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Angriff auf Natans soll heftige Explosion ausgelöst haben

Atomanlage in Iran  

Angriff auf Natans soll heftige Explosion ausgelöst haben

12.04.2021, 12:10 Uhr | rtr, dpa

Angriff auf Natans soll heftige Explosion ausgelöst haben. Zentrifugen zur Urananreicherung: Im Iran gab es Probleme in der Atomanlage in Natans. (Quelle: AP/dpa/Atomic Energy Organization of Iran)

Zentrifugen zur Urananreicherung: Im Iran gab es Probleme in der Atomanlage in Natans. (Quelle: Atomic Energy Organization of Iran/AP/dpa)

Der Schaden in der iranischen Atomanlage Natans ist offenbar größer als bislang bekannt. Laut "New York Times" könnte der Angriff die Position Irans in den Atomgesprächen deutlich schwächen. 

Der Angriff auf die Atomanlage Natans im Zentraliran wird nach Informationen der "New York Times" die Urananreicherung dort um mindestens neun Monate zurückwerfen. Das berichtete das Blatt am Montag unter Berufung auf zwei höhere US-Geheimdienstmitarbeiter, die bei dem Angriff von einer israelischen Geheimdienstoperation sprachen. Demnach soll der Angriff eine heftige Explosion ausgelöst haben, als deren Folge das gesamte Stromnetz einer Untergrundanlage, wo die Zentrifugen für die Urananreicherung hergestellt werden, zerstört worden sei. Es werde mindestens neun Monate dauern, die Schäden zu beheben.

Der Angriff hat nach Einschätzung des Blattes, die Verhandlungsposition des Irans bei den Atomgesprächen in Wien erheblich geschwächt. Der Grund: Der Iran soll neue Zentrifugen zur Urananreicherung als Druckmittel eingesetzt haben.

Das iranische Staatsfernsehen hatte am Sonntag zunächst einen Zwischenfall in Natans gemeldet. Es habe ein Problem im Stromnetz der Anlage gegeben, sagte ein Sprecher der iranischen Atomenergiebehörde. Am Samstag hatte der Iran mitgeteilt, neue Zentrifugen zur Urananreicherung in Natans in Betrieb genommen zu haben.

Iran will in Atomgesprächen hart bleiben

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif bezeichnete den Angriff als Terrorakt und machte Israel dafür verantwortlich. Sarif sagte, es sei nur die Produktionslinie der älteren Zentrifugen beschädigt worden. "Die Schäden beziehen sich auf die IR-1 Zentrifuge, aber wir stellen in der Zwischenzeit bereits die IR-9 Generation her", sagte Außenamtssprecher Said Chatibsadeh am Montag. Der israelische Angriff werde die Arbeit in Natans nicht beeinträchtigen, so der Sprecher laut Nachrichtenagentur Isna.

Auch Chatibsadeh sieht in dem Angriff ein Versuch Israels, die Wiener Atomverhandlungen zu sabotieren. Aber dies werde nicht passieren. Der Iran werde an seiner Linie festhalten und darauf drängen, dass er nur dann seine technischen Verpflichtungen wieder einhalten werde, wenn die USA das Abkommen vertragsgerecht umsetzten. Dabei gehe es vor allem um die Aufhebung der US-Sanktionen, ohne die das Atomabkommen für Teheran de facto wertlos sei. Den Angriff selbst bezeichnete er als "ein Verbrechen gegen die Menschheit", weil der zu einer atomaren Katastrophe hätte führen können.

In Israel berichtete der öffentlich-rechtliche Sender Kan, der Mossad habe einen Cyberangriff gegen die Atomanlage von Natans ausgeführt. Der Sender berief sich auf Geheimdienstquellen, ließ aber offen, aus welchem Land. Der Schaden in Natans sei größer als vom Iran bekanntgegeben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte sich bei einer Veranstaltung mit Führungskräften aus Militär und Geheimdienst zwar nicht über den Zwischenfall von Natans. Er sagte jedoch: "Der Kampf gegen die Nuklearisierung des Iran ist eine gewaltige Aufgabe."

"Sie erwägen ihre Schritte vorsichtig"

Der israelische Generalstabschef Aviv Kochavi sagte am Sonntag nach Medienberichten bei einer Gedenkzeremonie für gefallene Soldaten auf dem Herzlberg in Jerusalem: "Die Aktivitäten der israelischen Armee im Nahen Osten bleiben den Feinden nicht verborgen. Sie beobachten uns, sehen unsere Fähigkeiten, und erwägen ihre Schritte vorsichtig."

Die genaue Ursache des Angriffs in Natans sowie das Ausmaß der Schäden würden noch untersucht, hieß es aus Teheran. In der Anlage wird eine neue Generation von Zentrifugen hergestellt, mit denen der Iran den Urananreicherungsprozess – derzeit bei 20 Prozent – beschleunigen und erhöhen kann.

Hochangereichertes Uran: Als hochangereichertes Uran (engl. "highly enriched uranium" oder kurz "HEU") wird Uran mit einem U-Gehalt von 20 Prozent oder mehr bezeichnet. Für Kernwaffen ist eine sehr hohe Anreicherung erforderlich, typischerweise mindestens 85 Prozent.

Laut AEOI Sprecher Behrus Kamalwandi wurde bei dem Vorfall in Natans niemand verletzt. Später wurde aber berichtet, dass der Sprecher bei der Besichtigung der Anlage gestürzt sei und mit Verletzungen am Bein und Kopf ins Krankenhaus musste.

Wiederbelebung des Atomabkommens 

Im vergangenen Jahr war in der unterirdischen Anlage nahe der Stadt Natans ein Brand ausgebrochen. Die Regierung hatte dies ebenfalls als Versuch ausgemacht, das Atomprogramm des Landes zu sabotieren.

Derzeit laufen Bemühungen zur Wiederbelebung des Atomabkommens von 2015, das verhindern soll, dass der Iran an Kernwaffen kommt. Der Iran bestreitet einen militärischen Hintergrund seiner Atomaktivitäten. Israel betrachtet das iranische Atomprogramm als eine ernsthafte Gefahr, denn der Iran verfügt über Raketen mit einer Reichweite bis zu 2.000 Kilometern, die jeden Ort Israels treffen könnten. Würden die Raketen mit Atomsprengköpfen ausgerüstet, wäre Israels Existenz ernsthaft bedroht. Teheran betont, keine Atomsprengköpfe zu besitzen und die Raketen nur im Falle eines Vergeltungsschlags einzusetzen.

Der neue US-Präsident Joe Biden hat eine Rückkehr seines Landes zu dem Vertrag in Aussicht gestellt. Bidens Vorgänger Donald Trump hatte das Abkommen aufgekündigt und Sanktionen gegen den Iran wieder eingeführt.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen Reuters, dpa

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