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Darmkrebs bei jungen Menschen immer öfter

"Zahlen sehr beunruhigend"  

Mehr Darmkrebs bei jüngeren Menschen

08.03.2021, 13:29 Uhr | sm, dpa, ag

Darmkrebs bei jungen Menschen immer öfter. Abbildung von Darmkrebs: Darmerkrankungen haben vor allem bei Menschen unter 50 Jahren in westlichen Ländern zugenommen. (Illustration) (Quelle: Getty Images/peterschreiber.media)

Abbildung von Darmkrebs: Darmerkrankungen haben vor allem bei Menschen unter 50 Jahren in westlichen Ländern zugenommen. (Illustration) (Quelle: peterschreiber.media/Getty Images)

Die Darmkrebsraten steigen. Die Patienten werden immer jünger – vor allem im letzten Jahrzehnt. Ist der westliche Lebensstil schuld? Forscher rätseln über die Ursachen, dass Menschen immer früher an Darmkrebs erkranken.

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Darmkrebs trifft in einer Reihe von Ländern immer häufiger jüngere Erwachsene im Alter von unter 50 Jahren. Das ist das Ergebnis einer Studie der US-amerikanischen Krebsgesellschaft, die im Fachblatt "Gut" veröffentlicht wurde.

Die Untersuchung erfasst erstmals das Vorkommen von Darmkrebs bei 20- bis 49-Jährigen sowie bei ab 50-Jährigen weltweit. Es flossen Daten aus insgesamt 43 Ländern in die Ergebnisse ein.

Studie erforscht Zusammenhänge

Schon zuvor gab es Hinweise auf steigende Zahlen von Darmkrebs bei Erwachsenen unter 50. "Die bisherigen Studien zu dem Thema haben sich aber nur mit einzelnen Ländern oder Regionen beschäftigt", erklärt der Epidemiologe und Ernährungswissenschaftler Michael Hoffmeister vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, der selbst nicht an der Studie beteiligt war.

Die neue Untersuchung liefert jetzt einen globalen Überblick: In Südkorea trat Darmkrebs demnach zwischen 2008 und 2012 jährlich bei 12,9 von 100.000 unter 50-jährigen Einwohnern auf. Das Land liegt damit an der Spitze bei den Erkrankungsraten jüngerer Erwachsener.

Die wenigsten Erkrankungen hat die Stadt Chennai in Indien mit nur 3,5 jüngeren Erkrankten pro 100.000 Einwohner. Deutschland liegt mit 7,7 Erkrankten im oberen Mittelfeld.

Darmkrebs-Zahlen in jüngeren Jahren beunruhigend

Allerdings sei das Risiko jüngerer Menschen, an Darmtumoren zu erkranken, immer noch gering im Vergleich zu dem älterer Menschen, erklärt die Studienleiterin Rebecca Siegel von der American Cancer Society in Atlanta in einer Mitteilung der Krebsgesellschaft.

Bei den Darmkrebsraten von Erwachsenen ab 50 steht die Slowakei mit 192,5 Fällen pro 100.000 Einwohnern an der Spitze. Chennai in Indien hat mit 27,5 die wenigsten Fälle. Dennoch: "Die Zahlen bei jüngeren Erwachsenen sind sehr beunruhigend", sagt Hoffmeister.

Darmkrebs häufiger in reichen Ländern

Aufhorchen lässt vor allem die Entwicklung innerhalb eines Jahrzehntes, die in der Studie für 36 Länder gezeigt wurde. In 14 Ländern blieb die Fälle von Darmkrebs bei unter 50-Jährigen stabil, in drei Ländern ging sie zurück und in 19 Ländern stieg sie an.

Neun dieser 19 Länder – allesamt Staaten mit vergleichsweise hohen Einkommen – verzeichnen gleichzeitig mit dem Anstieg bei jüngeren Patienten sinkende oder konstante Fallzahlen bei Älteren: Australien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Neuseeland, Schweden, Slowenien und die USA.

Früherkennung: Gesetzlich Krankenversicherte haben im Alter von 50 bis 54 Jahren einen Anspruch auf einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl. Dieser kann jährlich durchgeführt werden. Auffälligkeiten werden mit einer Darmspiegelung (Koloskopie) abgeklärt. Männer haben ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren Anspruch auf eine Darmspiegelung – die folgende kann frühestens nach zehn Jahren erfolgen.

Veränderter Lebens- und Ernährungsstil

Über die Ursachen des Trends bei Jüngeren weiß man noch wenig. Die Studienautoren diskutieren veränderte Lebens- und Ernährungsstile, weil in vielen Ländern westliche Lebensweisen angenommen werden und stark verarbeitete Lebensmittel und Fastfood sich zunehmend verbreiten. Auch häufige Antibiotikagaben an Kinder stehen unter Verdacht.

"Besonders plausibel ist unter den diskutierten Ursachen das Übergewicht", sagt Epidemiologe Hoffmeister. Dennoch sei auch das noch Spekulation. "Im Moment sind aber begründete Vermutungen in alle Richtungen hilfreich, weil auf ihnen weitere Studien aufbauen können, um die zugrundeliegenden Faktoren zu identifizieren und Maßnahmen zu ergreifen."

Den Rückgang bei Älteren in vielen Industrieländern erklärt sich Hoffmeister so: "Das Darmkrebs-Screening, das in vielen Ländern für ältere Erwachsene etabliert ist, spielt bei diesem Rückgang eine große Rolle." Werden durch die Stuhluntersuchungen und Darmspiegelungen, zu denen beispielsweise in Deutschland ab dem Alter von 50 Jahren aufgerufen wird, Krebsvorstufen festgestellt und entfernt, so lassen sich Darmkrebsfälle vermeiden.
 

 
In den meisten Industrieländern wird das Screening ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren angeboten. "Eine Vorverlegung des Screenings wird international intensiv diskutiert" sagt Hoffmeister.

PD Dr. med. Christian P. Pox, DGVS-Leilinienkoordinator Kolorektales Karzinom, Chefarzt der Medizinischen Klinik im Krankenhaus St. Joseph-Stift in Bremen.

Drei Fragen an

PD Dr. med. Christian P. Pox

PD Dr. med. Christian P. Pox ist DGVS-Leitlinienkoordinator “Kolorektales Karzinom” und Chefarzt der Medizinischen Klinik im Krankenhaus St. Joseph-Stift in Bremen.

Bei einer Darmspiegelung wird nach Einnahme entsprechender Abführmittel zur Darmreinigung (in der Regel 1 bis 2 Liter Abführmittel plus 1 bis 2 Liter weitere Flüssigkeit) ein flexibles Endoskop (Durchmesser 10 bis 12 Millimeter) in den After eingeführt und die Darmoberfläche genau inspiziert. Polypen werden in derselben Sitzung mittels Schlinge oder Zange abgetragen. Aus auffälligen Arealen kann eine Probe genommen werden. Die Untersuchung erfolgt ambulant bei niedergelassenen Gastroenterologen. Bei unauffälligem Befund dauert die Untersuchung in der Regel etwa 30 Minuten.

Heutzutage erhalten nahezu alle Patienten ein Schlafmittel (Sedierung) während der Darmspiegelung, so dass die Untersuchung ohne Schmerzen abläuft.

Im Rahmen der gesetzlichen Darmkrebsvorsorge wird die Untersuchung für Männer ab 50 Jahren, für Frauen ab 55 Jahren empfohlen. Gibt es bei Eltern oder Geschwistern Fälle von Darmkrebs, sollte eine erste Koloskopie zehn Jahre vor dem offiziellen Diagnosealter erfolgen, spätestens zwischen 40 bis 45 Jahren. Bei unauffälligem Befund ist eine Wiederholung der Untersuchung alle zehn Jahre sinnvoll.

Die Autoren der aktuellen Studie empfehlen, dass Ärzte Menschen unter 50, bei denen Darmkrebs in der Familien aufgetreten ist oder die selbst Symptome zeigen, vorsorglich mit den etablierten Screening-Methoden untersuchen sollten. Diese Empfehlung gilt auch schon offiziell in vielen Ländern, etwa in Deutschland.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Felix Burda Stiftung

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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