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Von Hochachtungsvoll zu LG: Der Gesch├Ąftsbrief wird lockerer

Von dpa
Aktualisiert am 13.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Hat die Gru├čformel "Sehr geehrte Frau, sehr geehrter Herr" ausgedient? Unternehmen, die auf gendersensible Sprache wertlegen, verwenden sie oft nicht mehr.
Hat die Gru├čformel "Sehr geehrte Frau, sehr geehrter Herr" ausgedient? Unternehmen, die auf gendersensible Sprache wertlegen, verwenden sie oft nicht mehr. (Quelle: Bernd Wei├čbrod/dpa./dpa)
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M├╝nchen (dpa) - Konzernchefs treten in Turnschuhen auf, Unternehmen duzen ihre Kunden ungefragt - der Stil der Kommunikation in der Wirtschaft hat sich ver├Ąndert. "Die Reduzierung von F├Ârmlichkeiten entspricht dem Zeitgeist", sagt F├╝hrungskr├Ąfte-Beraterin Jana V├Âlkel-Kitzmann. Aber damit tun sich auch neue Fallgruben auf: "Wie trete ich niemandem auf die F├╝├če?"

Erste Unternehmen achten auf gendersensible Sprache

Audi-Chef Markus Duesmann zum Beispiel k├Ânnte man mit "Sehr geehrter Herr Duesmann" anschreiben und den Brief schlie├čen "Mit vorz├╝glicher Hochachtung" oder "Mit freundlichen Gr├╝├čen" - so schlagen es die Protokoll-Experten der Bundesinnenministeriums in ihrem Ratgeber vor. Allerdings f├╝hrt Audi seit M├Ąrz 2021 schrittweise die gendersensible Sprache ein. "Bei Anreden nutzen wir in der Regel ausschlie├člich Vor- und Nachnamen und beginnen Briefe oder E-Mails an Kund_innen beispielsweise mit "Guten Tag Vorname Nachname" oder "Sehr geehrte Audi Kund_innen" und verzichten auf geschlechtsspezifische Angaben", erkl├Ąrt eine Sprecherin in Ingolstadt.

Audi geh├Ârt damit zu den Pionieren. "Viele Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen - darunter auch Gro├čkonzerne - haben uns seitdem zu unseren Erfahrungen kontaktiert", sagt die Sprecherin.

Auch die Haufe-Akademie berichtet von gro├čem Interesse bei ihren Fortbildungsseminaren: "Das Thema Gendern, wie w├Ąhle ich die politisch korrekte Ansprache, wird aktuell von allen Teilnehmer:innen und insbesondere aus dem Bereich Banken, Versicherungen und Beh├Ârden sehr hoch priorisiert und wird so zum allt├Ąglichen Standard", sagt ein Sprecher.

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Kumpelhafte Ansprache nicht immer erw├╝nscht

"Sehr geehrte Damen und Herren", kann eine E-Mail oder ein Brief noch so beginnen? Die bisherigen Formen werden weniger benutzt, aber sie fallen nicht weg, sagt V├Âlkel-Kitzmann vom Management-Institut Kitzmann. Umgangssprachliche Anreden, wie sie bei Whatsapp und Tiktok ├╝blich sind, tauchen zunehmend in E-Mails und Briefen auf. Aber: "Gesch├Ąftspartner sollten nicht mit moin moin oder hej angeschrieben werden, sondern h├Âflich und respektvoll, wenn man professionell kommuniziert", sagt die Beraterin. "Taktlos ist auf jeden Fall, jemanden ungefragt mit dem Vornamen anzureden, wie in der Werbung an der Bushaltestelle. Das ├╝bernehmen junge Mitarbeiter vielleicht aus den sozialen Medien." Nicht jeder wolle so kumpelhaft angesprochen werden.

Korrespondenzberaterin Claudia Marbach wird in ihren Seminaren oft gefragt, ob eine Anrede oder Gru├čformel falsch sei. "Falsch ist das nicht, sofern keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler enthalten sind. Es ist m├Âglicherweise nur nicht originell, vielleicht langweilig, fad, kompliziert, distanziert", sagt sie. "Und dar├╝ber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Das empfindet jeder anders." Entscheidend sei es, "wertsch├Ątzend, respektvoll und positiv zu kommunizieren".

Den richtigen Ton zu treffen, erfordert Fingerspitzengef├╝hl

Wenn f├Ârmliche Anreden und Gru├čformeln durch individuelle, pers├Ânliche ersetzt werden sollen, aber die Zeit dr├Ąngt, muss mitunter auch in E-Mails ein kurzes "Hallo" reichen und am Schluss ein "LG". Geht gar nicht, findet Marbach: "Wer Liebe Gr├╝├če schicken m├Âchte, kann sich auch die Zeit nehmen, die W├Ârter auszuschreiben", sagt sie. "Wenn mein Mann sagt "Ich liebe dich", sage ich ja auch nicht "dito", nur weil es schneller geht."

Der Stil h├Ąngt auch von der Branche ab. In Banken und Versicherungen ist der Ton konservativer, in der Technologie-, Sport- und Modebranche tendenziell lockerer. Aber "locker ist nicht gleich gut, positiv, respektvoll oder wertsch├Ątzend. Locker ist nicht zwangsl├Ąufig besser", sagt Marbach. "Ich zum Beispiel finde es ├╝bergriffig, wenn mich mein Mobilfunkanbieter in E-Mails duzt: "Hallo Claudia"".

Die Gratwanderung zwischen klassisch und originell, distanziert und anbiedernd, altbacken und schnoddrig erfordert Fingerspitzengef├╝hl. Da w├╝nschen sich manche wieder verbindlichere Umgangsformen. Bei der Haufe-Akademie "sp├╝ren wir eine starke Nachfrage nach Unterst├╝tzung in der formellen Kommunikation nach au├čen", sagt ihr Sprecher. "Viele Kundinnen und Kunden wollen Stil und Form in der offiziellen Gesch├Ąftskommunikation jetzt wieder st├Ąrken und unternehmensweit vereinheitlichen."

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