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Krankschreibung wegen psychischer Krankheit: ja oder nein?

t-online, Ariana Zustra

Aktualisiert am 23.01.2018Lesedauer: 3 Min.
Schatten von einer Geschäftsfrau im Büro
Gerade in unserer Leistungsgesellschaft scheint noch immer der Irrglaube verbreitet, ein seelisches Tief sei ein Zeichen für Überempfindlichkeit, Schwäche oder mangelnde Selbstdisziplin des Betroffenen. (Quelle: Poike/Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Depression gilt als Volkskrankheit – dennoch wird die Störung noch immer tabuisiert und von den Betroffenen oft verschwiegen. Gerade im Berufsleben herrscht der Druck, immer leistungsfähig sein zu müssen. Immer mehr Menschen werden aufgrund von Stress krankgeschrieben. Doch ist die Akzeptanz psychischer Krankheiten schon in der Gesellschaft angekommen?

Die Wahrnehmung von körperlichen gegenüber seelischen Krankheiten

Dass jemand wegen einer Grippe oder einem Bandscheibenvorfall zu Hause bleiben darf, steht außer Frage. Anders sieht es jedoch noch immer mit dem Verständnis aus, sich aufgrund von psychischen Erkrankungen krank zu melden. Gerade in unserer Leistungsgesellschaft scheint noch immer der Irrglaube verbreitet, ein seelisches Tief sei ein Zeichen für Überempfindlichkeit, Schwäche oder mangelnder Selbstdisziplin des Betroffenen und die Genesung allein durch Willenskraft beeinflussbar. Das ist jedoch grundfalsch.

So viele Arbeitnehmer nehmen Antidepressiva

Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) fühlen sich 43 Prozent der Beschäftigten in Deutschland gestresst. Jedem Beschäftigten – umgelegt auf die Gesamtzahl aller Beschäftigten – wurden 2017 für durchschnittlich zwei Wochen Antidepressiva verschrieben. Die verordnete Menge habe sich damit seit 2007 mehr als verdoppelt. Dem DAK-Psychoreport zufolge lagen seelische Erkrankungen im Jahr 2014 erstmals auf dem zweiten Platz der Krankheitsarten, nur Rückenleiden waren ein noch häufigerer Grund für Krankschreibungen. Oft sind körperliche und seelische Beschwerden ohnehin nicht voneinander zu trennen, sondern bedingen sich gegenseitig. Die Ursache von chronischen Kopf- und Rückenschmerzen beispielsweise können unentdeckte Depressionen sein.

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"Gut gemeint" ist nicht automatisch "gut"

Gerade bei Depressiven erhöhen gut gemeinte Ratschläge von Kollegen, Freunden und Verwandten wie etwa "Lass dich nicht so hängen, das wird schon wieder!" oder "Sieh es doch mal positiv!" den Druck, so schnell wie möglich wieder funktionieren zu müssen, weil diese Appelle implizieren, man müsse nur positiv denken und sich genug bemühen, um wieder gesund zu werden. Dies kann kontraproduktiv wirken und die Symptome wie etwa Selbstzweifel noch verschlimmern. Denn bei einer Depression ist der Antrieb der Betroffenen blockiert.

Akzeptanz von seelischen Erkrankungen?

Seelische Erkrankungen sind im Vergleich zu körperlichen gesellschaftlich noch immer nicht so akzeptiert, vielleicht, weil man den Betroffenen die Krankheit äußerlich nicht ansieht – ein gebrochenes Bein etwa ist eben augenfälliger als innere Leere. Der Umgang ist beispielsweise in den USA viel alltäglicher: Wer sich dort aus psychischen Gründen krank meldet, nimmt einen "Mental Health Day", sorgt also langfristig für seine Gesundheit vor.

Volkskrankheit: Depressive Verstimmung

Liebeskummer und Probleme in der Partnerschaft oder Familie können auch bei gesunden Menschen eine vorübergehende depressive Verstimmung auslösen, also eine abgeschwächte Form der Depression. Auch die kann in manchen Fällen arbeitsunfähig machen. Solch eine Phase machen die meisten gesunden Menschen im Laufe ihres Lebens durch, die jedoch im Gegensatz zur Depression meist unbehandelt abklingt. Halten die Symptome über mehrere Wochen an, ist eine Therapie ratsam.

Unterschiedliche Schweregrade der Erkrankung

Es kann zwischen einer leichten, mittelschweren und schweren Depression unterschieden werden, die sich in Dauer, Haupt- und Zusatzsymptome unterscheiden lassen, die jedoch nicht immer trennscharf sind. Bei einer Depression handelt es sich um eine schwerwiegende Krankheit, die einer professionellen Behandlung bedarf. Sie äußert sich häufig in Leere, Hoffnungs- und Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen und Angstzuständen. Zentrale Lebensfunktionen sind beeinträchtigt, Betroffene berichten von Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Libidoverlust. Oft sind die psychischen Symptome begleitet von körperlichen Symptomen wie Kopf- und Magenschmerzen oder Verspannungen. Im schlimmsten Fall haben Erkrankte Selbstmordgedanken. Mehr Akzeptanz dieser Krankheit, gerade auch im Berufsleben, würde Betroffene entlasten.

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