirt der Organisation "Kick it out", die sich gegen Rassismus im Fu├čball einsetzt.
Raheem Sterling im T-Shirt der Organisation "Kick it out", die sich gegen Rassismus im Fu├čball einsetzt. (Quelle: Sportimage/imago-images-bilder)

D├╝rfen wir fragen, ob Sie Rassismus in Deutschland Ihnen gegen├╝ber schon erlebt haben?

Das habe ich schon, aber das blende ich aus. Ich hasse es, mich zu streiten oder mit Leuten zu diskutieren. Es zerst├Ârt meine Energie, meine Fr├Âhlichkeit. Das will ich nicht. Das darf mir niemand nehmen.

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Waren diese Erlebnisse au├čerhalb des Stadions oder auch innerhalb?

Beides, aber gr├Â├čtenteils au├čerhalb.

Wird auf diese Vorf├Ąlle von Seiten der Medien, der Ligen, der Vereine noch zu wenig Aufmerksamkeit gelegt? In England gab es aktuell mehrere F├Ąlle, bei denen die Vereine durchgriffen.

So sollte es auch sein, man darf das nicht ungeachtet lassen. Diese Zeiten sind vorbei. Wir haben doch eine gemeinsame Liebe, den Fu├čball. Warum bezahlst du Geld f├╝r ein Ticket, um dann einfach nur jemand anderen verbal zu verletzen? Feuer doch dein Team an, sei gegen das andere Team, aber Rassismus darf keinen Platz im Stadion haben. Das kann dem Fu├čball massiv schaden.


Sollte es h├Ąrtere Strafen geben?

Ja, vielleicht muss man die Spiele abbrechen, oder Fanbl├Âcke schlie├čen. Diese Strafen w├╝rden den Menschen zeigen, wie wichtig es ist, klar dagegen vorzugehen. Ich glaube, dass das helfen kann.

Sie und Raheem Sterling k├Ąmpfen nicht nur gemeinsam gegen Rassismus und sind beide in Jamaika aufgewachsen, Sie sind beide unheimlich schnell.

In Jamaika war ich fr├╝her einer der Langsamsten (lacht).

Wirklich?

Ja, in diesem Land gibt es viele schnelle Menschen.


Woran liegt das?

Ich glaube, es liegt an der Genetik und am Essen.

Der jamaikanische Sprinter Yohan Blake sagte mal, er w├╝rde ├╝ber 15 Bananen am Tag essen.

Bananen, Teigtaschen. Unser Essen hat bestimmt einen Anteil daran. Sie m├╝ssten mal die Schulwettbewerbe sehen, wenn die Kinder gegeneinander antreten. Es ist verr├╝ckt, wie schnell sie sind. Deshalb hatte ich als Kind auch keine Chance. Ich wollte aber auch kein Sprinter werden. Ich wollte Fu├čballer werden.

Dominanz beim Sprint: Yohan Blake (l.), Usain Bolt (m.) und Warren Weir) gewannen bei den Olympischen Spielen in London 2012 Gold, Silber und Bronze.
Dominanz beim Sprint: Yohan Blake (l.), Usain Bolt (m.) und Warren Weir (r.) gewannen bei den Olympischen Spielen in London 2012 Gold, Silber und Bronze. (Quelle: Kyodo News/imago-images-bilder)

Und das wurden Sie auch. Arbeiten Sie eigentlich heute noch an Ihrer Geschwindigkeit, um noch schneller zu werden?

Nein, ich glaube, dass das nat├╝rlich kommt. Ich habe nie daran gearbeitet, ich kenne meine Geschwindigkeit und wei├č, wie ich sie ideal einsetze. Was ich aber trainiere, ist, mit dem Ball m├Âglichst schnell an vielen Spielern vorbeizukommen, um dann ein Tor zu schie├čen. Wenn mir das gelingt, mach mich das gl├╝cklich. Das ist mein Spiel.

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