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Hitzewellen führt offenbar zu mehr Herzinfarkten in Deutschland


Gefährlicher als Rauchen  

Hitze führt offenbar zu mehr Herzinfarkten in Deutschland

23.09.2019, 12:16 Uhr | Katharina Redanz, dpa

Hitzewellen führt offenbar zu mehr Herzinfarkten in Deutschland. Mann mit Herzschmerzen: Der Klimawandel macht auch unserer Gesundheit zu schaffen.  (Quelle: Getty Images/andriano_cz)

Mann mit Herzschmerzen: Der Klimawandel macht auch unserer Gesundheit zu schaffen. (Quelle: andriano_cz/Getty Images)

Der Klimawandel sorgt nicht nur für einen steigenden Meeresspiegel und mehr Dürren – er gefährdet vor allem das Herz-Kreislauf-System und hat auch jetzt schon gesundheitliche Folgen. Experten haben jedoch Tipps, um hohe Temperaturen zu überstehen. 

Ende Juli jagte in Deutschland ein Hitzerekord den nächsten, mit 42,6 Grad Celsius wurde schließlich die höchste Temperatur im niedersächsischen Lingen gemessen. Solche heißen Tage sind anstrengend für den Körper und werden im Zuge des Klimawandels immer häufiger werden.

Vor allem dem Herz-Kreislauf-System machten Hitze und große Temperatursprünge binnen kurzer Zeit zu schaffen, sagt Andreas Zeiher, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Die Folge? "Vermehrte Herzinfarkte". Das zeigen verschiedene Studien.

Klimawandel höheres Gesundheitsrisiko als Rauchen 

Zeiher sieht die Klimaveränderungen als ein größeres Gesundheitsrisiko als das Rauchen - "weil die ganze Bevölkerung betroffen ist." Und: Gegen Temperaturschwankungen und Hitze könne man nichts machen – anders als etwa Nichtraucher zu werden.

Die Klimaveränderungen seien "ganz sicher" eine der größten Herausforderungen für das Gesundheitssystem in den nächsten 20 bis 50 Jahren. "Denn neben den Temperaturveränderungen gehen damit zum Beispiel Brände und eine erhöhte Luftverschmutzung einher."

Mehr Herzinfarkte an heißen Tagen 

"Hitze und insbesondere abrupte Temperaturveränderungen bedeuten Stress für den Körper und das Herz-Kreislauf-System", erklärt Mediziner Zeiher anlässlich des Welt-Herz-Tages am 29. September. Stresshormone würden ausgeschüttet, in der Folge verengten sich die Gefäße, das Blut werde klebriger und dickflüssiger.

Die Gefahr für einen Herzinfarkt und auch für einen Schlaganfall steige. "Wir verzeichnen ein höheres Auftreten von Herzinfarkten und Schlaganfällen und insgesamt von Notfall-Besuchen im Krankenhaus an sehr heißen Tagen", sagt Zeiher. Vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ältere Menschen und Diabetiker seien betroffen.

Bei Hitzewellen erhöht sich die Sterberate um zwei bis drei Prozent

Eine Reihe von Studien habe gezeigt, dass sich bei höherer Lufttemperatur die Sterberate bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht, sagt auch Elke Hertig, Professorin für Klimawandel und Gesundheit an der Universität Augsburg. "Die Sterberate bei Hitzewellen kann sich um zwei bis drei Prozent erhöhen."

Wie können sich gefährdete Gruppen bei Hitze und Temperatursprüngen wappnen? Viel trinken, bei hohen Temperaturen den Körper nicht außerordentlich fordern und belasten sowie gegebenenfalls in kühlen Innenräumen bleiben, sagen die Wissenschaftler übereinstimmend.

Menschen im Mittelmeerraum sind besser an Hitze angepasst

In Gegenden auf der Welt, wo stets höhere Temperaturen herrschen – beispielsweise im Mittelmeerraum, gibt es den Forschern zufolge trotzdem nicht mehr Herzinfarkte. "Die Leute kommen mit der Hitze besser klar, weil sie über Jahrhunderte gelernt haben, wie man etwa mit der Mittagshitze umgeht", sagt Lungenfacharzt Christian Witt von der Charité.

Vor allem in ihrem Verhalten seien die Bewohner von Regionen mit viel Hitze besser angepasst, sagt auch Hertig und verweist auf die andere Bebauung und lange Pausen wie die Siesta in der Mittagszeit. Und: Die hohen Temperaturen dort sind weitgehend konstant, es gibt nicht so große Sprünge, ergänzt Zeiher.

Klimawandel steigert auch die Schimmelgefahr in Wohnungen

Auch andere mögliche Auswirkungen des Klimawandels machten der Gesundheit zu schaffen, etwa stark schwankende Temperaturen oder auch Starkregenereignisse sagt Witt, der Experte für Klimawandel und Gesundheit ist. Beispielsweise steige die Schimmelgefahr in Wohnungen und Kellern durch häufigeren und starken Regen.

"Das Hauptthema ist aber Hitze, vor allem in den Städten." Denn gerade in diesen dicht besiedelten Räumen sei es durch Bebauung und Verkehr besonders heiß. Zwischen dem Berliner Zentrum und dem Stadtrand etwa gebe es Temperaturunterschiede von bis zu acht Grad Celsius. Die politische Diskussion in Deutschland um ein Recht auf Arbeit von daheim aus an heißen Tagen oder hitzefrei für Menschen, die im Freien arbeiten, findet Zeiher trotzdem überzogen – "im Moment noch".

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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