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Brand in Moria: Merkel und Macron fordern Aufnahme von 400 Minderjährigen

Nach Brand in Flüchtlingscamp  

Merkel und Macron wollen 400 Minderjährige aus Moria aufnehmen

10.09.2020, 19:53 Uhr | dpa

Erneut brennt es im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos

Erneut loderten Flammen in dem überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Erste unbegleitete Minderjährige wurden ausgeflogen. (Quelle: Reuters)

Katastrophe auf Lesbor: Erneut ist im Flüchtlingslager Moria ein Feuer ausgebrochen. (Quelle: Reuters)


Nach dem verheerenden Brand in dem Flüchtlingslager in Moria haben sich Berlin und Paris auf eine gemeinsame Lösung geeinigt: 400 Minderjährige sollen von der Europäischen Union aufgenommen werden. 

Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron wollen nach dem Großfeuer im griechischen Flüchtlingslager Moria zusammen mit anderen EU-Ländern 400 unbegleitete Minderjährige aufnehmen.

Merkel sagte am Donnerstag bei einer Diskussion in der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, sie habe eine entsprechende Bitte an den griechischen Regierungschef Kyriakos Mitsotakis gerichtet.

Die Zahl 400 gilt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin für alle teilnehmenden Länder – wie viele davon Deutschland übernehmen würde, stand am Donnerstag zunächst aber nicht fest, wie es hieß.

460 unbegleitete Kinder hat Deutschland bereits aufgenommen

Deutschland hat bereits mehr als 460 unbegleitete Kinder, kranke Kinder und ihre Angehörigen aus den Flüchtlingslagern von den Inseln aufgenommen. Weitere Aufnahmen kranker Kinder sind bereits in Vorbereitung. Die nun zwischen Merkel und Macron zugesagte Aufnahme unbegleiteter Minderjähriger, die von den griechischen Behörden nun auf das Festland gebracht wurden, soll unabhängig davon stattfinden.

Die griechische Regierung hat unterdessen einer schnellen Verlegung weiterer Flüchtlinge nach dem Großfeuer im Lager Moria eine Absage erteilt und gezielte Brandstiftung als Auslöser der Katastrophe festgestellt. Zugleich wurden bis Donnerstag schon 400 Minderjährige, die ohne Begleitung ihrer Eltern unterwegs sind, von der Insel Lesbos in die Hafenstadt Thessaloniki geflogen.

Bundesregierung betont zuvor, auf Hilfe in Moria zu setzen

Der stellvertretende Migrationsminister Giorgos Koumoutsakos schloss aber aus, dass auch erwachsene Migranten die Insel verlassen dürfen. Im Nachrichtensender Skai sagte er: "Wer denkt, er könne zum Festland und dann nach Deutschland reisen, der soll es vergessen."

Über die Frage, ob Deutschland notfalls auch im Alleingang und ohne Beteiligung anderer EU-Staaten mehr Migranten von den griechischen Inseln aufnehmen könnte, wurde in Berlin seit Mittwoch gestritten. Die Bundesregierung hatte betont, auf Hilfe vor Ort zu setzen und sich mit Griechenland und den EU-Partnern abzustimmen. Auch aus der Union waren aber Stimmen laut geworden, die mehr Aufnahmen forderten – beispielsweise vom griechischen Festland, um die Lage zu entspannen. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) fordert, dass Deutschland vorangehen und 2.000 Migranten aufnehmen soll.

Pro Asyl: Handeln, als wären es Tausende europäische Touristen

Pro Asyl verlangt nach dem Brand eine Luftbrücke nach Deutschland und in andere europäische Länder. Jetzt müssten die gleichen Maßnahmen ergriffen werden, "wie wenn sich über 10.000 europäische Touristinnen und Touristen in akuter Gefahr befänden", fordert die Organisation. Es müssten Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen, die Versorgung sichergestellt und medizinisches Personal eingeflogen werden.

Nach Angaben von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die Bundesregierung Soforthilfe auf Lesbos leisten. Dafür könnte beispielsweise das Technische Hilfswerk auf der Insel eingesetzt werden, sagte Heil im Sender Phoenix. Auf der griechischen Insel verbrachten Tausende Menschen die erste Nacht nach dem Großbrand auf den Straßen rund um das zerstörte Lager Moria. Es gab Zusammenstöße mit der Polizei, Tränengas wurde eingesetzt. Ein Teil der Menschen soll in den nächsten Tagen zunächst auf Schiffen unterkommen.

Abgeordnete verlangten Aufnahme von 5.000 Menschen

In einem Brief an Innenminister Horst Seehofer (CSU) forderten 16 Unions-Bundestagsabgeordnete die Aufnahme von 5.000 anerkannten Flüchtlingen vom griechischen Festland. Einer der Unterzeichner des Briefes, der menschenrechtspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Brand (CDU), betonte im SWR, dass es sich um Flüchtlinge handeln müsse, die bereits ein Asylverfahren in Griechenland durchlaufen haben.

Das Lager Moria war in der Nacht zum Mittwoch bei mehreren zeitgleichen Bränden fast vollständig zerstört worden. Statt der vorgesehenen 3.000 Migranten waren dort mehr als 12.000 Menschen untergebracht. Nach Angaben der griechischen Regierung haben Migranten den Großbrand gelegt.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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