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Das unwürdige Theater des K. Lauterbach

Von Nicole Diekmann

Aktualisiert am 30.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach: Sein politisches Handeln wirkt schizophren, findet Kolumnistin Nicole Diekmann
Gesundheitsminister Karl Lauterbach: Sein politisches Handeln wirkt schizophren, findet Kolumnistin Nicole Diekmann. (Quelle: Political-Moments / Privat / t-online/imago-images-bilder)
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Die Politik von Karl Lauterbach wirkt schizophren: Er schafft Corona-Maßnahmen mit ab und fleht die Länder an, sie beizubehalten. Ein Lehrstück, auch über Social Media.

Er war quasi die Lady Di unter den Politikern, der Talkshow-Mediziner der Herzen: Gefühlt täglich saß und mahnte Gesundheitsminister Karl Lauterbach vor und auch noch nach der Bundestagswahl bei Markus Lanz, bei Anne Will, bei Maybrit Illner. Dort obduzierte er, der Epidemiologe, die Corona-Politik der Großen Koalition dermaßen fundiert und vernichtend, dass das "Team Vorsicht" im ganzen Lande ihn wohl am liebsten zu ihrem Schutzheiligen gemacht hätte.

Auch in den sozialen Medien überschlugen sich diejenigen, die für eine strengere und vorsichtigere Gangart mit dem Virus warben, vor lauter Lauterbach-Begeisterung. Karl Lauterbach, einst als Fliege tragender Nerd verspottet, redete und twitterte sich zum Superstar.

#WirWollenKarl

Der Hashtag #WirWollenKarl wurde so oft gepostet und hielt sich dermaßen hartnäckig, dass sich die Social-Media-Gemeinde Lauterbachs Ernennung zum Bundesgesundheitsminister auf ihre Fahnen schrieb. Kaum eine noch so seriöse politische Analyse dieser Personalentscheidung kam ohne den Hinweis auf den massiven Rückenwind aus, den Lauterbach aus den sozialen Netzwerken während der Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen der Ampelparteien genossen hatte.

Die oft gerade mit Blick auf das schnelllebige Netz und seine Launen ausgegebene Losung “Don’t believe the hype” – sie schien in diesem Falle nicht zu stimmen.

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Die Fernsehjournalistin Nicole Diekmann kennt man als seriöse Politik-Berichterstatterin. Ganz anders, nämlich schlagfertig und lustig, erlebt man sie auf Twitter – wo sie über 100.000 Fans hat. In ihrer Kolumne auf t-online filetiert sie politische und gesellschaftliche Aufreger rund ums Internet. Ihr Buch "Die Shitstorm-Republik" ist überall erhältlich, ihr neues Blog findet man hier.

In seiner eigenen Partei hingegen plante damals wohl kaum jemand, Altäre für Lauterbach zu errichten. Wahrscheinlicher ist es sogar, dass dort Voodoo-Puppen mit seinem Gesicht angefertigt und mit Nadeln malträtiert wurden. Irgendwo hin musste schließlich die Genervtheit seiner Genossen – denn da die SPD ja einen nicht ganz unbedeutenden Teil der Großen Koalition stellte, torpedierte Lauterbach auch sie. Wenn auch lediglich ums Eck, denn Gesundheitsminister war ja Jens Spahn von der CDU.

Im Berliner Regierungsviertel wurde deshalb vor der Bekanntgabe der SPD-Mitglieder des Kabinetts immer wieder darüber gesprochen, wie wenig Olaf Scholz für Lauterbach übrig habe. Und wie wenig dieser in der Praxis wisse von Koalitionsdisziplin und der großen Kompromissbereitschaft, die dieser Posten seinem Inhaber in diesen Zeiten abverlange. Schließlich hatte Jens Spahn einen beachtlichen Absturz in der Wählergunst hinter sich. “Der Lauterbach wird das nicht”, lautete deshalb meistens das Fazit von Insidern.

Lauterbach – der pragmatische Realpolitiker

Und dann wurde er es eben doch. Eine Lesart geht so: Scholz habe so die zuverlässigste Methode gewählt, Lauterbach ruhigzustellen. Im Korsett der großen neuen Verantwortung – sowohl fürs Pandemie-Management als auch für den Fortbestand der mit so viel Hoffnung aufgeladenen ersten Regierung aus SPD, Grünen und FDP im Bund – würde Lauterbach schnell vom entfesselten Mahner zum pragmatischen Realpolitiker.

Genau so kam es anscheinend auch. Seit Wochen wohnt die Republik einem irren Schauspiel bei: Sie beobachtet regelmäßige Auftritte von Gesundheitsminister Karl Lauterbach, dessen Aussagen vom früheren Nicht-Gesundheitsminister Karl Lauterbach stirnrunzelnd zerrissen würden.

Der Gesundheitsminister verteidigt ein Infektionsschutzgesetz, das Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht weitreichend abschafft und die Verantwortung auf die Länder überträgt. Solche Entscheidungen versetzen aber lediglich das "Team Vorsicht" in Staunen.

Aussagen sind schizophren

Restlos allen steht der Mund aber spätestens dann offen, wenn Lauterbach solche Maßnahmen-Abschaffung verkündet – gleichzeitig aber sagt, die Lage sei “objektiv viel schlechter als die Stimmung”. Und die Länder quasi anfleht, die vom Bund beschlossenen Änderungen wieder zu ändern. Das ist schizophren.

Kein Wunder: Der Lanz-Gast Lauterbach kann den Gesundheitsminister Lauterbach unmöglich gut finden. Und der Gesundheitsminister Lauterbach kann eigentlich nur noch genervt die Augen verdrehen, hört er den Lanz-Lauterbach reden. Karl Lauterbach versucht gerade, die beiden irgendwie unter einen Hut zu kriegen.

Denn ganz offensichtlich hat Lauterbach in den Momenten, in denen er sich von Talkshow-Sesseln aus als Gesundheitsminister zu bewerben schien, nicht bedacht, was das dann unterm Strich bedeutet: Realpolitik. Kabinettsdisziplin. Kompromisse. Damit droht nicht nur er selbst, unglaubwürdig zu werden. Politik in Gänze droht dadurch, unglaubwürdig zu werden.

Lauterbachs Maske ist gefallen

Realpolitik. Kabinettsdisziplin. Kompromisse. All das sind keine überzeugenden Argumente für die Apologeten der auf Schwarz-Weiß programmierten sozialen Netzwerke. Dort, wo eher eine “Mit der Schippe auf den Kopp, wenn einer einem das Förmchen wegnimmt”-Auffassung von durchsetzungsstarker Politik herrscht, ist die Sache klar: Lauterbachs Maske ist gefallen. Lauterbach muss weg.

Der selbstkritische, realistischere Ansatz ist auf den Plattformen derzeit weniger stark vertreten: Dass die Welt und die Politik womöglich doch etwas komplexer sind, als dass soziale Netzwerker wirklich das letzte Wort bei der Auswahl von Ministern haben sollten.

In den Netzwerken gibt es nur Schwarz und Weiß

Der Fall Karl Lauterbach ist ein Lehrstück. Über die fehlenden Eskalationsstufen in den sozialen Medien. Erst war Lauterbach gottgleich, jetzt wird er von denselben Leuten verteufelt, die ihn anbeteten. Auch Annalena Baerbock kann inzwischen ein Lied von diesen kindischen Mechanismen singen – wobei die Entwicklung in ihrem Fall komplett entgegengesetzt zu der von Lauterbach verläuft. Sie ist gerade wieder ein Hype. Sie wird geliebt. Und weiß sicherlich längst, wie schnell das wieder umschlagen kann. In Hass. Dazwischen gibt es in der Social-Media-Logik ja nichts.

Die Lehre aus der noch jungen Ministerkarriere des Karl Lauterbach: Gute Talkshow-Gäste sind nicht automatisch gute Minister. Und umgekehrt. Trotzdem darf er durchaus hoffen. Für ihn kann sich das Blatt sehr schnell wieder wenden. Es gilt nicht nur: "Don’t believe the hype". Sondern ebenso: "Don’t believe the hatred". Am besten vertraut man einfach nicht zu sehr auf Social Media.

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