Sie sind hier: Home > Wirtschaft & Finanzen > Geld & Vorsorge > Sparen & Finanzieren >

Wann das Bankgeheimnis aufgehoben werden darf


Bestimmte Ausnahmen  

Wann das Bankgeheimnis aufgehoben werden darf

05.06.2021, 16:08 Uhr
Wann das Bankgeheimnis aufgehoben werden darf. Bankberatung (Symbolbild): Das Bankgeheimnis ist Gewohnheitsrecht. (Quelle: imago images/PhotoAlto)

Bankberatung (Symbolbild): Das Bankgeheimnis ist Gewohnheitsrecht. (Quelle: PhotoAlto/imago images)

Durch das Bankgeheimnis darf Ihr Kreditinstitut Dritten nicht mitteilen, wie viel Geld Sie auf dem Konto haben, oder wie hoch Ihr Darlehen ist. Doch von dieser Regel gibt es einige Ausnahmen.

Dass man über Geld nicht redet, ist eine altes Sprichwort. Ob Sie sich daran halten, ist Ihre Sache. Für Banken jedoch hat es bindende Wirkung, zumindest wenn es um das Geld ihrer Kunden geht.

Das Bankgeheimnis ist zwar nicht im Gesetz festgeschrieben, trotzdem halten sich die Geldhäuser daran. Was viele nicht wissen: Beim Bankgeheimnis gibt es Ausnahmen. t-online erklärt Ihnen, wann Ihr Kreditinstitut Auskunft über Ihren Vermögensstand geben darf.

Was ist das Bankgeheimnis?

Das Bankgeheimnis regelt, dass sich die Bank zur Verschwiegenheit über die Geschäftsbeziehungen gegenüber Dritten verpflichtet. Das heißt: Sie darf wichtige Informationen ihres Kunden nicht preisgeben, zum Beispiel den Kontostand, Geldbewegungen, Infos über Kredite oder Sparguthaben. Wollen Dritte derlei Informationen von der Bank haben, kann sich das Kreditinstitut auf das Bankgeheimnis berufen.

Doch anders als viele glauben, ist das Bankgeheimnis nicht gesetzlich festgeschrieben. Stattdessen gilt es als Gewohnheitsrecht, da es bereits seit dem 17. Jahrhundert existiert. Geregelt wird es zwischen einem Geldhaus und dem Kunden etwa in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB).

Gut zu wissen: Das Bankgeheimnis gilt in der Regel nur für Privatpersonen. Firmen oder andere juristische Personen müssen explizit untersagen, dass Daten an Dritten weitergegeben werden dürfen.

Wann gilt das Bankgeheimnis – und wann nicht?

Das Bankgeheimnis greift in den meisten Fällen, etwa wenn Sie online Kredite vergleichen. Eine Bank erfährt also nicht nicht automatisch, ob Sie bereits Kredite haben und wie hoch diese sind.

Auch wenn ein Verwandter von Ihnen Geld am Schalter abheben oder generell Infos über Ihren Kontostand haben möchte, geht das in der Regel nicht ohne Vollmacht.

Doch es gibt einige Ausnahmen vom Bankgeheimnis. Eine Übersicht:

  • Tod: Stirbt der Kontoinhaber, wird das Bankgeheimnis größtenteils aufgehoben. So muss die Bank dem Finanzamt nach dem Tod des Kontoinhabers mitteilen, welche Vermögensbestände der Verstorbene besaß, also wie viel Geld auf dem Konto ist – und ob man ein Bankschließfach hatte (§ 33 ErbStG). Den Inhalt des Schließfaches darf das Kreditinstitut aber nicht melden.
  • Verbrechen: Besteht gegen den Kontoinhaber der Anfangsverdacht eines Verbrechens wie Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder Terrorismus, muss das Finanzinstitut der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht Auskunft über die Kontobewegungen und andere Bankdaten geben. Das Bankgeheimnis darf gebrochen werden. Diese Strafen drohen bei Geldwäsche.
  • Bafög und Hartz IV: Stellt man einen Antrag auf Bafög, also auf finanzielle Förderung beispielsweise für das Studium, kann die zuständige Behörde ebenfalls Auskunft über die Bankdaten des Antragstellers verlangen. Das Kreditinstitut muss diesem Antrag dann Folge leisten. Dasselbe kann auch bei Sozialleistungen wie Hartz IV oder Grundsicherung greifen. In diesen Fällen kann ebenfalls das Bankgeheimnis missachtet werden.

Wichtig: In den AGB von Banken gibt es oft eine sogenannte Schufa-Klausel, meist jedoch vom eigentlichen Vertrag getrennt. Das heißt: Die Bank darf mit Einwilligung des Kunden bestimmte Daten an die Auskunftei Schufa (und andere Kreditratingagenturen) weitergeben. Eine generelle, automatische Weitergabe an die Schufa gibt es dabei nicht, es greift stets eine Interessenabwägung.

Gibt es in der Schweiz einen Sonderfall des Bankgeheimnisses?

Ja und nein. Gesetzlich ist zwar ein Bankgeheimnis festgeschrieben. Doch faktisch wurde das mit einem EU-Abkommen aufgehoben, zumindest für Bürger der EU.

Seit 2018 kann und soll die Schweiz den Mitgliedsstaaten der EU Auskunft über die Konten der EU-Bürger geben, etwa über Name, Steuernummer, als auch Guthaben oder Erträge aus Zinsen – und zwar jedes Jahr. So soll Geldwäsche und Steuerbetrug mit Schweizer Konten unterbunden werden.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • gabler-banklexikon.de
  • financescout24.de
  • Verivox
  • advocard.de
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: