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Ja, die Redaktion hat fĂŒr diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Kniearthrose: Was bringen Spritzen ins Knie?

Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 28.06.2022Lesedauer: 3 Min.
Ein Arzt injiziert einer Patientin eine Spritze ins Knie. Viele Patienten mit Kniearthrose erhoffen sich durch Hyaluron- oder Kortisonspritzen eine Linderung ihrer Beschwerden.
Ein Arzt injiziert einer Patientin eine Spritze ins Knie. Viele Patienten mit Kniearthrose erhoffen sich durch Hyaluron- oder Kortisonspritzen eine Linderung ihrer Beschwerden. (Quelle: dimid_86/getty-images-bilder)
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Arthrose ist die hĂ€ufigste Gelenkkrankheit. Bei Arthrose wird die Knorpelschicht eines Gelenks zerstört. Es kommt zu Schmerzen, EntzĂŒndungen und BewegungseinschrĂ€nkungen. Sind die Knie von Arthrose betroffen, sprechen Mediziner von Gonarthrose. Um eine Operation hinauszuzögern, hoffen viele Betroffene auf Spritzen. Doch was bringen Injektionen ins Knie?

Bei Kniearthrose (Gonarthrose) baut sich der schĂŒtzende Knorpel im Kniegelenk ab. Die schĂŒtzende Gleitschicht des Knorpels nimmt Schaden und die NĂ€hrstoffversorgung des Gelenks ist gestört. Auch entstehen im fortgeschrittenen Verlauf KnochenschĂ€den. Das Knie verliert an Beweglichkeit, bĂŒĂŸt seine dĂ€mpfenden Eigenschaften ein und hat weniger Halt. Betroffene bemerken den Gelenkschaden durch Schmerzen, Schwellungen und BewegungseinschrĂ€nkungen. RĂŒckgĂ€ngig lĂ€sst sich der Gelenkverschleiß leider nicht machen. Doch die Schmerzen lassen sich lindern.


Acht Gelenk-SĂŒnden

Übergewicht schadet den HĂŒft- und Kniegelenken nicht nur durch die ĂŒberflĂŒssigen Pfunde, die darauf lasten. ZusĂ€tzlich sondert das Fettgewebe verstĂ€rkt Hormone ab, die zur Zerstörung des Gelenkknorpels beitragen. Deshalb brauchen stark beleibte Menschen frĂŒher eine neue HĂŒfte oder ein kĂŒnstliches Kniegelenk als schlanke Personen.
Bewegungsmangel ist Gift fĂŒr gesunde Gelenke. Nur durch Bewegung wird die Knorpelsubstanz in den Gelenken gut durchblutet und mit NĂ€hrstoffen versorgt. Bleibt die Bewegung aus, passiert folgendes: Die Muskelmasse nimmt ab, die Gelenkkapsel schrumpft und das macht die Gelenke noch unbeweglicher und verstĂ€rkt die Beschwerden.
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Kortisonspritzen zur Schmerzlinderung bei Kniearthrose

Zur Schmerzlinderung bei einer Kniearthrose bekommen Betroffene manchmal Kortison in das Kniegelenk gespritzt. Kortison soll die EntzĂŒndungsprozesse abklingen lassen und so den Schmerz lindern. Mehrere internationale Wissenschaftlergruppen aus der Schweiz, Finnland, den USA und Kanada haben vorliegende Studien zu Kortisonspritzen bei Kniearthrose ausgewertet.

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Das Ergebnis: Kortisonspritzen konnten die Beschwerden bei 10 bis 20 von 100 Personen fĂŒr bis zu acht Wochen lindern. Allerdings bergen Kortisonspritzen das Risiko fĂŒr Infektionen und können bei wiederholter Gabe den Gelenkknorpel schwĂ€chen.

Kortisonspritzen: wirksam, aber nicht unbedenklich

"Kortison ist ein potentes Schmerzmittel, aber mit grĂ¶ĂŸter Vorsicht zu verwenden", sagt Professor Philipp Lobenhoffer, Facharzt fĂŒr Chirurgie, spezielle Unfallchirurgie sowie Facharzt fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie der go:h Gelenkchirurgie OrthopĂ€die Hannover und Mitglied der Deutschen Arthrose-Hilfe e.V.

"Das Infektionsrisiko ist bei Kortisonspritzen erhöht – nicht nur bei der Spritzeninjektion selbst, sondern auch bei anschließenden, zeitnahen operativen Eingriffen. Das liegt unter anderem daran, dass Kortison die Immunabwehr im Gelenk schwĂ€cht und den Knorpelstoffwechsel hemmt."

(Quelle: Photo Lill)


Professor Dr. med. Philipp Lobenhoffer ist Facharzt fĂŒr Chirurgie, Spezielle Unfallchirurgie sowie Facharzt fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie der go:h Gelenkchirurgie OrthopĂ€die Hannover und Mitglied der Deutschen Arthrose-Hilfe e.V.

RegelmĂ€ĂŸige Kortisonspritzen ins Knie können sogar die Knorpelmasse reduzieren. Der Experte rĂ€t daher, Kortisonspritzen in EinzelfĂ€llen und nicht zur Dauertherapie zu nutzen. Auch die Deutsche Gesellschaft fĂŒr OrthopĂ€die und OrthopĂ€dische Chirurgie rĂ€t, Kortisonspritzen zur kurzzeitigen Behandlung von akuten Knieschmerzen einzusetzen – wenn andere Behandlungen nicht ausreichen. Manche Fachleute empfehlen zudem, zwischen den einzelnen Injektionen mindestens zwölf Wochen Pause einzulegen.

Wie effektiv sind Hyaluronspritzen bei Kniearthrose?

Nur fĂŒr Kortisonspritzen ist nachgewiesen, dass sie Kniearthrose vorĂŒbergehend lindern können. Anders sieht das bei Hyaluronspritzen aus, die ebenfalls ins Knie injiziert werden können. Zwar ist HyaluronsĂ€ure der Hauptbestandteil der natĂŒrlichen GelenkflĂŒssigkeit, doch es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass HyaluronsĂ€ure den Knorpel im Knie wieder aufbauen kann. Auch konnte in Studien kein klarer Nutzen gegenĂŒber Placebo-Spritzen nachgewiesen werden.

Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) bewertet HyaluronsĂ€ure-Injektionen bei Kniearthrose als "tendenziell negativ". Die AbwĂ€gung von Nutzen und Schaden sei komplex: Im Vergleich zu Placebo-Injektionen (Spritzen eines Scheinmedikaments) und keinen Injektionen zeige sich, dass sich Schmerzen mit Hyaluron zwar etwas reduzieren ließen und sich die Funktion des Gelenks leicht verbessere.

Gleichzeitig aber kĂ€men nach einer HyaluronsĂ€ure-Injektion Reaktionen an der Injektionsstelle hĂ€ufiger vor. Hinzu kĂ€men "schwerwiegende unerwĂŒnschte Ereignisse", die statistisch hĂ€ufiger auftreten als in den Kontrollgruppen. So kann es vorĂŒbergehend zu Schmerzen, Rötungen und Schwellungen im Gelenk kommen.

Eigenbluttherapie und Stammzellentherapie bei Kniearthrose

Auch bei neueren Verfahren wie der Eigenblutbehandlung oder einer Einspritzung von Stammzellen in das Knie fehlen aussagekrÀftige Studien. Bislang konnte nicht nachgewiesen werden, dass diese Arthrose-Therapien einen Nutzen haben.

Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr OrthopĂ€die und OrthopĂ€dische Chirurgie empfiehlt Spritzen mit Eigenblut derzeit nicht. Andere Fachgesellschaften raten sogar davon ab. Auch Injektionen mit körpereigenen Stammzellen werden von den Fachgesellschaften nicht empfohlen.

Bewegungstherapie zeigt bessere Effekte

Wie die Untersuchungen der Forscher aus der Schweiz, Finnland, den USA und Kanada zeigen, stellt eine Bewegungstherapie eine mögliche Alternative zu Spritzen dar. So zeigte die Auswertung verschiedener Studienergebnisse, dass Kortisonspritzen keinen Vorteil bringen, wenn gleichzeitig eine Bewegungstherapie gemacht wird und dass eine Physiotherapie mit angeleiteten Übungen fĂŒr zu Hause langfristig besser hilft.

Damit zeigen die Wissenschaftler, was auch Ärzte immer wieder betonen: KrĂ€ftigungs- und BewegungsĂŒbungen gehören zu den wichtigsten Maßnahmen, die Betroffene einer Kniearthrose fĂŒr ihre Knie tun können.

Bewegung regt den Blutfluss und den Stoffwechsel im Gelenk an und versorgt das Gelenk dadurch mit wichtigen NĂ€hrstoffen. Welche Art der Bewegung in welcher IntensitĂ€t fĂŒr das jeweilige Arthrose-Stadium am besten geeignet ist, besprechen Betroffene am besten mit ihrem behandelnden OrthopĂ€den oder ihrer OrthopĂ€din.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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