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Morbus Bechterew: Symptome, Ursachen und Behandlung

Symptome richtig deuten  

Morbus Bechterew: Der krumme Rücken kommt schleichend

13.09.2019, 13:35 Uhr | ag

Morbus Bechterew: Symptome, Ursachen und Behandlung. Schmerzen im Lendenbereich und Morgensteifigkeit können ein Hinweis auf Morbus Bechterew sein.  (Quelle: Filip_Krstic)

Schmerzen im Lendenbereich und Morgensteifigkeit können ein Hinweis auf Morbus Bechterew sein. (Quelle: Filip_Krstic)

Es beginnt häufig mit Rückenschmerzen in der Nacht und Steifheitsgefühl beim Aufstehen. Viele halten diese Symptome für harmlos und denken nicht, dass eine ernste Krankheit wie Morbus Bechterew dahinterstecken könnte. Daher erfolgt die Diagnose meist sehr spät. Für die Betroffenen hat das fatale Folgen. Denn eine schnelle Therapie ist wichtig, um der Bildung eines krummen Rückens entgegenzuwirken.

Definition: Was genau ist Morbus Bechterew?

Morbus Bechterew, auch Spondylitis ankylosans genannt, bezeichnet eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die chronisch verläuft und nicht heilbar ist. Sie befällt hauptsächlich die Wirbelsäule und wird von starken Rückenschmerzen begleitet. Der Name setzt sich aus dem lateinischen Wort für Krankheit (morbus) und dem Namen des Entdeckers der Erkrankung, dem russischen Neurologen Wladimir Bechterew, zusammen.

Wussten Sie das? Circa 340.000 Menschen in Deutschland leiden an Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans). Auch wenn die Krankheit in jedem Alter auftreten kann, trifft sie vor allem jüngere Menschen zwischen 20 und 40 Jahren, manchmal sogar Teenager. Ungefähr dreimal so viele Männer wie Frauen sind betroffen.

Die Entzündungen befallen vor allem die Gelenke der Wirbelsäule und die Verbindungen zu den Rippen und zum Becken, wo sich das Kreuzdarmgelenk (Iliosakralgelenk) befindet. Im Verlauf der Krankheit können sie das Knochengewebe zerstören und dazu führen, dass die Gelenke und Bänder der Wirbelsäule und des Beckens verknöchern. Die zunehmende Versteifung der Wirbelsäule hat zur Folge, dass sich ein krummer Rücken bildet und die Patienten eine nach vorne gebeugte Haltung einnehmen. Ihre Beweglichkeit ist dementsprechend stark eingeschränkt.

Neben der Wirbelsäule können in seltenen Fällen auch das Kniegelenk oder die Achillessehne von den rheumatischen Entzündungen betroffen sein. Auch hier kommt es zu starken Schmerzen und die Beweglichkeit wird zunehmend geringer.

Welche Symptome hat Morbus Bechterew?

Im frühen Stadium sind die Symptome von Morbus Bechterew sehr unspezifisch und werden daher oft fehlgedeutet. Im Laufe der fortschreitenden Krankheit häufen sich die Beschwerden, die Schmerzen werden stärker und es kommt zu deutlichen Bewegungeinschränkungen. 

Typische Symptome im frühen Stadium von Morbus Bechterew sind:

  • Schmerzen im unteren Rückenbereich, vor allem nachts
  • Schmerzen im Becken (Iliosakralgelenke)
  • Morgensteifigkeit und Anlaufschmerz
  • Schmerzen in der Ferse, im Brustbein, im Kniegelenk und in der Achillessehne
  • Besserung durch Bewegung und Verschlimmerung in Ruhe
  • Schmerzen im Gesäß, abwechselnd rechts und links
  • gelegentliche Hüft-, Knie- und Schulterschmerzen
  • Müdigkeit und Gewichtsverlust
  • Schmerzen beim Husten und Niesen

Morbus Bechterew verläuft bei jedem anders: Der weitere Krankheitsverlauf ist schwer einzuschätzen. Er kann individuell sehr unterschiedlich sein. Auch die Beschwerden variieren stark. Manche Betroffene haben vorrangig Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule. Bei anderen Patienten sind die Gelenke der Gliedmaßen, innere Organe, der Darm oder das Auge mit betroffen. Typisch in allen Fällen ist aber, dass die Krankheit in Schüben verläuft. Dazwischen können auch beschwerdefreie Phasen liegen.
Folgende Symptome treten häufig im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf von Morbus Bechterew auf:

  • Ausdehnung der Schmerzen vom unteren Rücken auf weite Bereiche der Wirbelsäule
  • Zunahme der Schmerzintensität
  • von Fieber begleitete Erschöpfungszustände
  • Versteifungen und Verknöcherungen der Wirbelsäule
  • Veränderung der Körperhaltung (krummer Rücken)
  • Entzündungen an Herz, Nieren oder Lunge 
  • Entzündungen der Iris (Regenbogenhaut)
  • zunehmende Bewegungseinschränkung

Oft geht Morbus Bechterew auch mit einer verringerten Knochendichte einher und begünstigt Osteoporose. Mediziner vermuten außerdem, dass die Erkrankung in Zusammenhang mit Magen-Darm- oder Harnwegserkrankungen stehen könnte.

Ursachen: Ist Morbus Bechterew eine Autoimmunerkrankung?

Die genauen Ursachen der Erkrankung sind bisher unbekannt. Vieles deutet aber darauf hin, dass eine Fehlsteuerung des Immunsystems die chronischen Entzündungen der Gelenke begünstigt. Sie führt vermutlich dazu, dass sich das Immunsystem nicht nur gegen eingedrungene Krankheitserreger, sondern auch gegen eigene Körperzellen richtet. Warum vor allem die Gelenke der Wirbelsäule von dieser Autoimmunstörung betroffen sind, konnte bislang noch nicht wissenschaftlich geklärt werden. 

Auffällig ist, dass fast alle Patienten ein bestimmtes Protein im Blut aufweisen, das eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Immunsystems spielt: HLA-B27 (Human Leukocyte Antigen B27). Allerdings erkranken nicht alle Träger des Proteins automatisch an Morbus Bechterew. Wissenschaftler vermuten, dass eine Entzündung immer mit einer erblichen Veranlagung zusammentreffen muss, um die Krankheit auszulösen. Die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V. weist darauf hin, dass ein HLA-B27-Träger, der in seiner näheren Verwandtschaft einen Bechterew-Patienten hat, ein um 12 bis 25 Prozent erhöhtes Risiko hat, selbst daran zu erkranken.

Ob psychosomatische Faktoren bei der Entstehung von Morbus Bechterew eine Rolle spielen oder den Krankheitsverlauf verschlimmern, ist noch nicht endgültig geklärt. Hinweise hierauf gibt es jedoch, da circa ein Drittel der Patienten ein körperlich oder seelisch traumatisierendes Erlebnis hatte, bevor die Krankheit bei ihnen ausbrach.

Röntgenbild von der Wirbelsäule eines Mannes mit Morbus Bechterew. Die Verknöcherungen der Wirbel sind hier deutlich zu erkennen.  (Quelle: Getty Images/angkhan)Röntgenbild von der Wirbelsäule eines Mannes mit Morbus Bechterew. Die Verknöcherungen der Wirbel sind hier deutlich zu erkennen. (Quelle: angkhan/Getty Images)

Diagnose: So stellt der Arzt Morbus Bechterew fest

Bei Verdacht auf Morbus Bechterew ist ein Rheumatologe der geeignete Ansprechpartner. Nach einer gründlichen Anamnese, bei der der Patient dem Arzt seine Beschwerden schildert und ihn über seine Krankheitsgeschichte und mögliche familiäre Vorbelastungen informiert, erfolgt eine körperliche Untersuchung. Bei dieser wird festgestellt, wie beweglich der Patient in seiner Wirbelsäule ist und ob weitere Entzündungen in anderen Gelenken vorliegen. Mit einem speziellen Handgriff (Zeichen nach Mennell) prüft der Arzt, ob das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Iliosakralgelenk) entzündet sein könnte.

Ist Morbus Bechterew im Blut nachweisbar? Es gibt keine spezielle Blutuntersuchung zur Feststellung der Bechterew-Krankheit. Allerdings können erhöhte Entzündungswerte im Blut des Patienten auf eine Erkrankung hindeuten. Jedoch können diese Werte auch durch viele andere Erkrankungen erhöht sein. Darüber hinaus kann im Blut nach dem Körpereiweiß HLA-B27 gesucht werden, das bei über 90 Prozent der Bechterew-Patienten nachweisbar ist. Es kommt allerdings auch bei vielen Gesunden vor, so dass sein Nachweis nur ein zusätzlicher Baustein der Diagnose sein kann. 

Zur endgültigen Diagnose von Morbus Bechterew setzt der Arzt in der Regel bildgebende Verfahren ein. Auf den Bildern einer Magnetresonanztomografie (MRT) sind bereits frühe Krankheitszeichen und Entzündungen gut erkennbar. Auch der Zustand des Knochengewebes wird hier gut dargestellt. Im fortgeschrittenen Stadium lässt sich Morbus Bechterew auch durch normales Röntgen diagnostizieren. Auf den Röntgenbildern sind die typischen Verknöcherungen meist deutlich erkennbar. In schweren Fällen erinnert die Wirbelsäule dann entfernt an die Form eines Bambusstabes und wird daher auch als "Bambusstab-Wirbelsäule" bezeichnet. 

Behandlung und Prognose: Therapien bei Morbus Bechterew 

Morbus Bechterew ist nicht heilbar. Alle Therapien können nur das Fortschreiten der Erkrankung bremsen, die Beschwerden lindern und eine Verknöcherung der Wirbelsäule so lange wie möglich hinauszuzögern. 

Eine wichtige Rolle bei der Behandlung spielt die regelmäßige Physiotherapie. Gezielte Krankengymnastik kann helfen, die Schmerzen zu lindern und die Versteifung der Wirbelsäule hinauszuzögern. Sie verbessert die Körperhaltung, kräftigt die Muskeln und hilft dem Patienten, beweglich zu bleiben. Wärmeanwendungen und  Massagen können schmerzlindernd wirken.

Schwerbehinderung: Morbus Bechterew-Patienten sind in ihrer Beweglichkeit oft so weit eingeschränkt, dass ihnen vom Versorgungsamt ein Behinderungsgrad anerkannt wird. Ob ein Antrag auf Anerkennung der Schwerbehinderung gestellt werden soll, hängt vom Einzelfall ab. Durch den Schwerbehindertenausweis hat der Kranke einen besseren Kündigungsschutz und Steuervergünstigungen. In schweren Fällen können Betroffene auch einen Antrag auf Rente wegen Erwerbsminderung stellen. 

Bei der medikamentösen Therapie geht es vor allem darum, die Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren, so dass der Patient beweglich bleibt. Dazu werden meist Medikamente aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) verordnet. Neben den entzündungshemmenden Mitteln kommen manchmal auch TNF-Blocker zum Einsatz, die das Immunsystem dämpfen. Diese Medikamente blockieren die Botenstoffe TNF oder IL-17, die bei der Entstehung von Entzündungen eine wichtige Rolle spielen.

In schweren Fällen kann eine Operation notwendig sein. Das ist dann der Fall, wenn die Entzündung ein Gelenk so stark beschädigt hat, dass dieses durch eine Prothese ersetzt werden muss. Möglich ist auch, die Wirbelkörper im Bereich der Halswirbelsäule operativ zu versteifen, so dass diese stabiler werden. Bei einer Keilosteotomie dagegen werden keilförmige Knochenteile chirurgisch entfernt, um eine zunehmende Krümmung der Wirbelsäule zu verhindern.

Die Bechterew-Krankheit ist eine über lange Zeit (chronisch) verlaufende Krankheit, die in Schüben auftritt. Das bedeutet, die Beschwerden (Schmerzen und Steifheit) werden plötzlich innerhalb von einigen Wochen stärker. Danach kommt es in der Regel zu einer leichten Erholung, bis hin zu einem fast beschwerdefreien Intervall. Es kann unterschiedlich lang andauern, bevor der nächste Krankheitsschub kommt.

Menschen mit M. Bechterew sollten zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen gehen. Dabei prüft der Arzt die Beweglichkeit der Wirbelsäule, des Beckens sowie der großen Gelenke an Armen und Beinen. Auch sollten die Sehfähigkeit und die Herzfunktion (EKGUltraschall) regelmäßig kontrolliert werden.

Der Lebensstil: Ernährung und Bewegung sind wichtig 

Damit die Behandlungen anschlagen und die Beweglichkeit des Patienten so lange wie möglich erhalten bleibt, ist ein gesunder Lebensstil wichtig. Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Dabei kommt den Fetten und Fettsäuren eine besondere Bedeutung zu. Vor allem die in tierischen Produkten enthaltene Arachidonsäure ist für Bechterew-Kranke gefährlich. Die gesättigte Omega-6-Fettsäure aktiviert nämlich entzündungsfördernde Stoffe im Körper und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Fette aus ungesättigten Fettsäuren können dieses Risiko senken. Zu ihnen gehören die Omega-3-Fettsäuren. Sie sind für die Bildung entzündungshemmender Stoffe im Körper notwendig und sind in Leinöl, Raps- und Walnussöl enthalten sowie in Kaltwasserfischen wie zum Beispiel Karpfen, Forelle oder Lachs. Diese Lebensmittel sollten daher bei Patienten mit Morbus Bechterew häufiger auf dem Speiseplan stehen. 

Da Bechterew-Kranke mit Entzündungen zu kämpfen haben, benötigt ihr Stoffwechsel mehr Vitamine und Spurenelemente. Besonders wichtig sind die Vitamine C und E sowie Carotinoide. Sie gehören zur Gruppe der Antioxidantien und schützen die Zellen vor Entzündungen und anderen schädlichen Einflüssen. Sie sind reichlich in Obst, Gemüse und Nüssen enthalten. Experten empfehlen bei Morbus Bechterew eine fleischarme Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Fisch, pflanzlichen Fetten und fettreduzierten Milchprodukten. Rauchen dagegen ist tabu. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie verweist auf Studien, nach denen Nikotin den Verlauf der Krankheit beschleunigt und möglicherweise sogar ein Auslöser sein kann. 

Neben der richtigen Ernährung ist auch Bewegung wichtig. Empfehlenswert sind sportliche Betätigungen wie Nordic Walking, Gymnastik, Radfahren, Schwimmen und moderates Krafttraining. Im Alltag sollten Bechterew-Patienten Haltungen vermeiden, bei denen man sich weit nach vorne beugt. Auch übermäßiges Sitzen schadet. Beim Autofahren kann ein keilförmiges Sitzkissen hilfreich sein, auf dem man automatisch aufrechter sitzt. 

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e.V.
  • Deutsche Rheuma Liga e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.
  • Eigene Recherchen
  • weitere Quellen
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Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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