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Osteoporose kann durch Rheuma ausgelöst werden

Hohes Osteoporose-Risiko  

Warum Rheumatiker oft brüchige Knochen haben

26.02.2020, 13:36 Uhr | Andrea Goesch

Osteoporose kann durch Rheuma ausgelöst werden. Patienten mit Rheumatoider Arthritis haben ein erhöhtes Risiko, an Osteoporose zu erkranken. .  (Quelle: Getty Images/ PredragImages)

Patienten mit Rheumatoider Arthritis haben ein erhöhtes Risiko, an Osteoporose zu erkranken. . (Quelle: PredragImages/Getty Images)

Entzündliche Gelenkerkrankungen beschleunigen den Abbau von Knochengewebe. Daher leiden viele Rheuma-Patienten an Osteoporose. Doch es gibt wirksame Vorbeugemaßnahmen, um das Risiko zu senken und dem Knochenschwund entgegenzuwirken.

Rheumaarten mit hohem Osteoporose-Risiko

Entzündlich rheumatische Erkrankungen sind häufig die Ursache für eine sekundäre Osteoporose. Diesen Begriff verwenden Mediziner, wenn der Knochenschwund durch eine andere Grunderkrankung ausgelöst wird. Studien zeigen, dass etwa 20 Prozent aller Patienten mit einer Rheumatoiden Arthritis poröse Knochen haben. Als Folge davon leiden etwa eine Million Rheumakranke in Deutschland zusätzlich an osteoporosebedingten Schmerzen, sind in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt und haben ein stark erhöhtes Risiko für Knochenbrüche.

Bei allen stark entzündlichen Rheumaerkrankungen besteht ein hohes Osteoporoserisiko. "Hier ist in erster Linie die Rheumatoide Arthritis zu nennen'", sagt Dr. Jochen Lautenschläger vom Rheumazentrum der Klinik an der Weißenburg in Uhlstädt-Kirchhasel. "Aber auch Morbus Bechterew und der systemische Lupus erythematodes gehen mit einer vermehrten Ausbildung einer Osteoporose einher." Das Gleiche gelte für die Riesenzellenarthritis und die Polymyalgia rheumatica, die vor allem ältere Menschen treffen.

Wann und in welchem Maße der Verlust der Knochemasse bei Patienten einsetzt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum einen hängt der Osteoporose-Prozess von der Entzündungsstärke in den Gelenken ab. Zum anderen spielt auch das Alter eine wichtige Rolle. "Erkrankt man in jungen Jahren und besitzt zu diesem Zeitpunkt noch einen guten Knochen, so tritt die Osteoporose erst im weiteren Verlauf auf. Tritt die Krankheit dagegen erst im hohen Alter auf, geht der Weg in die Osteoporose viel schneller", sagt Lautenschläger.  Bei lang andauernder Behandlung mit Kortison sei der Knochenverlust schon im ersten halben Jahr sehr hoch.

Erst Rheuma, dann Osteoporose: warum? 

Doch warum begünstigt entzündliches Rheuma Knochenschwund? Um das zu verstehen, ist es wichtig, sich mit der Entstehung von Osteoporose zu beschäftigen, sagt Lautenschläger. "Der Knochen ist kein unveränderliches Gewebe, wie etwa ein Betonklotz, sondern ein Gewebe, dass sich ständig im Umbau befindet. Im alltäglichen Leben kommt es ständig zu kleinen Knochenbrüchen im Knochengewebe selbst."

Den Umbauprozess erklärt der Experte folgendermaßen: "Zunächst muss das verletzte Knochengewebe abgebaut werden. Dies geschieht durch Zellen, die Osteoklasten genannt werden. Ist der Defekt abgeräumt, wird durch eine andere Zellart, die Osteoblasten, der Defekt wieder mit gesundem Knochengewebe aufgefüllt." Werde mehr Knochensubstanz abgebaut als aufgebaut, überwiege die Wirkung der Osteoklasten. 

"Bei entzündlichen Rheumaerkrankungen ist es leider so, dass bestimmte Botenstoffe in unserem Körper nicht nur die Entzündung fördern, sondern auch die Osteoklasten und damit den Knochenabbau stimulieren", sagt Lautenschläger. Die knochenbildenden Osteoblasten kämen daher mit dem Neuaufbau des Knochens nicht mehr nach. Aus diesem Grund sei die Knochendichte bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis meist geringer.

Risikofaktoren: Kortison und Bewegungsmangel 

Ein weiterer Grund für Knochenschwund betrifft die medikamentöse Behandlung mit Kortison. Diese ist einerseits wichtig, um bei Rheumapatienten die Entzündungsprozesse im Körper zurückzudrängen und so die Schmerzen zu lindern. Andererseits jedoch wirkt Kortison in vielerlei Hinsicht negativ auf die Knochen. Besonders zu Beginn der Therapie stimulieren kortisonhaltige Medikamente den Knochenabbau, langfristig unterdrücken sie zusätzlich den Knochenaufbau. Die Folge ist ein starker und schnell voranschreitender Knochenschwund. "Deshalb gilt es, mit Kortisonpräparaten so sparsam wie möglich umzugehen", sagt Lautenschläger.

Die eingeschränkte Mobilität vieler Rheumatiker ist ein weiterer Grund, warum bei vielen die Knochenmasse schwindet. "Haben Patienten Schmerzen aufgrund ihrer Rheumaerkrankung, werden Bewegung und Belastung des Knochens vermieden", sagt Lautenschläger. Die fehlende Stimulation bremse den Aufbau und die Widerstandsfähigkeit des Knochens. Der Rheumatologe verdeutlicht dies an einem Beispiel: "Wie wichtig die Belastung für die Knochengesundheit ist, sieht man schon aus der Tatsache, dass Astronauten die längere Zeit in der Schwerelosigkeit des Weltalls verweilten eine Osteoporose entwickeln. 

Symptome für poröse Knochen

Häufig erkennen Rheuma-Patienten erst spät, dass sie auch an Osteoporose erkrankt sind. Denn typische Symptome meist erst dann auf, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten ist. Hellhörig sollte man werden, wenn plötzlich heftige Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, der Knie und der Hüfte einsetzen. Auch Knöchenbrüche bei geringem Anlass können Hinweise auf eine Osteoporose sein. Diese Brüche sind darauf zurückzuführen, dass die Knochendichte sich bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf schon stark verringert hat. Dann halten die Knochen den Belastungen des Alltags nicht mehr stand.

Bei fortgeschrittener Osteoporose kann es zu einer Verkrümmung der Wirbelsäule kommen. Typisch für diese Phase sind ein Rundrücken und im fortgeschrittenen Stadium ein Buckel. Oft verringert sich dabei auch die Körpergröße. Bis zu 20 Zentimeter sind bei schwerer Osteoporose möglich. Die Verkürzung der Wirbel führt oft zu starken Schmerzen. Eine Verkürzung des Rumpfes äußert sich häufig im sogenannten Tannenbaumphänomen: Die überschüssige Haut hängt herunter und wirft Falten, die an die Zweige einer Tanne erinnern.

Knochenbrüche: Frakturen in Folge von Osteoporose treten besonders häufig an den Wirbelkörpern, an den Rippen, am Oberschenkelhals und an den Handgelenken auf. Auch Frakturen im Bereich des Beckens und an der Hüfte  sind typisch. Bei einigen Menschen werden die Knochen mit der Zeit so brüchig, dass schon ein Stolpern oder das Heben eines Objektes zu einer Fraktur führt.

Diagnose mittels Knochendichtemessung 

Osteoporose hat für Rheumatiker weitreichenden Folgen: Aufgrund der Gelenkschäden haben Hüften und Hände bereits an Stabilität eingebüßt.  Durch den Knochenschwund verschlechtert sich die Situation der Patienten noch weiter. Zudem erschwert Osteoporose auch die die Implantation von Endprothesen. Zur Risikobestimmung empfehlen Experten Rheuma-Patienten eine Knochendichtemessung. Sie erfolgt mittels einer Röntgenuntersuchung.

Ein gebräuchliches Verfahren stellt die  Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) dar. Am Schenkelhals oder an der Wirbelsäule wird dabei gemessen, wie groß der Anteil der Strahlung ist, die auf der anderen Seite ankommt, und wie viel Strahlung der Körper absorbiert hat.

Eine Knochendichtermessung gibt Auskunft darüber, ob und in welchem Maße die Knochen von Osteoporose betroffen sind. (Quelle: Getty Images/ Tonpor Kasa)Eine Knochendichtermessung gibt Auskunft darüber, ob und in welchem Maße die Knochen von Osteoporose betroffen sind. (Quelle: Tonpor Kasa/Getty Images)

Bei einer Knochendichtemesung wird der sogenannte T-Wert (T-Score) ermittelt. Er bezeichnet die Abweichung von der durchschnittlichen Knochendichte eines gesunden, geschlechtsgleichen 30-Jährigen. Je nachdem, wie stark der gemessene Wert von diesem Standard abweicht, sprechen Ärzte von verringerter Knochendichte (Osteopenie) oder Osteoporose. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt eine Osteoporose vor, wenn der T-Wert unter 2,5 fällt (≤ –2,5). Weicht der T-Wert um mehr als 1 nach unten ab, (T-Score < – 1), so liegt eine Osteopenie vor.

Medikamentöse Basistherapie beugt vor  

Doch was können Rheumapatienten tun, um möglichst lange ein stabiles Knochengerüst zu behalten? "Zunächst ist es wichtig die entzündlich-rheumatische Grundkrankheit in den Griff zu bekommen", sagt Lautenschläger. Auf diese Weise würden die osteoporosefördernden Botenstoffe der Entzündungszellen reduziert. Der Experte weist darauf hin, dass viele entzündlich-rheumatische Erkrankungen, nicht heilbar seien und somit oft lebenslang behandelt werden müssen. "Entscheidend bei der Therapie ist es, die Patienten auf ein langfristig wirksames Medikament einzustellen, eine sogenannte Basistherapie."

Eine solche Behandlung müsse regelmäßig durch einen Rheumatologen überwacht werden. "Da die Basistherapien in der Regel aber nicht sofort wirken, muss bis zum Wirkungseintritt die Zeit mit Kortisonpräparaten überbrückt werden. Der Einsatz dieser Medikamente sollte aber so kurz und so gering wie möglich sein", so Lautenschläger.

Risiko senken durch Bewegung und Sport 

Doch nicht nur eine gute medikamentöse Therapie ist wichtig, um bei entzündlichem Rheuma das Osteoporoserisiko zu senken. Auch Bewegung spielt eine wichtige Rolle. Vor allem sollten Betroffene frühzeitig ihre Knochen stärken, indem sie sportlich aktiv sind und ausreichend Bewegung in ihren Alltag einbauen. Denn wenn die Knochen beansprucht werden, fördert das den Knochenstoffwechsel und neue Knochensubstanz bildet sich. Regelmäßige Spaziergänge, Radfahren und Krafttraining kräftigen zudem auch die Muskulatur, halten die Gelenke beweglich und senken das Sturzrisiko. 

Der Vorteil von regelmäßiger Bewegung an der frischen Luft hat noch einen weiteren Vorteil: Die Sonnenstrahlung fördert die Bildung von Vitamin D. Der Körper benötigt das Sonnen-Vitamin, um Kalzium aus dem Dünndarm aufzunehmen und in die Knochen weiterzuleiten. Das trägt zu ihrer Stabilisierung bei.

Vorbeugen durch Ernährung: Kalzium und Vitamin D

Neben einem sportlich aktiven Lebensstil ist auch eine kalziumreiche Ernährung wichtig, um Osteoporose vorzubeugen oder den Verlauf einer bestehenden Erkrankung abzumildern. Von einseitiger Ernährung oder extremen Diäten ist auf jeden Fall abzuraten. 

Gute Kalziumlieferanten sind unter anderem:

  • Mineralwasser mit einem hohen Kalziumanteil
  • Eier
  • Hülsenfrüchte und Nüsse 
  • grünes Gemüse wie Grünkohl, Fenchel, Spinat und Brokkoli sowie Kräuter
  • Milchprodukte wie Milch, Joghurt, Käse

Damit der Körper das Kalzium aufnehmen kann und in die Knochen weiterleitet, benötigt er Vitamin D. 80 bis 90 Prozent des Bedarfs bildet der Körper selbst, wenn die Haut mit Sonnenstrahlung in Berührung kommt. 10 bis 20 Prozent nimmt man über die Nahrung auf, etwa über Fische wie Makrele, Hering, Thunfisch und Lachs oder über Eier und Pilze.

Mineralstoffe in Tablettenform: sinnvoll oder nicht?

Viele Menschen, die von Osteoporose betroffen sind oder ihr Krankheitsrisiko senken möchten, nehmen prophylaktisch Kalziumpräparate ein. Doch die Angst, dass der Körper über die normale Ernährung nicht ausreichend mit Kalzium versorgt werde, ist in den meisten Fällen unbegründet.  "Die aktuellen Leitlinien empfehlen die Zufuhr von 1000 Milligramm Kalzium pro Tag", sagt Lautenschläger. "Dies wird bei einer Mischkost normalerweise problemlos erreicht." Nur in Ausnahmefällen sei die Einnahme von Kalziumpräparaten empfehlenswert, beispielsweise bei Menschen, die aufgrund einer starken Laktoseintoleranz keine kalziumhaltigen Milchprodukte zu sich nehmen können.

Grundsätzlich sollte die Einnahme von Kalzium-Tabletten immer in Absprache mit dem Arzt erfolgen. Denn ein Zuviel des Mineralstoffs kann gefährlich werden. Bei chronischer Überdosierung drohen Nierenprobleme und Verdauungsstörungen. Studien weisen zudem darauf hin, dass eine chronische Überversorgung mit Kalzium das Entstehen einer Koronaren Herzkrankheit begünstigt.

Auch beim Vitamin D sind in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel notwendig, um den Körper ausreichend zu versorgen. "Wer sich durch Aufenthalt im Sommer im Freien und Ernährung genug Vitamin D zuführt, braucht es nicht zusätzlich einnehmen", sagt Lautenschläger. Allerdings seien die Konsequenzen der Selbstmedikation hier nicht so gravierend wie beim Kalzium: "Eine leicht übermäßige Vitamin D-Zufuhr hat keine gesundheitlichen Nachteile. Erst bei extremen Überdosen muss man mit gesundheitlichen Nachteilen rechnen", so der Experte.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, insgesamt 5 bis 25 Minuten täglich Gesicht, Hände, Arme und Beine der Sonne auszusetzen. Das so vom Körper produzierte Vitamin D kann im Körper gespeichert werden und reicht in der Regel in Deutschland zur Versorgung in den Wintermonaten aus. Ein täglicher Spaziergang von 20 Minuten kann den Bedarf ebenfalls decken. 

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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