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Expertin über Skiurlaub und Corona: "Jeder sollte lieber zu Hause bleiben"

INTERVIEWExpertin über Skiurlaub  

"Jeder sollte in diesem Winter lieber zu Hause bleiben"

19.12.2020, 15:00 Uhr
Expertin über Skiurlaub und Corona: "Jeder sollte lieber zu Hause bleiben". Skiurlaub: Wegen der Corona-Pandemie sind Reisen aktuell nur sehr eingeschränkt möglich.  (Quelle: imago images/Eibner Europa)

Skiurlaub: Wegen der Corona-Pandemie sind Reisen aktuell nur sehr eingeschränkt möglich. (Quelle: Eibner Europa/imago images)

Seit Monaten ist der internationale Tourismus eingeschränkt, mittlerweile sind sogar Reisen innerhalb Deutschlands nur noch sehr schwer möglich. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf den Winterurlaub?

Bis mindestens zum 10. Januar kommenden Jahres sind Reisen zwar nicht verboten, es wird aber dringend davon abgeraten. Zudem gibt es innerhalb Deutschlands Beherbergungsverbote, Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen. Auch viele andere Länder haben harte Maßnahmen ergriffen, um die Corona-Pandemie einzudämmen. 

t-online hat mit der Tourismusexpertin Prof. Ina zur Oven-Krockhaus über die Folgen für den Wintertourismus, Skiurlaub und Geschenkgutscheine gesprochen. Sie leitet den Studiengang Tourismusmanagement an der Internationalen Hochschule Bad Honnef (IUBH) in Hannover und erklärt im Interview, warum viele Europäer trotz aller Einschränkungen weiter reisen möchten und ob Urlaub künftig sogar günstiger werden könnte. 

t-online: Wie hat sich das Reiseverhalten in diesem Winter durch den Lockdown aus Ihrer Sicht verändert? 

Prof. Ina zur Oven-Krockhaus: Die Bundesregierung empfiehlt, im harten Lockdown bis zum 10. Januar 2021 auf alle touristischen Reisen im In- und Ausland zu verzichten. Damit soll erreicht werden, dass die Menschen zu Hause bleiben, um Kontakte außerhalb der Familie zu vermeiden. Leider gehört auch dazu, Ausflüge und Reisen komplett zu unterlassen.

Hierbei handelt es sich allerdings um eine Empfehlung und nicht um ein grundsätzliches Reiseverbot. Geschäftsreisende dürfen auch weiterhin innerhalb Deutschlands reisen, sollten sich allerdings informieren, ob am Zielort ein Beherbergungsverbot gilt oder nicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat zudem eine allgemeine Testpflicht für alle Urlaubsrückkehrer angeregt. Seit dem Sommer seien die Zahlen der Neuinfektionen in Deutschland auch aufgrund von Reiserückkehrern stark gestiegen. Dies soll sich im Winter nicht wiederholen.

Halten sich alle an die Empfehlungen?

Die Reiselust der Europäer ist dennoch ungebrochen, wie eine von der European Travel Commission (ETC) veröffentlichte Studie zeigt. 54 Prozent der Befragten wollen in den kommenden sechs Monaten eine Reise unternehmen. Hauptreiseziele liegen vor allem innerhalb Europas und im Inland, wobei 35 Prozent der Befragten noch nicht genau wissen, wann sie reisen wollen.

Skiurlaub ist in diesem Jahr – wenn überhaupt – nur sehr eingeschränkt möglich. Wie verändert das den Wintertourismus?

Da kein generelles Reiseverbot besteht, ist Skiurlaub zwar möglich, aber nicht empfohlen. Zudem gibt es ein Beherbergungsverbot für private Übernachtungen, daher ist Skiurlaub in Deutschland, Österreich, Italien oder Frankreich praktisch bis zum 10. Januar nicht möglich. In der Schweiz sind Pisten für Ausländer größtenteils geöffnet. Deutsche Urlauber sollten allerdings beachten, dass die Schweiz als Corona-Risikogebiet eingestuft ist. Sie müssten daher im Anschluss eine zehntägige Quarantäne in Kauf nehmen. Jeder Bundesbürger sollte der Empfehlung der Bundesregierung folgen und in diesem Ausnahmewinter lieber zu Hause bleiben.  

Prof. Dr. Ina zur Oven-Krockhaus
 (Quelle: t-online/privat/Krockhaus) (Quelle: t-online/privat/Krockhaus)

Prof. Dr. Ina zur Oven-Krockhaus ist gelernte Reiseverkehrskauffrau, studierte Diplombetriebswirtin mit dem Schwerpunkt Tourismus und promovierte Kommunikationswissenschaftlerin. 18 Jahre lang hat sie in verschiedenen leitenden Funktionen beim Tourismuskonzern Tui gearbeitet. Seit 2014 ist sie Professorin und Studiengangsleitung für Tourismusmanagement im Dualen Studium an der IUBH Internationale Hochschule.

Leider macht damit die Corona-Pandemie vielen Wintersportorten 2021 einen Strich durch die Rechnung wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigt. Rund jeder dritte Befragte (31 Prozent) gab dabei an, wegen der Pandemie keinen Wintersporturlaub zu planen. Zudem sind aufgrund von eingestellten Charterflügen Skigebiete wie Bulgarien für Skiurlauber aus Deutschland, Großbritannien und Israel schlecht erreichbar.

Glauben Sie, dass Winterurlaub künftig günstiger werden könnte oder sich auf andere Art durch die Corona-Pandemie wandelt?

Viele Wintersportgebiete nutzen dieses Jahr, um Angebote und Produkte zu optimieren. Zum Beispiel wurden beim Stubaier Gletscher zwölf Millionen Euro in zwei neue Bergbahnen investiert. Das größte Gletscherskigebiet Österreichs in Tirol, mit 110 Kilometer Pisten und 26 Liften, investiert aber nicht nur in Infrastruktur, sondern auch in Serviceangebote zum Beispiel für Familien. Hierbei zeigt sich auch, dass Angebote durchaus günstig sein können. So wurde im Dezember das Hotel McTirol eröffnet. Das ehemalige Designhotel Cube wirbt mit günstigen Angeboten ab 39 Euro pro Person und Nacht. Für unterschiedliche Zielgruppen finden sich so unterschiedliche Angebote je nach Bedürfnis und Preisbereitschaft. Auch Winterurlaub auf dem Bauernhof ist ein Trend, da sich viele Höfe direkt an der Piste oder in Wintersportorten befinden und Ausflüge für Langläufer, Schneeschuhwanderer oder Tourengeher anbieten. Viele Betriebe spezialisieren sich auf Wellness- und Gesundheitsangebote wie etwa Heubäder. Von einem generellen Trend, dass Skiurlaub günstiger wird, kann allerdings nicht ausgegangen werden.

Können sich die Ski-Urlaubsregionen von der Krise erholen?

Tourismus ist insgesamt eine der am stärksten betroffenen Branchen der Corona-Pandemie. Eine Prognose ist hier schwer möglich. Zudem hatten viele deutsche Skiorte bereits im letzten Jahr durch mangelnden Schnee kein gutes Jahr. Daher hoffen alle touristischen Anbieter auf ein baldiges Ende des Lockdowns und auf Perspektiven. Zum Beispiel ist in deutschen Mittelgebirgen wie im Harz der Dezember einer der umsatzstärksten Monate für Hotelbetreiber und Gastronomie. Im Moment gibt es seit Wochen kaum noch Buchungen außer von Geschäftsreisenden. Bei vielen wird die Lage trotz Überbrückungshilfen kritisch, wenn das noch zwei bis drei Monate so weitergeht. Viele hoffen auf einen Nachfrageschub wie im Sommer. Allgemein verbreitet die Tourismusbranche Optimismus, um durch Insolvenzszenarien Mitarbeiter oder mögliche Gäste nicht zu verunsichern.

Welche Urlaubsregionen könnten im Winter vielleicht sogar von der Pandemie profitieren?

Durch die Bundesregierung unerwünscht, aber dennoch möglich, sind Reisen ins Ausland, beispielsweise in die Karibik nach Kuba oder Barbados. Es sind allerdings Quarantänepflichten bei Rückkehr nach Deutschland einzuhalten, wenn es sich dabei um ein Risikogebiet handelt. Perspektivisch werden Flugziele wie Griechenland, Spanien, Portugal und die Türkei gefragt sein. Diese Reiseziele könnten sich schnell wieder erholen und sind häufig auch wirtschaftlich stark abhängig vom Tourismus. Der Trend zu erdgebundenen Reisen wird sich zudem fortsetzen.

Reisegutscheine zählen jedes Jahr zu den beliebten Weihnachtsgeschenken, glauben Sie, dass das auch dieses Jahr so sein kann?

Aufgrund von wechselnden Beschränkungen, Bestimmungen und Quarantänepflichten wird das Buchungsverhalten kurzfristiger. Die Erfahrung der letzten Monate hat auch gezeigt, dass Gutscheine für abgesagte Reisen kaum Anklang beim Kunden fanden. Lediglich zehn bis 20 Prozent der Verbraucher akzeptierten die Gutscheine laut dem Deutschen Reiseverband (DRV). Daher bleibt abzuwarten, ob deutschen Verbrauchern die Lust an Reisegutscheinen als Weihnachtsgeschenk nicht erst einmal vergangen ist. Dennoch ist gerade der Winter die Zeit, wo man sich mit der Reiseplanung fürs nächste Jahr beschäftigt und dafür auch Geld einplant oder zurücklegt. Viele haben eine große Sehnsucht zu reisen und werden dies bestimmt auch wieder tun, wenn es möglich ist.   

Raten Sie dazu, Gutscheine zu verschenken? Was passiert mit den Gutscheinen, wenn beispielsweise der Reiseanbieter oder das Hotel bis zum Reiseantritt pleite ist?

Ich rate nicht grundsätzlich von Reisegutscheinen ab, da diese den touristischen Unternehmen ein Stück weit Liquidität verschaffen und durch die Krise helfen. Touristische Nachfrager wie Anbieter haben ein Interesse daran, dass sich der Markt schnell wieder erholt, da ein verknapptes Angebot bei hoher Nachfrage, wenn sich die Lage beruhigt hat, zwangsläufig zu höheren Preisen führen dürfte. Es wird Insolvenzen geben, wahrscheinlich auch mehr als sonst. Aber es wird nicht mit massiven Ausfällen gerechnet, sofern wieder gereist werden kann. Auch die Politik zeigt sich optimistisch. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß sagte erst kürzlich, dass die Branche "einen Boom erleben wird, wenn wieder sicheres Reisen möglich ist". Der Wunsch nach Reisen, persönlichen Begegnungen und andere Länder und Kulturen kennenzulernen, werde so stark sein wie schon lange nicht mehr.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Prof. zur Oven-Krockhaus. 

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