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Donald Trumps Hass auf die WHO: Was steckt dahinter – was sind die Folgen?

Austrittsdatum steht  

Was hinter Trumps Hass auf die WHO steckt

Von David Ruch

08.07.2020, 15:53 Uhr
Antrag gestellt: USA wollen aus WHO austreten

Die USA haben den Antrag eingereicht, aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auszutreten. Präsident Donald Trump hatte sie als zu chinafreundlich kritisiert. (Quelle: Reuters)

"Zu chinafreundlich": Präsident Donald Trump hatte die WHO zuletzt immer wieder kritisiert, nun wollen die USA austreten. (Quelle: Reuters)


Die USA verlassen die Weltgesundheitsorganisation WHO und versetzen damit dem internationalen Kampf gegen die Corona-Pandemie einen empfindlichen Dämpfer. Warum tun sie das und was sind die Folgen?


Der Ausstieg der USA aus der Weltgesundheitsorganisation WHO wird konkret. Nachdem das Land bereits im April seine Beitragszahlungen gestoppt hat, wird es die Organisation in einem Jahr endgültig verlassen. Was sind die Hintergründe für diesen Schritt und wie sehr beschädigt das die Arbeit der WHO? Ein Überblick.

Worum geht es?

Die USA und die WHO waren in der Corona-Krise in Streit geraten. US-Präsident Trump wirft der Organisation vor, nach dem Ausbruch des Virus in China falsch reagiert zu haben. Zudem behauptet er, dass die WHO von Peking kontrolliert werde. Ende Mai kündigten die USA ihren Rückzug aus der Organisation an. Am Dienstag gab die WHO das Austrittsdatum 6. Juli 2021 bekannt.

Warum hasst Trump die WHO?

Nach Ansicht von Trump hat die WHO zu spät auf die Ausbreitung des Coronavirus reagiert. Die Organisation habe Informationen zurückgehalten, falsche Ratschläge gegeben und sich dem Druck aus Peking gebeugt, um so Chinas Verantwortung zu verschleiern. Nach Meinung Trumps trägt die WHO damit eine Mitschuld an den vielen Toten. Den US-Präsidenten ärgerten außerdem die aus seiner Sicht zu hohen Beitragszahlungen der Vereinigten Staaten: Zuletzt hatten die USA rund 15 Prozent des WHO-Budgets gestellt.

Was ist dran an den Vorwürfen?

Auch Experten zeigten sich irritiert ob des Lobes, das die WHO der Führung in Peking für ihre Krisenreaktion aussprach. Denn nach Meinung vieler hatte China den Ausbruch zu Beginn der Pandemie zu vertuschen versucht und somit eine Ausbreitung des Virus begünstigt. Andererseits weisen Experten auch darauf hin, dass die WHO auf die chinesischen Erkenntnisse über das Virus angewiesen war und sich eventuell deshalb mit Kritik zurückhielt, um die Zusammenarbeit nicht zu gefährden. Sie sehen das Agieren der WHO deshalb weniger als Folge einer chinesischen Dominanz in der Organisation, als vielmehr einer schwachen Position der WHO gegenüber ihren Geldgebern, erläutert die "Deutsche Welle". Mehr zur WHO und der Rolle Chinas erfahren Sie hier.

Gibt es noch eine andere Erklärung?

Beobachter sehen hinter Trumps Groll noch andere Beweggründe: Die Vereinigten Staaten sind das am schlimmsten von der Corona-Krise betroffene Land der Welt, jede vierte Infektion wurde in den USA registriert, jedes vierte der über 500.000 Todesopfer ist ein US-Amerikaner. Indem die US-Regierung die Weltgesundheitsorganisation zum Sündenbock erklärt, versuche sie von ihrem katastrophalen Scheitern abzulenken. Bis heute spielt der US-Präsident die Ernsthaftigkeit der Pandemie herunter und agiert in der Krise planlos.

Mit dem Abschied aus der WHO setzt Trump zudem seine außenpolitische Marschrichtung fort, die eine Abkehr von multilateralen Abkommen und Organisationen beinhaltet. Zuvor hatte er die USA bereits aus dem Pariser Klimaabkommen geführt, aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran, aus diversen Rüstungskontrollprogrammen etc. Selbst einen Austritt aus der Nato soll er bereits erwogen haben.

Was hat der Abschied der USA aus der WHO für Folgen?

Finanziell wird der Einschnitt schmerzhaft sein. Der Organisation gehen damit rund 15 Prozent ihrer jährlichen Mittel verloren. Das, so befürchten Experten, wird vor allem Projekte in ärmeren Ländern gefährden, die auf internationale Unterstützung angewiesen sind. Impfkampagnen könnten in Gefahr geraten oder Studien zur Wirksamkeit von Medikamenten.

Nicht zuletzt dürfte der Kampf gegen das Coronavirus selbst Schaden nehmen. Denn die WHO führt derzeit zahlreiche Projekte durch, die bei der Eindämmung der Pandemie helfen sollen. Insofern könnte eine Schwächung der Organisation indirekt auch die USA bedrohen.

Die anderen Mitglieder und Geldgeber könnten nun versuchen, die Etatlücke zu stopfen. Deutschland hat bereits zugesagt, seine Unterstützung in diesem Jahr auf 500 Millionen Euro aufzustocken. Im letzten Zweijahreshaushalt 2018/19 hatte Berlin rund 300 Millionen Euro an die WHO überwiesen. Frankreich will weitere rund 140 Millionen Euro beisteuern. Ein großer Teil davon soll in den Aufbau der WHO-Akademie in Lyon fließen.

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