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"King" Coman krönt die Bayern - Flicks Triple-Schachzug

Von dpa
Aktualisiert am 23.08.2020Lesedauer: 4 Min.
Der FC Bayern gewann zum dritten Mal die Champions League.
Der FC Bayern gewann zum dritten Mal die Champions League. (Quelle: Matthew Childs/Pool Reuters/AP/dpa./dpa)
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Lissabon (dpa) - In grenzenlosem Jubel reckte Manuel Neuer den silbernen Henkelpott in den Nachthimmel von Lissabon, um den KapitĂ€n des FC Bayern herum tanzten und sangen die MĂŒnchner Triple-Könige zum Auftakt in eine lange Partynacht: "Campeones, Campeones, olĂ©!"

Am Ende der außergewöhnlichen Corona-Saison hat der deutsche Rekordmeister das grĂ¶ĂŸte aller Ziele erreicht: In einem packenden Champions-League-Finale gegen Thomas Tuchels Paris Saint-Germain krönten sich die MĂŒnchner von Supertrainer Hansi Flick zu Europas Fußball-Königen. "Ein Traum fĂŒr uns alle", sagte Neuer nach dem 1:0 (0:0), und Thomas MĂŒller jubelte: "Das fĂŒhlt sich unglaublich an. Der Haufen ist Wahnsinn."

Held des Abends gegen die Superstars Kylian MbappĂ© und Neymar, der in TrĂ€nen aufgelöst fast nicht zu trösten war, war der in Paris geborene Kingsley Coman mit dem wichtigsten Tor seiner Karriere - dem insgesamt 500. Treffer der MĂŒnchner in der Königsklasse. "Das ist schwer, nach dem Spiel zu realisieren", sagte der zuvor bĂ€renstark haltende Neuer beim Streamingdienst DAZN. Ein Traum, vor allem auch fĂŒr Coman, der bei PSG ausgebildet wurde und dort auch als 16-JĂ€hriger sein ProfidebĂŒt gefeiert hatte.

Bayerns "King" köpfte nach einer Superflanke von Joshua Kimmich in der 59. Minute das Tor zum Triple. Der Schachzug von Bayern-Trainer Hansi Flick war aufgegangen: Er hatte Coman fĂŒr Ivan Perisic aufgeboten. "Ich bin stolz auf die Mannschaft", sagte Flick nach dem Spiel bei Sky. "Dass die Mannschaft heute diesen Weg ganz konsequent gegangen ist, war einfach klasse. Aufgrund der zweiten Halbzeit haben wir auch verdient gewonnen."

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Ein Jahr nach JĂŒrgen Klopp mit dem FC Liverpool triumphierte der 55 Jahre alte Flick im deutschen Trainerduell mit Thomas Tuchel (46). Flick fĂŒhrte die Bayern sieben Jahre nach Jupp Heynckes in der ultra-langen und schwierigen Corona-Spielzeit in nicht einmal zehn Monaten Amtszeit als Chefcoach zum zweiten Triple. Die Bayern, die ihren dritten Titel nach 2001 und 2013 feierten, sind zudem in 28 Jahren Champions League der erste Gewinner, der in allen Saisonspielen siegen konnte - es waren elf an der Zahl.

AngefĂŒhrt von Leon Goretzka und KapitĂ€n Neuer waren die MĂŒnchner um kurz vor acht aus dem Mannschaftsbus gestiegen - voll fokussiert und mit nur einem Ziel. Sie "wollen unbedingt diesen Pokal holen", hatte Flick bei Sky gesagt. Neuzugang Leroy SanĂ©, der nicht spielberechtigt war, schrieb bei Twitter: "Ihr packt das!!!" Die taktisch geprĂ€gte, aber wie fĂŒr ein Finale typisch höchst intensive Anfangsphase war vielversprechend - Robert Lewandowski, mit 15 Treffern TorschĂŒtzenkönig der Königsklasse, traf den Pfosten (22.). Allerdings musste Neuer auch in höchster Not gegen den von MbappĂ© bedienten Neymar retten (18.).

Mit hohem Pressing, Flicks "Erfolgsgarantie" beim ĂŒberragenden 8:2 im Viertelfinale gegen den FC Barcelona und dem 3:0 gegen Olympique Lyon im Halbfinale, versuchten die Bayern, das Pariser Starensemble immer wieder unter Druck zu setzen. Lewandowski, Thomas MĂŒller, Serge Gnabry und Coman lauerten auf Ballverluste, das Mittelfeld ordneten Thiago und Goretzka. Das Bayern-Spiel in die Tiefe aus dem eigenen Ballbesitz heraus war aber ausbaufĂ€hig. Viele kleine Fouls störten zudem den Aufbau beider Mannschaften.

GĂ€nzlich auszubremsen waren Neymar, der zunĂ€chst zentral stĂŒrmte, MbappĂ© und Di Maria nie. Vor allem ĂŒber die linke Seite des französischen Weltmeisters nahm Paris immer wieder Tempo auf. Di Maria schoss frei vor Neuer ĂŒber das Tor (23.), Tuchel, der mit dicker Schiene am gebrochenen Fuß wieder meist auf einer KĂŒhlbox saß, schlug beide HĂ€nde vor dem Gesicht zusammen. Der nach dem Lyon-Spiel angeschlagene Jerome Boateng verletzte sich bei diesem Pariser Angriff und musste ausgewechselt werden. FĂŒr ihn kam Niklas SĂŒle, der erst seit Kurzem von einem Kreuzbandriss genesen die große Aufgabe gegen Neymar und MbappĂ© ĂŒbernahm.

Es blieb eine Partie, in der die Anspannung bei fast jeder Aktion zu sehen war. Jeder Fehler könnte bitter betraft werden. Lewandowski kam zum Kopfball, die Pariser Abwehr war in der Szene viel zu nachlĂ€ssig mit dem Bayern-TorjĂ€ger. Im Fallen versuchte es der Pole, es reichte aber nicht, um Keylor Navas zu ĂŒberwinden (31.). Der PSG-Torwart aus Costa Rica hatte sich rechtzeitig zum Finale fit gemeldet und parierte vor der Pause auch gegen Gnabry (45.+1). Im eigenen Strafraum hatten die MĂŒnchner GlĂŒck, dass MbappĂ©s Abschluss nach einem Fehler von David Alaba kurz vor der Pause zu schwach geriet, um Neuer in BedrĂ€ngnis zu bringen.

Im fast menschenleeren EstĂĄdio da Luz sorgten die Delegationsmitglieder beider Clubs fĂŒr zumindest ein wenig Motivation von der Seitenlinie. Und die Stimmung wurde hitziger. Nach einem Foul von Gnabry an Neymar, fĂŒr das der deutsche Nationalspieler Gelb sah, kam es zur ersten Rudelbildung (52.). Als beide Mannschaften etwas zurĂŒckhaltender spielten, bediente Joshua Kimmich mit seiner wunderbaren Flanke Coman, der die kurzzeitig unsortierte PSG-Abwehr mit dem MĂŒnchner FĂŒhrungstor ĂŒberrumpelte.

Angetrieben durch den Treffer wurden die Bayern offensiver und dominierten die Partie. Ein Schuss von Coman blockte Thiago Silva gerade noch ab (62.), Flick brachte Perisic und Philippe Coutinho fĂŒr den TorschĂŒtzen und Gnabry (68.). Paris wurde nur noch streckenweise gefĂ€hrlich. Als Neuer gegen Marquinhos gefordert war, war der Keeper wieder zur Stelle (70.). FĂŒr Paris kam anschließend Nationalspieler Julian Draxler ins Spiel (72.).

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