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Bilanzen verstehen ohne Studium?

Von dpa
Aktualisiert am 12.05.2021Lesedauer: 4 Min.
Ist der Kurs der Aktie gerechtfertigt? Um diese Frage zu beantworten, ist es hilfreich ein paar Kennzahlen der Unternehmensbilanz deuten zu können.
Ist der Kurs der Aktie gerechtfertigt? Um diese Frage zu beantworten, ist es hilfreich ein paar Kennzahlen der Unternehmensbilanz deuten zu können. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn./dpa)
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Berlin (dpa/tmn) - Die Börse ist kein Kasino, heißt es hĂ€ufig. Und das stimmt in der Regel: Bei Aktien geht es nicht um GlĂŒcksspiel, sondern um realistische Gewinnerwartungen.

Daher eignen sich die Wertpapiere eher fĂŒr Anleger, die sich mit den jeweiligen Unternehmen beschĂ€ftigen wollen, erklĂ€rt dieStiftung Warentest. FĂŒr den Anlageerfolg sind Informationen unerlĂ€sslich. Sie helfen bei der Entscheidung, in welches Unternehmen oder welchen Markt Anleger investieren sollten.

Aktiengesellschaften unterliegen gesetzlich vorgeschriebenen Publikationspflichten. In den Berichten finden sich immer auch eine Reihe von Kennzahlen, die einen Überblick ĂŒber die Lage geben.

Fragt sich: Braucht es ein wirtschaftswissenschaftliches Studium, um Unternehmen zu bewerten? Nicht unbedingt, findet Frank Wieser. "Eine erste gute Aktienanalyse kann man auch ohne Studium durchfĂŒhren", sagt der GeschĂ€ftsfĂŒhrer von PMP Vermögensmanagement. "Die Anzahl relevanter Kennzahlen ist allerdings groß und unĂŒbersichtlich."

GeschÀftsmodell spielt wichtige Rolle

Einsteiger sollten sich seiner Ansicht nach auf wenige Kennzahlen konzentrieren "und diese mit dem gesunden Menschenverstand kombinieren." Eine wichtige Frage fĂŒr Anleger: Ist das GeschĂ€ftsmodell des Unternehmens plausibel und verstĂ€ndlich?

Das sieht auch sein Kollege Maik Bolsmann so: "Bei der fundamentalen Aktienanalyse interessiert den Anleger schlussendlich der Vergleich Ă€hnlicher Aktien innerhalb einer Vergleichsgruppe", erklĂ€rt der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der B&K Vermögen GmbH. "Wenn der Anleger also immer die gleichen BewertungsmaßstĂ€be heranzieht, sollten sich pragmatische Vergleichsmöglichkeiten ergeben."

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FĂŒnf wichtige Kennzahlen, die sich in Unternehmensberichten finden:

1. EBIT, EBITDA: Diese Begriffe sind Kennzahlen fĂŒr das Betriebsergebnis und bezeichnen den Ertrag vor Zinsen und Steuern sowie Abschreibungen. Hinter den Buchstaben verbergen sich die englischen Begriffe "earnings before interest and taxes" sowie "earnings before interest, taxes, depreciation and amortization".

Das Ebit gibt Hinweise auf die RentabilitĂ€t, erklĂ€rt Hermann Ecker, Vermögensverwalter bei der Bayerischen Vermögens Management AG. "Da Ebit und Ebidta aus dem Ergebnis diejenigen Faktoren herausrechnen, die mit dem KerngeschĂ€ft zu tun haben, schĂ€rfen sie den Blick fĂŒr den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens", schreiben die Ratgeberautoren Stefanie KĂŒhn und Markus KĂŒhn. "Steigt also das Ebit eines Unternehmens, floriert das KerngeschĂ€ft."

2. KGV: Das Kurs-Gewinn-VerhĂ€ltnis, kurz KGV, ist eine weit verbreitete Kennzahl. Sie soll bei der Beurteilung helfen, ob der Börsenkurs einer Aktiengesellschaft angemessen ist. Berechnet wird diese Kennziffer, indem der aktuelle Börsenkurs einer Aktie durch den geschĂ€tzten Gewinn pro Aktie geteilt wird. "Je höher der Aktienkurs und desto kleiner der Gewinn, desto grĂ¶ĂŸer wird das KGV", schreiben Stefanie KĂŒhn und Markus KĂŒhn.

Die Schwierigkeit hier: Der Gewinn fĂŒr die Zukunft lĂ€sst sich nur schĂ€tzen. Daher kann es je nach SchĂ€tzungen zu unterschiedlichen Werten kommen. "Als alleiniges Auswahlkriterium ist das KGV wegen der mangelnden Vergleichbarkeit des JahresĂŒberschusses nicht gut geeignet", erklĂ€rt daher auch Hermann Ecker.

3. KBV: Das Kurs-Buchwert-VerhĂ€ltnis, kurz KBV, gibt ĂŒber die Substanz eines Unternehmens Auskunft. "Es setzt das Eigenkapital geteilt durch die StĂŒckzahl der umlaufenden Aktien in Bezug zum Kurs", erklĂ€rt Ecker. Das KBV dient also der Bewertung der Unternehmenssubstanz.

"Ein Unternehmen mit einem KBV von 1 ist also genau so viel wert wie alle bilanzierten VermögensgegenstĂ€nde", erklĂ€rt Frank Wieser. Liegt das KBV unter 1, muss man theoretisch fĂŒr einen Aktienanteil eines Unternehmens weniger bezahlen, als es laut seiner Bilanz wert ist.

4. EIGENKAPITALRENDITE: Diese Kennzahl setzt den Ertrag eines Unternehmens in Bezug zum Eigenkapital, erklĂ€rt Ecker. "Es dokumentiert, wie sich das Eigenkapital in einer Rechnungsperiode verzinst hat." Oder wie es in dem Buch "Alles ĂŒber Aktien" heißt: Die Kennziffer gibt an, wie effizient ein Unternehmen das zur VerfĂŒgung stehende Eigenkapital eingesetzt hat.

5. CASHFLOW: Der Cashflow sagt aus, wie liquide ein Unternehmen ist. "Etwas genauer gibt der Cashflow den von einem Unternehmen erzielten Geldzufluss beziehungsweise Geldabfluss wÀhrend eines bestimmten Zeitraums an", erklÀrt Ecker.

Wichtig zu bedenken: Ein negativer Cashflow muss nicht schlecht sein, denn das kann ein Hinweis auf eine starke InvestitionstÀtigkeit eines Unternehmens sein. "Der Cashflow kann als Ratio auf den Kurs bezogen in Kombination mit weiteren Kennzahlen eine robuste Aussage hinsichtlich der aktuellen Unternehmensbewertung geben."

Fazit: Die Kennzahlen ermöglichen es Laien, einen Einblick in die StÀrke des Unternehmens zu bekommen. Eine einzelne Kennzahl allein lÀsst aber keine umfassende Bewertung zu. Und: Die Werte immer mit anderen Unternehmen aus der gleichen Branche vergleichen.

Literatur:

Stefanie KĂŒhn, Markus KĂŒhn: "Alles ĂŒber Aktien - Das Wichtigste rund um Börse, Dividende, Dax und Co.", Stiftung Warentest 2020, 176 Seiten, SBN: 978-3-7471-0343-2, 19,90 Euro

Stefanie KĂŒhn, Markus KĂŒhn: "Geldanlage fĂŒr AnfĂ€nger", Stiftung Warentest 2020, 19,90 Euro, ISBN 978-3-7471-0223-7

Hartmut Walz: "Einfach genial entscheiden im Falle einer Finanzkrise", Haufe, 1. Auflage 2020, 210 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-648-13758-1

Martin Weber u.a.: "Die genial einfache Vermögensstrategie - So gelingt die finanzielle UnabhÀngigkeit", Campus Verlag 2020, 255 Seiten, 27,95 Euro, ISBN 978-3-593-51238-9

Beate Sander: "Der Aktien und BörsenfĂŒhrerschein", Finanzbuchverlag 2020, 367 Seiten, ISBN 978-3-95972-279-7, 29,90 Euro

Brigitte Wallstabe-Watermann u.a.: "Anlegen mit ETF - Geld bequem investieren mit ETF und Indexfonds", Stiftung Warentest 2020, 176 Seiten, ISBN 978-3-7471-0128-5, 19,90 Euro

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