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K├Ânnen Traditionssegler Containerschiffe ersetzen?

dpa, Irena G├╝ttel

Aktualisiert am 06.07.2018Lesedauer: 3 Min.
Helfer entladen das ├ľko-Segelschiff "Avontuur": Es ist der einzige deutsche Frachtsegler, der Waren nachhaltig per Windkraft ├╝ber den Seeweg transportiert.
Helfer entladen das ├ľko-Segelschiff "Avontuur": Es ist der einzige deutsche Frachtsegler, der Waren nachhaltig per Windkraft ├╝ber den Seeweg transportiert. (Quelle: Carmen Jaspersen/Archiv/dpa-bilder)
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Segelschiffe, die wie in vergangenen Jahrhunderten S├Ącke und F├Ąsser aus ├ťbersee

Ein w├╝rziger Duft weht aus dem Frachtraum der "Avontuur". Mit einer Seilwinde ziehen die Seeleute ein Holzfass nach dem anderen nach oben. 18 F├Ąsser mit Rum hat das Segelschiff noch geladen. Kapit├Ąn Cornelius Bockermann, drahtig und braun gebrannt, steht entspannt an Deck. F├╝nf Monate war die "Avontuur" auf See, mit rund 70 Tonnen Kaffee, Kakao, Kardamom, Rotwein und Schnaps ist sie aus der Karibik zur├╝ckgekehrt ÔÇô eine verschwindend geringe Menge im Vergleich zu modernen Containerschiffen. Und viel zu wenig, als dass Bockermanns Reederei davon allein leben k├Ânnte. Doch das ist ihm egal.

"Wir sind wenig kapitalistisch"

"Wir sind wenig kapitalistisch. Wir wollen nicht reich werden", sagt der 59-J├Ąhrige. Bockermann und seinen Mitstreitern bei der Elsflether Reederei Timbercoast geht es darum, ein Zeichen gegen die Umweltverschmutzung zu setzen, die der globale Seehandel verursacht. Deshalb haben sie einen fast 100 Jahre alten Frachtsegler, den Zweimaster "Avontuur", gekauft und mit Hilfe von mehr als 160 Freiwilligen in einer Werft wieder fit gemacht. Seit zwei Jahren transportiert dieser Waren aus der Karibik nach Europa und soll beweisen, dass das auch nachhaltig geht.

Etwa 90 Prozent aller Waren werden verschifft. Viele Milliarden Tonnen sind es jedes Jahr ÔÇô Tendenz steigend. Der Transport per Schiff gilt eigentlich als klimafreundlich. Doch das treffe nur auf die Kohlendioxid-Emissionen pro transportierter Tonne zu, sagt der Verkehrsexperte Daniel Rieger vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). "Da kann kein Lkw mithalten." Insgesamt betrachtet seien Frachter aber wahre Dreckschleudern.

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Die riesigen Dieselmotoren verbrennen Schwer├Âl, das Umweltsch├╝tzer wie Rieger als den dreckigsten Kraftstoff ├╝berhaupt kritisieren. Ungefiltert stie├čen sie gro├če Mengen Feinstaub, Stickoxide und Schwefeloxide aus. Der Nabu hat errechnet, dass ein Kreuzfahrtschiff an einem Tag so viele Luftschadstoffe verursacht wie eine Million Autos. "Das ist nicht 100 Prozent vergleichbar mit einem Containerschiff", erl├Ąutert Rieger. "Die Dimensionen gehen aber in eine ├Ąhnliche Richtung."

Das Segelschiff soll eine Alternative anbieten

Bockermann f├Ąhrt zur See, seit er 20 ist ÔÇô erst als Matrose, sp├Ąter als Offizier und Kapit├Ąn. Eine Zeit lang f├╝hrte er eine kleine Schleppreederei und musste immer wieder havarierte Frachter bergen. Das gab ihm zu denken. 2014 verkaufte er sein Gesch├Ąft. "Wir k├Ânnen nicht alles f├╝r Konsum und Luxus opfern", sagt er heute. Mit der "Avontuur" will er eine Alternative anbieten. Man k├Ânnte Bockermann als Idealisten oder gar als Tr├Ąumer bezeichnen. Ein Segelschiff allein wird den Welthandel nicht ver├Ąndern.

Doch so wie Bockermann denken auch andere. 2007 gr├╝ndete der Niederl├Ąnder Jorne Langelaan mit zwei Freunden die Reederei Fairtransport, die heute mit der "Tres Hombres" in die Karibik und der "Nordlys" rund um Europa segelt. Ihr Ziel: "Wir wollen eine ganze Flotte von Frachtseglern schaffen", sagt Langelaan. "Wir haben damals mit der "Tres Hombres" als erste gezeigt, dass es m├Âglich ist." In den vergangenen Jahren seien andere ├Ąhnliche Projekte entstanden, die Fairtransport aber nicht als Konkurrenz, sondern als Erg├Ąnzung sehe.

"Das Problem ist, es gibt nicht genug Schiffe f├╝r die Nachfrage", sagt Langelaan. Deshalb hilft die Reederei im niederl├Ąndischen Den Helder auch anderen Initiativen, die Waren mit dem Segelschiff transportieren wollen. Sie war es zum Beispiel, die Bockermann die "Avontuur" vermittelt hat. Trotzdem: Mehr als eine Nische werden die Frachtsegler nicht bedienen k├Ânnen, wie der Nautik-Professor Thomas Jung von der Hochschule Bremen meint. Als Kapit├Ąn von Deutschlands Segelschulschiff "Alexander von Humboldt II" kann er sich f├╝r solche Projekte begeistern, glaubt aber nicht an ihren kommerziellen Erfolg.

Containerschiffe sind doppelt so schnell wie Traditionssegler

Moderne Containerschiffe seien doppelt so schnell wie Traditionssegler, sagt Jung. Au├čerdem lasse sich beim Segeln die Reise nie exakt planen. Im Welthandel komme es aber darauf an, dass die Ware p├╝nktlich im Hafen eintreffe. "Was die machen, sind Liebhaber-Waren." Sprich Kaffee, Kakao, ├ľle, Hochprozentiges, Gew├╝rze und andere Delikatessen aus Bio- und fairem Anbau, f├╝r die Kunden gerne mehr Geld auf den Tisch legen.

Davon scheint es viele zu geben. "Die Nachfrage ist viel gr├Â├čer als wir transportieren k├Ânnen", sagt Bockermann. Und das, obwohl seine Auftraggeber deutlich mehr f├╝r ihre Fracht zahlen m├╝ssen als auf einem Containerschiff. Gewinn macht Timbercoast trotzdem nicht. Die Betriebskosten der "Avontuur" sind daf├╝r zu hoch. Zus├Ątzliches Geld sollen Investoren und eine eigene Marke von gesegelten Spezialit├Ąten einbringen.

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