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Russische Armee gewinnt in Ostukraine an Boden

Von dpa
Aktualisiert am 26.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Russische Soldaten entladen Artilleriegeschosse (Archivbild): Die Offensive im Osten der Ukraine geht weiter.
Russische Soldaten entladen Artilleriegeschosse (Archivbild): Die Offensive im Osten der Ukraine geht weiter. (Quelle: Alexey Kudenko/imago-images-bilder)
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Im Osten der Ukraine werden weiter StĂ€dte mit Artillerie angegriffen. Die russische Armee gewinnt im Osten der Ukraine an Boden. PrĂ€sident Selenskyj bittet die Welt um UnterstĂŒtzung.

Im Osten der Ukraine bringen massive russische Angriffe mit Artilleriebeschuss und Luftangriffen die ukrainischen Verteidiger immer weiter in BedrĂ€ngnis. Der Beschuss auf die Großstadt Sjewjerodonezk dauerte den ganzen Mittwoch an, wie der ukrainische Generalstab mitteilte. Das Verwaltungsgebiet Luhansk im Donbass sei zu 95 Prozent von russischen Truppen erobert, sagte Gouverneur Serhij Hajdaj. Die Lage sei "extrem schlecht".


Russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine: Eine Chronologie in Bildern

Mehrere Wochen dauert der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine nun schon an. Mit jedem Tag steigt die Anzahl der Toten, Vertriebenen und zerstörten Ortschaften. Ein Überblick ĂŒber die Geschehnisse seit Beginn der Invasion. Im
21. Februar: Russlands PrÀsident Wladimir Putin erkennt die selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk im Osten der Ukraine als unabhÀngige Staaten an. Tags darauf stimmt das russische Parlament zu. Soldaten sollen in die Separatistengebiete entsandt werden.
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PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj rief deshalb die Weltgemeinschaft auf, sich eindeutiger auf die Seite seines Landes zu stellen. Er zeigte sich in einer Videoansprache enttĂ€uscht auch von den Beratungen beim Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz. "Egal, was der russische Staat tut, es gibt jemanden, der sagt: Lasst uns seine Interessen berĂŒcksichtigen", sagte Selenskyj. "Und das trotz Tausender russischer Raketen, die die Ukraine treffen. Trotz Zehntausender getöteter Ukrainer. Trotz Butscha und Mariupol".

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Russische Separatistenmilizen in Sjewjerodonezk: Aus der Stadt hat sich das ukrainische MilitĂ€r mittlerweile zurĂŒckgezogen.


Ukrainer im Osten unter Druck

Sjewjerodonezk und das benachbarte Lyssytschansk sind die letzten großen StĂ€dte, die im Gebiet Luhansk noch von ukrainischen Truppen gehalten werden. Russland will das Gebiet vollstĂ€ndig erobern, um es der so genannten Volksrepublik Luhansk zuzuschlagen. Diese hatte Moskau wenige Tage vor dem Angriff auf die Ukraine als unabhĂ€ngigen Staat anerkannt - genauso wie die Volksrepublik Donezk.

Der ukrainische Generalstab berichtete auch von Angriffen auf die Orte Berestowe, Lypowe und Nyrkowe. Diese liegen im RĂŒckraum der ukrainischen Verteidiger an der strategisch wichtigen Straße nach Bachmut. Zwar hieß es, die Attacken seien abgewehrt worden. Doch ĂŒberprĂŒfbar waren die Angaben nicht. AuslĂ€ndische Beobachter befĂŒrchten, dass mehrere ukrainische Brigaden in Sjewjerodonezk eingekesselt werden könnten.

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"In einigen Richtungen haben die russischen Gruppierungen zweifellos taktische Erfolge, das ist im Prinzip auch kein Geheimnis", sagte Olexander Motusjanyk, Sprecher des Verteidigungsministeriums, in Kiew. Es sei aber nicht richtig, von einem RĂŒckzug zu sprechen. Die ukrainische Armee versuche zu manövrieren, um ihre Position zu verbessern und wieder anzugreifen.

Als Beispiel fĂŒr die Notlage im Osten nannte Gouverneur Hajdaj die Bestattung von mindestens 150 Menschen in einem Massengrab in Lyssytschansk. Die Polizei mĂŒsse als Bestatter aushelfen. In dem Grab seien sowohl Opfer des russischen Beschusses beigesetzt worden als auch Menschen, die eines natĂŒrlichen Todes gestorben seien. Ein Video zeigte, wie Leichen in weißen SĂ€cken – jeder mit dem Namen versehen – in eine Grube geworfen wurden. Nach dem Krieg sollten die Toten ordentlich beigesetzt werden, versprach der Gouverneur.

Nato will wohl keine schwere Panzer und Jets liefern

Unter den Nato-Staaten gibt es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur informelle Absprachen zum Verzicht auf die Lieferung bestimmter Waffensysteme an die Ukraine. Wie der dpa am Mittwoch in BĂŒndniskreisen in BrĂŒssel bestĂ€tigt wurde, soll dadurch das Risiko einer direkten militĂ€rischen Konfrontation zwischen Nato-Staaten und Russland möglichst gering gehalten werden.

BefĂŒrchtet werde zum Beispiel, dass Russland die Lieferung westlicher Kampfpanzer und Kampfflugzeuge offiziell als Kriegseintritt werten könnte und dann militĂ€rische Vergeltungsmaßnahmen ergreift. Waffensysteme dieser Art wurden bislang nicht in die Ukraine geliefert.

Ein MiG-29 Kampfjet aus Belarus (Archivbild): Die Nato zögert mit der Lieferung durch Polen an die Ukraine.
Ein MiG-29 Kampfjet aus Belarus (Archivbild): Die Nato zögert mit der Lieferung durch Polen an die Ukraine. (Quelle: Viktor Tolochko/imago-images-bilder)

Fragen an Scholz in Davos: Wie hilft Berlin der Ukraine?

Selenskyj wurde am Mittwoch per Video zu einer GesprĂ€chsrunde in Davos zugeschaltet und sagte, die Ukraine werde kein Gebiet abgeben. "Die Ukraine kĂ€mpft, bis sie ihr gesamtes Territorium zurĂŒck hat."

Um die deutsche Haltung zum Krieg in der Ukraine dĂŒrfte es beim Auftritt von Bundeskanzler Scholz in Davos gehen. Deutschland wird von seinen VerbĂŒndeten in Nato und EU, aber auch von der Ukraine kritisiert, zu wenig gegen den russischen Angriff zu tun.

Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sah Scholz in der Pflicht, fĂŒr Klarheit in der deutschen Linie zu sorgen. "Es darf nicht sein, dass am Ende des Krieges die Welt Deutschland als kompletten Bremser und Looser empfindet, nur weil wir nicht in der Lage sind, zu organisieren und zu kommunizieren", sagte sie der dpa. Deutschland habe humanitĂ€re Hilfe organisiert und militĂ€risches Material und Waffen von hohem Wert geliefert.

Das bringt der Tag

Beim Weltwirtschaftsforum wird am Donnerstag auch der Kiewer BĂŒrgermeister und Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko erwartet, der ĂŒber die Lage in der ukrainischen Hauptstadt berichten wird. Ein anderer Termin lenkt den Blick auf den friedlichen Widerstand gegen Machthaber Alexander Lukaschenko in Belarus: In Aachen wird der Karlspreis an belarussische BĂŒrgerrechtlerinnen verliehen, darunter an OppositionsfĂŒhrerin Swetlana Tichanowskaja.

In Moskau berĂ€t das Oberste Gericht Russlands ĂŒber den Antrag der Generalstaatsanwaltschaft, das ukrainische Regiment "Asow" zu einer terroristischen Vereinigung zu erklĂ€ren. Die Einheit hat Verbindungen zur rechtsradikalen Szene in der Ukraine, der russischen Propaganda dient sie als Beispiel fĂŒr den Einfluss von Neonazis im Nachbarland. "Asow" ist seit Jahren in die ukrainische Nationalgarde eingegliedert. Doch das Regiment stellte viele Verteidiger von Mariupol, und diesen Gefangenen will die russische Justiz einen Prozess wegen angeblicher GrĂ€ueltaten machen.

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Von Daniel MĂŒtzel
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