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Trump droht nach Anschlag in Saudi-Arabien – kein Treffen mit Iran ohne Bedingungen

Nach Angriff auf Öl-Anlage  

"Mit geladener Waffe" – Trump droht mit Vergeltung

16.09.2019, 07:58 Uhr | rtr, dpa, aj, pdi

 (Quelle: Reuters)
Drohnenattacke: Huthi-Rebellen bekennen sich zu Angriff auf Ölanlagen

Nach den Drohnenattacken auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien haben sich jemenitische Huthi-Rebellen zu der Tat bekannt. (Quelle: Reuters)

Brand in Abkaik: Huthi-Rebellen aus dem Jemen haben sich zu den Drohnenangriffen auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien bekannt. (Quelle: Reuters)


Die USA haben ihre Vorwürfe gegen den Iran bekräftigt. Es gebe neue Hinweise über die Flugkörper bei dem Anschlag in Saudi-Arabien. US-Präsident Trump schaltet derweil in den Angriffsmodus.

Nach den Drohnenangriffen auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien hat US-Präsident Donald Trump den Urhebern mit einem Vergeltungsschlag gedroht. Zugleich dementierte Trump am Sonntagabend (Ortszeit) auf Twitter seine eigene Aussage, dass er ohne Vorbedingungen zu einem Treffen mit der iranischen Führung bereit sei. 

Trump machte keine Angaben dazu, wen die USA für den Urheber des Angriffs halten. Er schrieb auf Twitter: "Es besteht Grund zu der Annahme, dass wir den Täter kennen." Die USA hätten gesichert und geladen, warteten aber auf eine Bestätigung und auf Angaben der saudischen Führung, wen sie für den Angriff verantwortlich mache und unter welchen Bedingungen vorgegangen werden solle.

Wenige Minuten später schrieb Trump in einem Tweet, Medienberichte, wonach er "ohne Bedingungen" zu einem Treffen mit der iranischen Führung bereit sei, seien "wie üblich" falsch. Trump selber hat mehrfach gesagt, er sei ohne Vorbedingungen zu einem solchen Treffen bereit. Erst am vergangenen Dienstag hatte auch Pompeo noch einmal betont, Trump sei zu einem Treffen ohne Vorbedingungen bereit.

Am Samstag hatte US-Außenminister Mike Pompeo den Iran für die Angriffe in Saudi-Arabien verantwortlich gemacht, obwohl sich davor die Huthi-Rebellen im benachbarten Jemen ausdrücklich dazu bekannt hatten. Sie hatten erklärt, mit zehn Drohnen die Ölanlagen Saudi-Arabiens angegriffen zu haben. Der Iran hat die US-Vorwürfe zurückgewiesen, die treibende Kraft hinter den Taten gewesen zu sein.

Der einflussreiche US-Senator und Trump-Vertraute Lindsey Graham hatte sich am Samstag dafür ausgesprochen, iranische Ölraffinerien anzugreifen. Ein solcher Schritt würde der Führung in Teheran "das Rückgrat brechen", schrieb er auf Twitter.

Trump bewilligt Freigabe von US-Ölreserven

Derweil bewilligte Trump die Freigabe nationaler Ölreserven im Falle von Engpässen. Ausgehend von dem Angriff, "der sich auf die Ölpreise auswirken könnte", habe er, falls erforderlich, die Freigabe genehmigt, schrieb Trump auf Twitter. Die Menge habe er noch nicht festgelegt, aber sie werde ausreichend sein, "um die Märkte gut zu versorgen".

Kurz zuvor hatten die USA ihren Vorwurf gegen den Iran noch untermauert. Es gebe Hinweise, dass die Flugkörper aus west-nordwestlicher Richtung und damit aus Richtung des Iran gekommen seien – und nicht aus südlicher Richtung aus dem Jemen, sagte ein US-Regierungsvertreter am Sonntag. Saudi-Arabien habe zudem darauf hingewiesen, dass es Anzeichen gebe, dass auch Marschflugkörper bei den Attacken eingesetzt worden seien. An den Ölanlagen seien 19 Einschlagspunkte gezählt worden. "Es gibt keinen Zweifel, dass der Iran dafür verantwortlich ist. Wie auch immer man das dreht, es gibt kein Entkommen. Es gibt keine anderen Kandidaten," beharrte der Regierungsvertreter auf die Anschuldigungen.

Rauch steigt über einer Fabrik in Saudi-Arabien auf: Durch Drohnen-Attacken sind Einrichtungen zur Ölproduktion erheblich beschädigt worden. (Quelle: Reuters)Rauch steigt über einer Fabrik in Saudi-Arabien auf: Durch Drohnen-Attacken sind Einrichtungen zur Ölproduktion erheblich beschädigt worden. (Quelle: Reuters)

Pompeo hatte am Samstag auf Twitter geschrieben: "Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung verübt. Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe vom Jemen kamen." Der Iran hatte das zurückgewiesen.

Ölpreis dürfte erheblich ansteigen

Bei den Angriffen waren Produktionsanlagen schwer beschädigt worden. Nach saudischen Angaben fällt bis auf weiteres die Produktion von 5,7 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) Öl pro Tag aus – das entspricht fünf Prozent der weltweiten Produktion. Einem Insider zufolge dürfte es "eher Wochen als Tage" dauern, bis die volle Kapazität wieder erreicht wird. Gleichwohl werde angesichts der hohen Lagerbestände Saudi Arabiens damit gerechnet, dass die Exporte wie üblich weiterliefen.

Experten hatten geschätzt, dass der Ölpreis am Montag zur Eröffnung der Märkte um fünf bis zehn Dollar pro Barrel ansteigen könnte – das würde einer Verteuerung zwischen etwa zehn und 20 Prozent entsprechen. 

Drohnenangriffe in Saudi-Arabien: Diese von der Europäischen Kommission zur Verfügung gestellte Falschfarbendarstellung des Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-2 zeigt die Ölraffinerie des saudischen Ölriesens Saudi Aramco.  (Quelle: European Commission/AP/dpa )Drohnenangriffe in Saudi-Arabien: Diese von der Europäischen Kommission zur Verfügung gestellte Falschfarbendarstellung des Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-2 zeigt die Ölraffinerie des saudischen Ölriesens Saudi Aramco. (Quelle: European Commission/AP/dpa )

Ruhani wirft USA Aggression vor

Irans Präsident Hassan Ruhani hatte die Vorwürfe der USA zurückgewiesen, dass sein Land für die Attacken verantwortlich sei. Die USA wollten mit ihren Vorwürfen nur davon ablenken, dass ihr Verbündeter Saudi-Arabien ständig Luftangriffe auf Jemen fliege und Menschen töte, sagte Ruhani am Sonntag. Die USA müssten eingestehen, "dass ihre Präsenz in der Region die Probleme schafft", fügte Ruhani hinzu. 

Ruhani sagte, die USA müssten sich selbst und ihre Politik verantwortlich machen. "Wenn wir wirkliche Sicherheit in der Region haben wollen, dann muss die amerikanische Aggression aufhören."


Der iranische Präsident äußerte sich kurz vor seinem Abflug Richtung Ankara, wo er am Montag die Präsidenten der Türkei und Russlands treffen will. Bei dem Gipfel soll es offiziell um die Situation in Syrien gehen. Aber auch die Drohnenangriffe und ihre Auswirkungen auf die ohnehin fragile Situation in der Region dürften zur Sprache kommen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen Reuters und dpa

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