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Klingbeil ├╝ber Lauterbach: "Es rattert bei ihm im Kopf"

Von Nina Jerzy

Aktualisiert am 07.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Lars Klingbeil bei Markus Lanz (Archivbild): Der SPD-Chef erkl├Ąrte den Verzug bei Waffenlieferungen.
Lars Klingbeil bei Markus Lanz (Archivbild): Der SPD-Chef erkl├Ąrte den Verzug bei Waffenlieferungen. (Quelle: teutopress/imago-images-bilder)
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SPD-Chef Klingbeil hat auch erst aus dem Fernsehen von Lauterbachs Kehrtwende bei der Isolationspflicht erfahren. Lanz fragt: Wusste wenigstens der Kanzler Bescheid? Und wo bleiben die Panzer f├╝r die Ukraine?

Auf Karl Lauterbach (SPD) ist f├╝r Markus Lanz immer noch Verlass. W├Ąhrend der Hochphase der Corona-Pandemie hatte der damals einfache SPD-Gesundheitsexperte dazu beigetragen, die einst oft bel├Ąchelte Late-Night-Talkshow im ZDF zu einer viel beachteten politischen B├╝hne zu machen. Also lie├č es sich der Moderator am Mittwoch nicht nehmen, am Tag nach der Isolationspflicht-├ťberraschung den SPD-Parteichef Lars Klingbeil zu fragen: Wann haben Sie davon erfahren? Klingbeil war kein Spielverderber: "Heute morgen, als ich von Ihrer Sendung gelesen habe." Er habe bei der Fraktionssitzung am Dienstag aber bei dem Parteifreund schon so ein Gef├╝hl gehabt. "Da hab' ich gemerkt, es rattert bei ihm im Kopf", sagte Klingbeil.

Die G├Ąste

  • Lars Klingbeil, SPD-Chef
  • Alexander Rodnyansky, ├ľkonom

Er verteidigte die abrupte Kurskorrektur Lauterbachs. "Ich glaube, dass es richtig ist, auch als Politiker zu zeigen, dass man nachdenkt, dass man korrigiert, dass man in der Lage ist, Dinge zu ├╝berdenken." Das gelte umso mehr f├╝r turbulente Zeiten wie diese. "Es ist brutal, was wir f├╝r Entscheidungen treffen m├╝ssen, wie zerrissen man ist als Politiker." War dann aber zumindest Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vorab informiert?, fragte der Moderator. "Ich glaube nicht, dass der Gesundheitsminister eine solche Entscheidung trifft, ohne vorher andere einzuweihen", meinte der SPD-Chef.

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"Wir gewinnen diesen Krieg"

"Markus Lanz" sendete wegen der Champions League mal wieder erst ab Mitternacht und eine halbe Stunde k├╝rzer als ├╝blich. Deshalb war neben Klingbeil nur noch ein weiterer Gast geladen: Alexander Rodnyansky, wirtschaftspolitischer Berater des ukrainischen Pr├Ąsidenten Wolodymyr Selenskyj. Der ├ľkonom, der als Sch├╝ler in Deutschland gelebt hat, war vor zwei Wochen auch bei "Maybrit Illner" zu Gast gewesen. Damals schwang am Ende der Sendung Unheil mit, als Rodnyansky ank├╝ndigte, bald in seine Geburtsstadt Kiew zur├╝ckzukehren.

F├╝r "Markus Lanz" war der Assistenzprofessor von der Universit├Ąt Cambridge laut dem Gastgeber aus der ukrainischen Hauptstadt angereist. Und er zeigte sich siegesgewiss: "Wir gewinnen diesen Krieg. Wir sehen, dass die Russen abziehen." Dabei sei anfangs behauptet worden, die Ukraine habe gegen Russland keine Chance und werde keine drei Tage durchhalten.

M├Âglicherweise war dies ein subtiler Seitenhieb auf Lanz. Der hatte genauso unmittelbar vor Ausbruch des Krieges den ukrainischen Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, belehren wollen, warum deutsche Waffenlieferungen an sein bedrohtes Land keinen Sinn ergeben. Melnyk hat gerade in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit der Aussage "alle Russen sind gerade unsere Feinde" f├╝r Emp├Ârung gesorgt.

Rodnyansky ├Ąu├čerte sich ├Ąhnlich, wenn auch weniger drastisch formuliert. "Es gibt die Frage der kollektiven Verantwortung", sagte der ├ľkonom. Die russische Bev├Âlkerung sehe die Bilder von den Kriegsverbrechen aus Butscha, weigere sich jedoch zu glauben, dass der Kreml damit etwas zu tun hat.

Moralische Verantwortung f├╝r EU und Deutschland

In einer moralischen Verantwortung sieht Rodnyansky aber auch Deutschland und die Europ├Ąische Union. Beim Rohstoffembargo und Waffenlieferungen gebe es einfach zu viele Verz├Âgerungen und b├╝rokratische H├╝rden. "Wir w├╝nschen uns viel schnelleres Handeln", sagte der Pr├Ąsidentenberater ÔÇô sp├Ątestens nach den Bildern aus Butscha m├╝sse Deutschland reagieren. Offenbar sei durchaus schweres Ger├Ąt vorhanden. "Nach ├ägypten wird viel geliefert. Da fragen wir uns: Warum geht das nicht an uns?", kritisierte Rodnyansky. Die Ukraine verteidige gerade die europ├Ąische Sicherheitsordnung. Das k├Ânne von ├ägypten eher nicht behauptet werden. Der Wirtschaftsexperte wies erneut Einw├Ąnde zur├╝ck, ein Rohstoffembargo w├╝rde Russland zun├Ąchst kaum tangieren und sei deshalb angesichts der potenziell verheerenden Folgen f├╝r die Wirtschaft deshalb das Risiko nicht wert. "Nat├╝rlich w├╝rde das die Kriegsmaschine stoppen", korrigierte er auch entsprechende Aussagen Klingbeils.

Selenskyj-Berater: ├ľlembargo, sofort

Wie wichtig die Einnahmen aus dem Export f├╝r Russland seien, zeige sich bereit in dem Umstand, dass Pr├Ąsident Wladimir Putin die Lieferungen nicht einfach einstellt und so Europa massiv schadet. Russland profitiere zudem massiv von den aktuellen Preissteigerungen f├╝r Energie. Prognosen zufolge k├Ânnten die Einnahmen in diesem Jahr ein Drittel ├╝ber denen des Vorjahres liegen. Rodnyansky schlug Deutschland einen Kompromiss vor: Erst aus dem ├ľl aussteigen. Das lasse sich im Gegensatz zum russischen Gas leicht durch andere Quellen ersetzen. Hier mache Russland zudem sehr viel gr├Â├čere Gewinne als beim Gas, weshalb ein teilweiser Importstopp Russland hart treffen w├╝rde.

Warum dauert es denn so lange mit den Panzerlieferungen an die Ukraine?, wollte Lanz von Klingbeil wissen. Der erwiderte: Beim gr├Â├čten deutschen R├╝stungskonzern Rheinmetall w├╝rden 60 Panzer des Typs Marder stehen, m├╝ssten aber erst noch f├╝r den Einsatz fertiggemacht werden. Das dauere Wochen, darauf habe die Bundesregierung keinen Einfluss.

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Deutschland m├╝sse grunds├Ątzlich bei den Waffenlieferungen weiterhin darauf achten, nicht eine Schwelle zu ├╝berschreiten, ab der es von Russland als aktive Kriegspartei eingestuft werde. Dasselbe gelte f├╝r ein Eingreifen der Nato wegen eines angeblichen V├Âlkermords in Butscha. Die Bilder aus dem Kiewer Vorort zeigen nach Ansicht des SPD-Chefs, "dass Putin ein Kriegsverbrecher ist, der gr├Â├čte Kriegsverbrecher dieses Jahrhunderts". "Ich glaube, dass dieser Krieg das Ende von Putin eingel├Ąutet hat", f├╝gte Klingbeil hinzu. Der russische Pr├Ąsident habe den Widerstand der Ukraine und des Westens untersch├Ątzt.

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