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Ukraine fordert internationales Engagement gegen Getreidekrise

Von dpa, afp, jro

13.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Cem Özdemir (GrĂŒne) und Mykola Solskyj: Der Bundeslandwirtschaftminister begrĂŒĂŸte beim G7-Treffen auch seinen Kollegen aus der Ukraine.
Cem Özdemir (GrĂŒne) und Mykola Solskyj: Der Bundeslandwirtschaftminister begrĂŒĂŸte beim G7-Treffen auch seinen Kollegen aus der Ukraine. (Quelle: Bernd Weißbrod/dpa-bilder)
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Die G7 haben ĂŒber Maßnahmen gegen die durch den russischen Angriffskrieg gefĂ€hrdeten Getreidelieferungen beraten. Agrarminister Özdemir will sich offenbar persönlich ein Bild von der Lage in der Ukraine machen.

Die kriegserschĂŒtterte Ukraine nimmt Deutschland, die USA und die ĂŒbrigen fĂŒhrenden Industrienationen der G7 bei der strategisch wichtigen Getreideausfuhr dauerhaft in die Pflicht. "Viele LĂ€nder mĂŒssen sich engagieren", forderte der ukrainische Agrarminister Mykola Solskyj am Freitag in Stuttgart beim Treffen mit seinen Amtskollegen der G7-Runde. Im Alleingang sei diese Aufgabe unlösbar. Die Lage ist heikel, denn die meisten SeehĂ€fen des Krisenlandes sind blockiert.

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Deutschland hat in der Runde der G7 zurzeit den Vorsitz. Der Gruppe gehören neben der Bundesrepublik die USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan an.

Özdemir: "Hafen von Odessa muss gesichert werden"

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (GrĂŒne) sicherte als Gastgeber des zweitĂ€gigen Treffens UnterstĂŒtzung der G7-Gruppe zu. Es gehe vor allem darum, alternative Transportwege fĂŒr ukrainisches Getreide auszuloten. Er nannte den Landweg, die Schiene oder die Donau. "Der Hafen von Odessa muss gesichert werden, er darf nicht fallen." Es sei gut, wenn die Ukraine militĂ€risch erfolgreich sei. Er habe von Solskyj eine Einladung in die Ukraine angenommen. Einzelheiten dazu blieben zunĂ€chst offen.

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Protest am Schloss Hohenheim, Stuttgart: Einige Landwirte demonstrierten vor dem Treffen der G7-Agrarminister.
Protest am Schloss Hohenheim, Stuttgart: Einige Landwirte demonstrierten vor dem Treffen der G7-Agrarminister. (Quelle: Bernd Weißbrod/dpa-bilder)

Solskyj befĂŒrchtet wegen des russischen Angriffskriegs in seinem Land "große Verluste" bei der diesjĂ€hrigen Weizenernte. "Die Situation bei Mais ist ein bisschen besser", sagte er. Es gebe noch etwa 20 Millionen Tonnen Getreide aus der frĂŒheren Ernte. "Ich gehe davon aus, dass wir zusĂ€tzlich 30 bis 40 Millionen Tonnen Getreide haben werden", sagte er mit Blick auf die neue Ernte. Er brachte einen Export ĂŒber das Baltikum ins GesprĂ€ch. Es gebe dort nicht ausgelastete HĂ€fen.

Folgen fĂŒr die weltweite ErnĂ€hrungssicherheit

Der ukrainische Ressortchef Solskyj machte deutlich, dass die Frage von Getreideausfuhren seines Landes eine große Bedeutung hat. "Davon hĂ€ngen auch die Preise ab, die Verbraucher weltweit zahlen mĂŒssen in den nĂ€chsten Monaten." Özdemir betonte an der Seite von Solskyj, die ErnĂ€hrungssicherheit in Deutschland sei zwar gesichert. Das Land mĂŒsse aber Verantwortung ĂŒbernehmen, auch international.

Die Ukraine ist traditionell ein bedeutender Weizenexporteur. Die GetreidemĂ€rkte sind wegen des Kriegs weltweit angespannt, die Preise gehen nach oben. Auch die von Außenamtschefin Annalena Baerbock (GrĂŒne) gefĂŒhrte G7-Außenministerrunde beriet in WeißenhĂ€user Strand an der Ostsee darĂŒber, wie ukrainisches Getreide in die Welt gebracht werden kann. Zudem sprachen Bundeskanzler Olaf Scholz und der russische PrĂ€sident Wladimir Putin am Freitag am Telefon unter anderem ĂŒber die globale Lebensmittelversorgung, wie ein deutscher Regierungssprecher berichtete.

Özdemir: Putin setzt Hunger als Waffe ein

Özdemir warf auf dem Stuttgarter Schloss Hohenheim dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin vor, gegen die Ukraine auch einen "Wirtschaftskrieg" anzuzetteln. Der Kremlchef bediene sich einfach an den Weizenreserven der Ukraine, die als eine der Kornkammern der Welt gilt, lautet ein schon lĂ€nger geĂ€ußerter Vorwurf Özdemirs.

Treffen der G7-Umweltminister auf Schloss Hohenheim, Stuttgart: Der deutsche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Mitte r.) will offenbar bald in die Ukraine reisen.
Treffen der G7-Umweltminister auf Schloss Hohenheim, Stuttgart: Der deutsche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Mitte r.) will offenbar bald in die Ukraine reisen. (Quelle: Lukas Barth/Reuters-bilder)

Putin setze Hunger gezielt als Waffe ein, indem der Export von Weizen aus der Ukraine mit Hafenblockaden verhindert werde. "Das ist ein zynisches Spiel." Allein die HĂ€lfte des Weizens fĂŒr das World Food Programme komme aus dem Land. Die Verknappung und die Erhöhung der Preise seien eine bewusste Kriegsstrategie.

Der GrĂŒnen-Politiker schlug einen ungewöhnlich kĂ€mpferischen Ton an. "Ich freue mich, dass die Ukraine es geschafft hat, die "Moskwa" zu versenken", sagte er mit Blick auf den russischen Raketenkreuzer, das bisherige Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte. "Das ist eine gute Nachricht fĂŒr die freie Welt." Je nach Entwicklung behalte man sich weitere Sanktionsschritte vor.

Sorge vor neuem Hunger

Die Welthungerhilfe warnte anlĂ€sslich des Toptreffens vor einem "noch drastischeren Anstieg" der Zahl der Hungernden. Um das zu verhindern, mĂŒssten die Agrarminister schnellstmöglich angemessene Akuthilfen auf den Weg bringen, sagte Welthungerhilfe-Vizepolitikchef Rafael Schneider der "Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung". Der Preisanstieg fĂŒr Lebensmittel durch den Ukraine-Krieg treibe ansonsten die Zahl der Hungernden weiter in die Höhe. Derzeit litten weltweit 800 Millionen Menschen unter Hunger. Außenministerin Baerbock warnte beim Treffen an der Ostsee davor, dass sich am Himmel eine ErnĂ€hrungskrise zusammenbraue.

Umweltorganisationen riefen die G7-Runde dazu auf, das WelternÀhrungsprogramm finanziell deutlich zu stÀrken, um die Versorgung in den besonders betroffenen Regionen sicherzustellen. ErnÀhrungssicherung sei auch Friedenssicherung, teilten die Organisationen mit.

430 Millionen gegen die ErnÀhrungskrise?

Die Bundesregierung plant laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" bereits, den Kampf gegen die sich verschĂ€rfende ErnĂ€hrungskrise im Globalen SĂŒden mit einem Budget von 430 Millionen Euro zu unterstĂŒtzen. Davon seien 238 Millionen Euro fĂŒr Hilfen zum Aufbau einer nachhaltigen Landwirtschaft oder Bildungsinvestitionen bestimmt. Das Magazin beruft sich auf ein Papier des Bundesentwicklungsministeriums.

Weitere 150 Millionen Euro sind demnach fĂŒr die Sonderinitiative "Eine Welt ohne Hunger" vorgesehen und mindestens 42 Millionen als zusĂ€tzlicher deutscher Beitrag zum WelternĂ€hrungsprogramm. Nötig sei "mehr Geld fĂŒr die Hilfe, aber vor allem auch bessere Koordinierung zwischen Gebern und EmpfĂ€ngern, damit kein Land vergessen wird", sagte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) dem "Spiegel". Sie werde sich deshalb im "Trio mit Außenministerin Baerbock und Landwirtschaftsminister Özdemir" darum kĂŒmmern.

Experte warnt vor HamsterkÀufen

Angesichts der ErnĂ€hrungssicherheit in Deutschland geben Experten Entwarnung – es könnte aber zu einem Preisanstieg kommen (mehr dazu lesen sie hier). Der Agrarwissenschaftler Sebastian Hess von der UniversitĂ€t Stuttgart-Hohenheim warnte gegenĂŒber der Deutschen Presse-Agentur vor dem Anlegen unnötiger VorrĂ€te – auch Staaten könnten versuchen, eine Hamsterstrategie zu betreiben.

"Jeder Einzelne sollte vermeiden, VorrĂ€te mit Mehl anzulegen, die man realistischerweise nie braucht", riet Hess. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Freitag ist der Einfuhrpreis fĂŒr Getreide nach Deutschland infolge des Kriegs im MĂ€rz gegenĂŒber dem Vorjahresmonat um 53,6 Prozent gestiegen. Einen stĂ€rken Zuwachs habe es zuletzt im Mai 2011 mit damals 74,0 Prozent gegeben.

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Vor dem Treffen demonstrierten einige Landwirte vor dem Schloss Hohenheim mit Traktoren und einem Schriftzug "Redet mit uns, nicht ĂŒber uns". Die Konferenz wird am Samstag mit einer AbschlusserklĂ€rung und einer Pressekonferenz zu Ende gehen.

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