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Mittelmeer: Rettungsschiff "Alan Kurdi" nimmt Kurs auf Malta


"Alex" ohne Erlaubnis in Italien – "Alan Kurdi" fährt nach Malta

  • Jonas Mueller-Töwe
  • Carsten Werner
Von Jonas Mueller-Töwe, Carsten Werner

Aktualisiert am 07.07.2019Lesedauer: 3 Min.
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"Alan Kurdi": Das deutsche Schiff hat zahlreiche Gerettete an Bord (Archivbild).
"Alan Kurdi": Das deutsche Schiff hat zahlreiche Gerettete an Bord (Archivbild). (Quelle: Fabian Heinz/Sea-Eye/dpa-bilder)
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Das italienische Schiff "Alex" hat mit 41 Geretteten trotz Verbots Lampedusa angesteuert. Nun nimmt das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" Kurs auf Malta. Die nächste Krise droht.

Das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" der Hilfsorganisation Sea-Eye hat am Abend die Fahrt Richtung Malta angetreten. Kurz zuvor hatte sich die italienische "Alex" über das Einfahrtsverbot in italienische Gewässer hinweg gesetzt und in Lampedusa angelegt. Die Crew der Hilfsorganisation Mediterranea erklärte den Notfall, die hygienische Situation an Bord sei unerträglich, wenig später erreichte das Schiff den Hafen, begleitet von Booten der Küstenwache. Dort warteten Einsatzkräfte der Polizei. Am späten Abend durften schließlich alle Menschen an Land gehen.

"Menschen sind keine Verhandlungsmasse"

Dann kam Bewegung in die Situation der "Alan Kurdi", die ebenfalls lange vergeblich auf eine Erlaubnis wartete, Lampedusa anlaufen zu dürfen. Das Schiff habe nun Kurs auf Malta genommen, schrieb die Hilfsorganisation Sea-Eye im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Die Crew könne nicht abwarten, bis an der Bord der Notstand herrscht. "Jetzt muss sich zeigen, ob die europäischen Regierungen die Haltung Italiens stützen." Menschen seien keine Verhandlungsmasse.

Für über 24 Stunden war zuvor dem Segelschiff "Alex" unter italienischer Flagge das Anlanden in Italien verwehrt worden. An Bord waren den Angaben zufolge 41 Geflüchtete und die Crew. Am Freitag hatte es noch geheißen, eine Verhandlungslösung zeichne sich ab. 13 Menschen, darunter schwangere Frauen, waren von der italienischen Küstenwache an Land gelassen worden. Das Schiff sollte aber Malta ansteuern.

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Migranten auf dem Boot der Hilfsorganisation Mediterranea: Trotz Verbots hat die Crew angelegt.
Migranten auf dem Boot der Hilfsorganisation Mediterranea: Trotz Verbots hat die Crew angelegt. (Quelle: Elio Desiderio/dpa-bilder)

Die Crew der Hilfsorganisation Mediterranea lehnte das ab – das Schiff sei mit so vielen Passagieren für die weitere Fahrt nach Valetta nicht ausgelegt. Eigentlich befand sich die "Alex" nur auf Beobachtungsmission, als sie die in Seenot geratenen in libyschen Gewässern aufnahm. Das Boot ist lediglich für 18 Menschen zugelassen. Die Menschen seien den Witterungsbedingungen hilflos ausgeliefert, teilte die Organisation mit. Die Fahrt nach Malta sei zu gefährlich. Bilder zeigten, wie die Crew die Personen an Bord mit Planen vor der Sonne zu schützen versuchte.

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Schon am Tag zuvor hatte sich die "Alex" bereit erklärt, die Menschen der italienischen oder maltesischen Küstenwache zu übergeben. Malta hatte zugestimmt, die Menschen aufzunehmen – allerdings nur unter der Bedingung, dass Italien die gleiche Anzahl Flüchtlinge aus Malta übernehme. Die Verhandlungen scheiterten offenbar, sodass die "Alex" schließlich ohne Erlaubnis den italienischen Hafen ansteuerte.

Sea-Eye: "Das Seerecht gilt"

Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye lag derweil noch mit 65 Migranten an Bord in internationalen Gewässern 13 Seemeilen vor der italienischen Küste. Das sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler am Mittag der Nachrichtenagentur dpa. "Wir beachten erstmal dieses Verbot", versicherte Isler. Ohne triftigen Grund werde Sea-Eye nicht dagegen verstoßen. Nach der Einfahrt der "Alex" nach Lampedusa setzte die "Alan Kurdi" dann Kurs auf Malta.

"Alan Kurdi": Das deutsche Schiff hat zahlreiche Gerettete an Bord (Archivbild).
"Alan Kurdi": Das deutsche Schiff hat zahlreiche Gerettete an Bord (Archivbild). (Quelle: Fabian Heinz/Sea-eye.org/ap-bilder)

Zuvor hatte die Crew erklärt, sich nicht von Italiens Innenminister Matteo Salvini einschüchtern zu lassen. "Das Seerecht gilt, auch wenn manche Regierungsvertreter das nicht wahrhaben wollen", schrieb die Hilfsorganisation im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Die "Alan Kurdi" hatte am Freitag die 65 Menschen in Seenot in internationalen Gewässern vor Libyen von einem Schlauchboot gerettet. Einige Stunden später nahm das Schiff Kurs auf Lampedusa.

Salvini geht auf Konfrontation mit Seehofer

Im Bundesinnenministerium war am Freitag bereits ein Brief des rechtsextremen italienischen Innenministers eingegangen. Darin drängte er Bundesinnenminister Horst Seehofer, Verantwortung für die "Alan Kurdi" zu übernehmen. Italiens Häfen blieben geschlossen. Seehofer forderte Salvini hingegen am Samstag auf, die Häfen für Rettungsschiffe zu öffnen. Salvini blieb aber bei seiner Linie.

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Dabei hatte Deutschland angeboten, Gerettete von der "Alan Kurdi" und vom Rettungsschiff "Alex" aufzunehmen – "im Rahmen einer europäisch-solidarischen Lösung", sagte Seehofer. Dafür müssten die Schiffe allerdings zuvor anlanden.

Eine per Mail an die Behörden in Rom und Valletta, der Hauptstadt Maltas, geschickte Bitte der "Alan Kurdi" um Zuweisung eines sicheren Hafens war bis Samstagvormittag ohne Antwort geblieben, sagte der Einsatzleiter. Das Segelschiff "Alex" wurde bereits einen Tag länger von Italiens Küstenwache blockiert.


Aus Solidarität mit den Seenotrettern im Mittelmeer gingen in verschiedenen deutschen Städten Tausende Menschen auf die Straße. Damit folgten sie einem Aufruf der Organisation "Seebrücke". Auch Vertreter der "Ärzte ohne Grenzen" nahmen teil. Salvini hingegen kündigte am Abend an, die Geldstrafen für Hilfsorganisationen erhöhen zu wollen, die die Häfen anlaufen.

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Verwendete Quellen
  • eigene Recherchen
  • mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP, Reuters
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