Nachrichten
Wir sind t-online

Mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten berichten rund um die Uhr fĂŒr Sie ĂŒber das Geschehen in Deutschland und der Welt.

Corona-Alarm in Europa – auch bald in Deutschland?

dpa, Julia Naue, Emilio Rappold und Gisela Gross

Aktualisiert am 20.09.2020Lesedauer: 4 Min.
Barcelona: Auch in der spanischen KĂŒstenmetropole gelten strenge Regeln. Doch die geselligen Spanier werden nachlĂ€ssiger, was private Treffen anbelangt.
Barcelona: Auch in der spanischen KĂŒstenmetropole gelten strenge Regeln. Doch die geselligen Spanier werden nachlĂ€ssiger, was private Treffen anbelangt. (Quelle: ZUMA Wire/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Seit Wochen steigen in Frankreich und Spanien die Infektionszahlen. Obwohl die Corona-Regeln dort teils sogar strenger sind als in Deutschland, ist die Lage deutlich angespannter. Woran liegt das?

Es hĂ€tte so schön sein können: Nach dem Ende der AusgangsbeschrĂ€nkungen begann die Reisezeit. Auf nach Mallorca oder an die CĂŽte d'Azur. Doch dann sprach die Bundesregierung eine Reisewarnung nach der anderen fĂŒr Regionen in Spanien und Frankreich aus – in Spanien gilt sie mittlerweile fĂŒr das ganze Land. Die Corona-Neuinfektionen schnellten in beiden LĂ€ndern in die Höhe. Auch in Deutschland steigt zwar die Zahl der neuen FĂ€lle, dennoch scheint es deutlich besser zu laufen als in Frankreich und Spanien. Wie kann das sein?


Fotoshow: Die Chronik der Pandemie

November/Dezember 2019: In der chinesischen Millionenmetropole Wuhan treten erstmals FĂ€lle einer unbekannten Lungenerkrankung auf. Am 31. Dezember wird die Weltgesundheitsorganisation informiert.
Am 15. Januar gibt es die erste bestĂ€tigte Infektion mit dem neuartigen Virus außerhalb Chinas: Ein Fall in Thailand wird bekannt.
+41

Kleine Details entscheiden mit ĂŒber den Verlauf der Pandemie

Christian Drosten schaut aufmerksam auf die Entwicklung in anderen EU-LĂ€ndern. In Deutschland mĂŒsse man sich klarmachen, "dass wir, wenn wir die Kurven ĂŒbereinanderlegen, etwas hinterherhinken hinter Spanien und Frankreich und England", sagte Drosten, Leiter der Virologie an der CharitĂ©, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Er betonte, "dass wir uns aber auch nicht vormachen sollten, dass sich das bei uns alles ganz anders entwickelt. Wir machen auch jetzt nicht sehr viele Sachen sehr anders".

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Mann auf Kirmes in LĂŒdenscheid erschossen – TĂ€ter flĂŒchtig
Polizisten auf der LĂŒdenscheider Kirmes: Hier ist ein Mann getötet worden.


"Es gibt ein paar Details, die vielleicht bei uns anders sind als in SĂŒdeuropa. Unsere Haushalte sind hĂ€ufig kleiner, wir haben mehr Einpersonenhaushalte", sagt Drosten. Es gebe weniger Mehr-Generationen-Familien, in denen das Virus ĂŒber die Altersgrenzen sehr leicht verbreitet werde. "Das sind sicher Unterschiede. Aber ansonsten ist Deutschland nicht viel anders als diese europĂ€ischen NachbarlĂ€nder. Darum mĂŒssen wir da sehr vorsichtig sein und sehr genau beobachten, wie es jetzt weitergeht."

Fiesta statt Siesta: Soziale BrÀuche tragen zur Ausbreitung bei

Seit Wochen rĂ€tseln und diskutieren die Spanier: Warum sind das Land und vor allem seine Hauptstadt Madrid nach dem erfolgreichen Kampf gegen Corona inzwischen wieder zu Epizentren der Pandemie in Europa geworden? Einschließlich nachgemeldeter FĂ€lle gibt es seit Wochen jeden Tag landesweit 10.000 und auch mehr Neuinfektionen.

Dabei gelten Vorsichtsmaßnahmen, die so drastisch sind wie kaum sonst wo in Europa. Etwa die strenge Maskenpflicht auch im Freien, die praktisch von allen eingehalten wird. "Verweigerer" sieht man kaum. Warum also? Die Behörden haben einige Antworten parat, die die Malaise zum Teil erklĂ€ren. Es werde viel mehr getestet, deshalb gebe es auch mehr positive Ergebnisse, heißt es. Hinzu komme eine grĂ¶ĂŸere MobilitĂ€t als zum Ende der AusgangsbeschrĂ€nkungen.


Mehr Tests, mehr Freiheiten – das gilt aber auch fĂŒr andere LĂ€nder. Anders ist dagegen: die Fiesta. Die kontaktfreudigen und partywĂŒtigen Spanier seien vor allem bei Privattreffen sowie bei dem Besuch von Bars, Restaurants und Nachtlokalen "nachlĂ€ssiger" geworden, meinten viele Expertinnen und Experten und auch MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez ĂŒbereinstimmend. "Unsere sozialen BrĂ€uche und Gewohnheiten spielen bei der Ausbreitung des Virus eine entscheidende Rolle", schrieb auch die Zeitung "La Vanguardia".

Barcelona: Auch in der spanischen KĂŒstenmetropole gelten strenge Regeln. Doch die geselligen Spanier werden nachlĂ€ssiger, was private Treffen anbelangt.
Barcelona: Auch in der spanischen KĂŒstenmetropole gelten strenge Regeln. Doch die geselligen Spanier werden nachlĂ€ssiger, was private Treffen anbelangt. (Quelle: ZUMA Wire/imago-images-bilder)

Zu viel Fiesta, zu wenig Siesta, meint auch der angesehene spanische Genforscher Salvador Macip von der UniversitÀt Leicester in England. Vor allem im Sommer seien die Spanier mehr als andere Menschen einfach darauf programmiert, zusammenzukommen und "viel zu sozialisieren". Aber auch die Behörden in Spanien haben Fehler gemacht. So litt das System zur Nachverfolgung der Infektionsketten lange unter Personalmangel. Neue EinschrÀnkungen der Bewegungsfreiheit wurden in Hotspots oft zu spÀt beschlossen.

Frankreichs Lage ist ernst: Intensivbetten im SĂŒden knapp

In Frankreich schaut man etwas irritiert nach Deutschland, wo es schon wieder so viel besser zu laufen scheint. Im westlichen Nachbarland hat die Zahl der tÀglichen Corona-Neuinfektionen wie in Spanien bereits die 10.000er-Marke geknackt. Zum Vergleich: In Deutschland erreichte die Zahl Mitte September zwar ihren Höchststand seit April, lag aber mit gut 2.000 noch deutlich unter den Werten anderer EU-LÀnder.

In StĂ€dten wie Marseille, Bordeaux oder Paris ist die Lage besonders ernst. Allerdings testet auch Frankreich deutlich mehr als noch im FrĂŒhjahr. Die Zahl der Corona-Toten steigt nicht massiv an, die Auslastung der KrankenhĂ€user wird zwar mit Sorge betrachtet – ist aber insgesamt zumindest landesweit noch auf einem recht niedrigen Niveau. Im SĂŒden werden allerdings die Intensivbetten knapp.

Marseille: Frankreich testet inzwischen deutlich mehr als im FrĂŒhjahr. Die tĂ€glichen Neuinfektionen liegen bei ĂŒber 10.000.
Marseille: Frankreich testet inzwischen deutlich mehr als im FrĂŒhjahr. Die tĂ€glichen Neuinfektionen liegen bei ĂŒber 10.000. (Quelle: ZUMA Wire/imago-images-bilder)

Der Mediziner und frĂŒhere Gesundheitsdirektor William Dab kritisierte im "Journal de Dimanche", dass Premier Jean Castex zuletzt keine wirklich starken Maßnahmen angekĂŒndigt habe, sondern nur Anpassungen. Castex wolle das Leben mit dem Virus und dem Wirtschafts- und Schulleben aussöhnen. Die Strategie Frankreichs ist immer noch nicht klar definiert – hatte man im FrĂŒhjahr noch eindeutig auf den zentralisierten Staat gesetzt und dieselben strengen AusgangsbeschrĂ€nkungen fĂŒr alle verhĂ€ngt, nimmt die Regierung jetzt die Regionen in die Pflicht.

So verkĂŒndeten die Behörden in Bordeaux, Marseille und Nizza nach Aufforderung der Regierung zuletzt strengere Maßnahmen – konkret sind das etwa EinschrĂ€nkungen beim Alkoholkonsum auf öffentlichen PlĂ€tzen. Nizza und Lyon sind als nĂ€chstes gefordert. Generell sind die Regeln auch in Frankreich teils strenger als in Deutschland – so gilt in vielen StĂ€dten Ă€hnlich wie in Spanien eine Maskenpflicht im Freien. Außerdem ist die Maske bei der Arbeit Pflicht. Doch es lĂ€uft auch einiges deutlich laxer.

Frankreichs Corona-App "lÀcherlicher Flop"

Frankreich testet ReiserĂŒckkehrer weniger umfangreich als Deutschland – eine QuarantĂ€ne- und Testpflicht gilt nur fĂŒr einige ausgewĂ€hlte LĂ€nder. Auch bei der Nachverfolgung hapert es. Die Corona-Tracking-App "StopCovid" ist – das muss man so deutlich sagen – ein Flop. Sie wurde mehr als zwei Millionen Mal runtergeladen und hat weniger als 200 Mal angeschlagen, was sogar von offizieller Seite als "lĂ€cherlich" bezeichnet wird. In Restaurants und Bars gibt es keine Formulare, um KontaktfĂ€lle zu identifizieren.

Weitere Artikel


Ähnlich wie in Spanien infizieren sich vor allem JĂŒngere mit dem Virus. Auch hier geht man davon aus, dass zu viel gefeiert wird. In den französischen Medien merkt man außerdem an, dass der Mindestabstand in Frankreich bei einem Meter liegt – nicht wie in Deutschland bei 1,50 Meter. Und zur BegrĂŒĂŸung gehören eigentlich die Bise – also KĂŒsschen – dazu. Auch wenn sich die Französinnen und Franzosen bemĂŒhen: Das berĂŒhmte KĂŒsschen wegzulassen, fĂ€llt schwer.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
BarcelonaBundesregierungChristian DrostenDeutsche Presse-AgenturDeutschlandEUEuropaFrankreichMadridMallorcaMarseilleParisSpanien
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website