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Iran: Satellitengesteuerte Waffe soll Kernphysiker getötet haben

Anschlag im Iran  

Satellitengesteuerte Waffe soll Kernphysiker getötet haben

07.12.2020, 05:59 Uhr | dpa, AFP, aj

Iran: Satellitengesteuerte Waffe soll Kernphysiker getötet haben. Tatort des Anschlags: Ein hochrangiger Wissenschaftler ist im Iran getötet worden. (Quelle: AP/dpa/Fars News Agency )

Tatort des Anschlags: Ein hochrangiger Wissenschaftler ist im Iran getötet worden. (Quelle: Fars News Agency /AP/dpa)

Bei einem Anschlag in der Nähe von Teheran ist ein hochrangiger Wissenschaftler getötet worden. Berichten zufolge soll dabei "künstliche Intelligenz" zum Einsatz gekommen sein.

Der Ende November ermordete Kernphysiker Mohsen Fachrisadeh wurde nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden mit einem satellitengesteuerten Maschinengewehr getötet. Die Angreifer hätten bei dem Anschlag eine "fortschrittliche Kamera und künstliche Intelligenz" genutzt, sagte der stellvertretende Kommandeur der Revolutionsgarden, Ali Fadawi, am Sonntag örtlichen Medien. Das auf einem Nissan Pickup montierte Maschinengewehr habe gezielt auf sein Gesicht "gezoomt" und 13 Schüsse abgefeuert.

Die Frau des 63-Jährigen sei dabei nicht getroffen worden, "obwohl sie nur 25 Zentimeter entfernt war", zitierte die Nachrichtenagentur Mehr Fadawi. Fachrisadeh sei in Begleitung von elf Sicherheitskräften der Revolutionsgarde gewesen. Sein Sicherheitschef sei vier Mal getroffen worden, als er sich schützend über den Wissenschaftler warf. Es seien "keine Terroristen" vor Ort gewesen, fügte Fadawi hinzu. Die Waffe sei per Satellit gesteuert worden.

Der iranische Wissenschaftler Fachrisadeh war bei einem gezielten Anschlag in der Nähe von Teheran getötet worden. Der Iran beschuldigte Israel und die Exil-Oppositionsgruppe Volksmudschaheddin, hinter dem Attentat zu stecken. Seit dem Anschlag wurden unterschiedliche Berichte über den Hergang der Tat veröffentlicht. Das iranische Verteidigungsministerium hatte zunächst erklärt, es habe einen Schusswechsel zwischen den Angreifern und Fachrisadehs Sicherheitsleuten gegeben. Später war von einer ferngesteuerten Waffe die Rede.



Das Verteidigungsministerium erklärte später in einer offiziellen Mitteilung über das Staatsfernsehen: "Wir geben hiermit den Märtyrertod von Dr. Mohsen Fachrisadeh bekannt."

Offenbar im Visier von Geheimdiensten

Der Kernphysiker war Mitglied der iranischen Revolutionsgarden und ein Experte für die Herstellung von Raketen. Nach Informationen der iranischen Nachrichtenagentur Fars sollen israelische Geheimdienste seit Jahren gewesen sein, ihn auszuschalten. Zuletzt leitete Fachrisadeh die Abteilung für Forschung und technologische Erneuerung im Verteidigungsministerium.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte ihn im Frühjahr 2018 im Zusammenhang mit einer Präsentation über das iranische Atomprogramm hervorgehoben. "Merken Sie sich diesen Namen: Fachrisadeh", sagte Netanjahu damals. Irans Außenminister Sarid appellierte nun auf Twitter insbesondere an die Europäische Union, "ihre beschämenden Doppelstandards aufzugeben und diesen Akt des Staatsterrors zu verurteilen".

Israel und der Iran sind Erzfeinde. Der Zerfall Israels und die "Befreiung Palästinas" gehören zur außenpolitischen Doktrin der Islamischen Republik. Der jüdische Staat sieht sich durch den schiitischen Iran und sein Atomprogramm in seiner Existenz bedroht. Jüngst hatte Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei Israel als "Geschwulst" bezeichnet, das mit einem Dschihad (Heiliger Krieg) der Palästinenser entwurzelt und entfernt werden müsse.

Was passiert mit dem Atomabkommen?

Unter Präsident Donald Trump hatten die USA ein internationales Abkommen, das den Iran am Bau einer Atombombe hindern soll, 2018 einseitig aufgekündigt und neue Sanktionen gegen die Regierung in Teheran verhängt. Nach einer Frist von einem Jahr, in der Teheran die anderen Vertragspartner vergeblich zur Vertragseinhaltung drängte, hatte der Iran schrittweise ebenfalls fast alle Bestimmungen des Abkommens ignoriert. Ungewiss ist, ob die USA unter dem neugewählten Präsidenten Joe Biden zum Atomdeal zurückkehren könnten.

Im Sommer hatte es eine mysteriöse Brand- und Explosionsserie im Iran gegeben. Sie betraf unter anderem eine Atomanlage. Die Ursachen blieben meist unklar. Dies bot Raum für Spekulationen – auch über Israel als möglichen Urheber.

Iranisches Militär: Tod des Wissenschaftlers ist schwerer Schlag

Die USA äußerten sich zunächst nicht zu der Ermordung. Präsident Trump leitete aber über seinen Twitter-Account unkommentiert einen Tweet des israelischen Journalisten Yossi Melman zum Tod Fachrisadehs weiter. Darin schrieb Melman, Fachrisadeh sei der Leiter des geheimen iranischen Militärprogramms gewesen und seit Jahren vom israelischen Geheimdienst Mossad gesucht worden. Sein Tod sei ein schwerer Schlag für den Iran. Melman äußerte sich in einem weiteren Tweet "verwirrt" über Trumps Retweet.

Trump fährt seit der einseitigen Aufkündigung des Atomabkommens eine Kampagne des "maximalen Drucks" mit harten Sanktionen, um den Iran zu zwingen, ein neues Abkommen mit weiter reichenden Auflagen zu verhandeln. Die Strafmaßnahmen der USA verschärften die Wirtschafts- und Finanzkrise im Iran. Teheran hat jedoch die Urananreicherung hochgefahren. Der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA verfügt der Iran nun über mehr als 2.400 Kilogramm. Im Abkommen war eine Höchstmenge von rund 200 Kilogramm vereinbart.

Vergangene Woche hatten US-Medien berichtet, hochrangige Berater hätten Trump davon abgeraten, militärisch gegen eine iranische Atomanlage vorzugehen. Die Amtszeit des abgewählten Präsidenten endet am 20. Januar. Nachfolger Biden hat in Aussicht gestellt, in das Abkommen zurückzukehren, sofern der Iran sich ebenfalls wieder an die Obergrenzen halte.

Für Verwirrung sorgte zwischenzeitlich der Sprecher der iranischen Atomorganisation AEOI mit seinem Kommentar zu ersten Todesmeldungen. "Unsere Atomwissenschaftler sind alle gesund", sagte Behrus Kamalwandi der Nachrichtenagentur Isna. Angeblich war Fachrisadeh nicht mehr Teil der AEOI, was das Dementi erklären würde.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa 

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