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Satellitengesteuerte Waffe soll Kernphysiker getötet haben

Von dpa, afp, aj

Aktualisiert am 07.12.2020Lesedauer: 3 Min.
Tatort des Anschlags: Ein hochrangiger Wissenschaftler ist im Iran getötet worden.
Tatort des Anschlags: Ein hochrangiger Wissenschaftler ist im Iran getötet worden. (Quelle: Fars News Agency/ap-bilder)
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Bei einem Anschlag in der NĂ€he von Teheran ist ein hochrangiger Wissenschaftler getötet worden. Berichten zufolge soll dabei "kĂŒnstliche Intelligenz" zum Einsatz gekommen sein.

Der Ende November ermordete Kernphysiker Mohsen Fachrisadeh wurde nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden mit einem satellitengesteuerten Maschinengewehr getötet. Die Angreifer hĂ€tten bei dem Anschlag eine "fortschrittliche Kamera und kĂŒnstliche Intelligenz" genutzt, sagte der stellvertretende Kommandeur der Revolutionsgarden, Ali Fadawi, am Sonntag örtlichen Medien. Das auf einem Nissan Pickup montierte Maschinengewehr habe gezielt auf sein Gesicht "gezoomt" und 13 SchĂŒsse abgefeuert.

Die Frau des 63-JĂ€hrigen sei dabei nicht getroffen worden, "obwohl sie nur 25 Zentimeter entfernt war", zitierte die Nachrichtenagentur Mehr Fadawi. Fachrisadeh sei in Begleitung von elf SicherheitskrĂ€ften der Revolutionsgarde gewesen. Sein Sicherheitschef sei vier Mal getroffen worden, als er sich schĂŒtzend ĂŒber den Wissenschaftler warf. Es seien "keine Terroristen" vor Ort gewesen, fĂŒgte Fadawi hinzu. Die Waffe sei per Satellit gesteuert worden.

Der iranische Wissenschaftler Fachrisadeh war bei einem gezielten Anschlag in der NĂ€he von Teheran getötet worden. Der Iran beschuldigte Israel und die Exil-Oppositionsgruppe Volksmudschaheddin, hinter dem Attentat zu stecken. Seit dem Anschlag wurden unterschiedliche Berichte ĂŒber den Hergang der Tat veröffentlicht. Das iranische Verteidigungsministerium hatte zunĂ€chst erklĂ€rt, es habe einen Schusswechsel zwischen den Angreifern und Fachrisadehs Sicherheitsleuten gegeben. SpĂ€ter war von einer ferngesteuerten Waffe die Rede.

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Das Verteidigungsministerium erklĂ€rte spĂ€ter in einer offiziellen Mitteilung ĂŒber das Staatsfernsehen: "Wir geben hiermit den MĂ€rtyrertod von Dr. Mohsen Fachrisadeh bekannt."

Offenbar im Visier von Geheimdiensten

Der Kernphysiker war Mitglied der iranischen Revolutionsgarden und ein Experte fĂŒr die Herstellung von Raketen. Nach Informationen der iranischen Nachrichtenagentur Fars sollen israelische Geheimdienste seit Jahren gewesen sein, ihn auszuschalten. Zuletzt leitete Fachrisadeh die Abteilung fĂŒr Forschung und technologische Erneuerung im Verteidigungsministerium.

Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hatte ihn im FrĂŒhjahr 2018 im Zusammenhang mit einer PrĂ€sentation ĂŒber das iranische Atomprogramm hervorgehoben. "Merken Sie sich diesen Namen: Fachrisadeh", sagte Netanjahu damals. Irans Außenminister Sarid appellierte nun auf Twitter insbesondere an die EuropĂ€ische Union, "ihre beschĂ€menden Doppelstandards aufzugeben und diesen Akt des Staatsterrors zu verurteilen".

Israel und der Iran sind Erzfeinde. Der Zerfall Israels und die "Befreiung PalĂ€stinas" gehören zur außenpolitischen Doktrin der Islamischen Republik. Der jĂŒdische Staat sieht sich durch den schiitischen Iran und sein Atomprogramm in seiner Existenz bedroht. JĂŒngst hatte Irans oberster FĂŒhrer Ajatollah Ali Chamenei Israel als "Geschwulst" bezeichnet, das mit einem Dschihad (Heiliger Krieg) der PalĂ€stinenser entwurzelt und entfernt werden mĂŒsse.

Was passiert mit dem Atomabkommen?

Unter PrĂ€sident Donald Trump hatten die USA ein internationales Abkommen, das den Iran am Bau einer Atombombe hindern soll, 2018 einseitig aufgekĂŒndigt und neue Sanktionen gegen die Regierung in Teheran verhĂ€ngt. Nach einer Frist von einem Jahr, in der Teheran die anderen Vertragspartner vergeblich zur Vertragseinhaltung drĂ€ngte, hatte der Iran schrittweise ebenfalls fast alle Bestimmungen des Abkommens ignoriert. Ungewiss ist, ob die USA unter dem neugewĂ€hlten PrĂ€sidenten Joe Biden zum Atomdeal zurĂŒckkehren könnten.

Im Sommer hatte es eine mysteriöse Brand- und Explosionsserie im Iran gegeben. Sie betraf unter anderem eine Atomanlage. Die Ursachen blieben meist unklar. Dies bot Raum fĂŒr Spekulationen – auch ĂŒber Israel als möglichen Urheber.

Iranisches MilitÀr: Tod des Wissenschaftlers ist schwerer Schlag

Die USA Ă€ußerten sich zunĂ€chst nicht zu der Ermordung. PrĂ€sident Trump leitete aber ĂŒber seinen Twitter-Account unkommentiert einen Tweet des israelischen Journalisten Yossi Melman zum Tod Fachrisadehs weiter. Darin schrieb Melman, Fachrisadeh sei der Leiter des geheimen iranischen MilitĂ€rprogramms gewesen und seit Jahren vom israelischen Geheimdienst Mossad gesucht worden. Sein Tod sei ein schwerer Schlag fĂŒr den Iran. Melman Ă€ußerte sich in einem weiteren Tweet "verwirrt" ĂŒber Trumps Retweet.

Trump fĂ€hrt seit der einseitigen AufkĂŒndigung des Atomabkommens eine Kampagne des "maximalen Drucks" mit harten Sanktionen, um den Iran zu zwingen, ein neues Abkommen mit weiter reichenden Auflagen zu verhandeln. Die Strafmaßnahmen der USA verschĂ€rften die Wirtschafts- und Finanzkrise im Iran. Teheran hat jedoch die Urananreicherung hochgefahren. Der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA verfĂŒgt der Iran nun ĂŒber mehr als 2.400 Kilogramm. Im Abkommen war eine Höchstmenge von rund 200 Kilogramm vereinbart.

Vergangene Woche hatten US-Medien berichtet, hochrangige Berater hĂ€tten Trump davon abgeraten, militĂ€risch gegen eine iranische Atomanlage vorzugehen. Die Amtszeit des abgewĂ€hlten PrĂ€sidenten endet am 20. Januar. Nachfolger Biden hat in Aussicht gestellt, in das Abkommen zurĂŒckzukehren, sofern der Iran sich ebenfalls wieder an die Obergrenzen halte.

FĂŒr Verwirrung sorgte zwischenzeitlich der Sprecher der iranischen Atomorganisation AEOI mit seinem Kommentar zu ersten Todesmeldungen. "Unsere Atomwissenschaftler sind alle gesund", sagte Behrus Kamalwandi der Nachrichtenagentur Isna. Angeblich war Fachrisadeh nicht mehr Teil der AEOI, was das Dementi erklĂ€ren wĂŒrde.

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