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Afghanistan: Berichte über zivile Opfer bei US-Drohnenangriff

Armee prüft Berichte  

Offenbar zehn zivile Opfer bei US-Angriff in Kabul

30.08.2021, 13:43 Uhr | AFP

US-Regierungskreise: Militärschlag gegen IS in Kabul

Die US-Streitkräfte haben nach Angaben aus Regierungskreisen am Sonntag in Afghanistan erneut mutmaßliche IS-Kämpfer angegriffen. Ziel des Militärschlags in der Hauptstadt Kabul sei ein Auto gewesen. (Quelle: Reuters)

Afghanistan: Die US-Streitkräfte haben nach Angaben aus Regierungskreisen erneut mutmaßliche IS-Kämpfer angegriffen. (Quelle: Reuters)


Nach dem ersten Einsatz einer Kampfdrohne hat das US-Militär einen weiteren Luftschlag in Afghanistan durchgeführt. Dabei soll es auch zivile Opfer gegeben haben.

Das US-Militär untersucht nach dem Luftangriff auf ein Auto der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Kabul Berichte über mögliche zivile Opfer. Der Einsatz habe erfolgreich eine "unmittelbare Bedrohung" für den Flughafen Kabul durch die Terroristen abgewendet, darüber hinaus würden die Ergebnisse des Luftschlags noch geprüft, heißt es in einer Stellungnahme der US-Kommandozentrale für die Region (Centcom). Der amerikanische TV-Sender CNN berichtet von neun Opfern, alle Angehörige einer Familie. Unter ihnen sollen sechs Kinder sein. Der lokale TV-Sender ToloNews sprach am Montag von mindestens zehn zivilen Opfern. 

In dem zerstörten Fahrzeug habe sich "eine große Menge Sprengstoff" befunden, "die womöglich zu weiteren Opfern führte", so das US-Militär. "Es ist nicht klar, was passiert sein könnte und wir untersuchen das weiterhin. Wir wären sehr traurig über den möglichen Tod Unschuldiger", hieß es in der Stellungnahme weiter. Der Drohnenangriff auf das Fahrzeug löste nach Centcom-Angaben Explosionsgeräusche aus. Dies belege, dass in dem Fahrzeug eine "große Menge an Sprengstoff" gewesen sei, sagte Centcom-Sprecher Bill Urban.

Der US-Drohnenangriff erfolgte nur einen Tag nach einem Vergeltungsangriff der US-Armee auf IS-K in der ostafghanischen Provinz Nangarhar, bei dem nach Pentagon-Angaben zwei Logistikexperten der islamistischen Splittergruppe getötet wurden. IS-K hatte sich zu dem verheerenden Selbstmordanschlag am Flughafen von Kabul am Donnerstag bekannt, bei dem mehr als hundert Menschen getötet wurden, darunter 13 US-Armeeangehörige.

Biden vermutete weiteren Anschlag

US-Präsident Biden sprach am Samstag von einer weiterhin hochgefährlichen Sicherheitslage in Kabul. Nach Einschätzung der US-Armeeführung sei ein weiterer Anschlag "in den nächsten 24 bis 36 Stunden sehr wahrscheinlich". Biden kündigte weitere Vergeltungsangriffe gegen IS-K an. Am Sonntag reiste der US-Präsident auf den Armeestützpunkt Dover im US-Bundesstaat Delaware, um an einer Zeremonie zum Eintreffen der Särge der bei dem Selbstmordanschlag getöteten US-Soldaten teilzunehmen.

Der afghanisch-pakistanische IS-Ableger wird für eine Reihe schwerer Anschläge in der Region in den vergangenen Jahren verantwortlich gemacht. Unter anderem töteten Kämpfer der Splittergruppe Zivilisten in Moscheen, Schulen, auf öffentlichen Plätzen und sogar in Krankenhäusern. IS-K und die Taliban, die seit zwei Wochen wieder die Macht in Afghanistan haben, folgen beide einer extremistischen sunnitischen Auslegung des Islam. Dennoch sind die beiden Gruppierungen aufs Bitterste verfeindet.

Die USA wollen bis Dienstag alle Soldaten aus Afghanistan abziehen. Die Bundeswehr hatte ihre Rettungsmission bereits am Donnerstag beendet, auch die anderen westlichen US-Verbündeten haben ihre Evakuierungsflüge aus Kabul größtenteils eingestellt.

UN-Sicherheitsrat berät über Lage in Afghanistan

Um auch in Zukunft humanitäre Einsätze in Afghanistan zu ermöglichen, wollen sich Großbritannien und Frankreich nach Angaben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei den Vereinten Nationen für die Schaffung einer "sicheren Zone" in Kabul einsetzen. Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats – Frankreich, Großbritannien, die USA, Russland und China – beraten am Montag in einer Krisensitzung über die Lage in Afghanistan.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) startete am Sonntag zu einer mehrtägigen Reise in die Türkei, nach Katar sowie in mehrere Nachbarstaaten Afghanistans, um dort über künftige Ausreisemöglichkeiten für Deutsche und schutzbedürftige Afghanen zu beraten. "Deutschlands Engagement endet nicht mit dem Abschluss der militärischen Evakuierungsmission", betonte er vor seinem Abflug.

Nach Angaben der USA haben mehr als 114.000 Menschen über die von den USA koordinierte Luftbrücke Kabul verlassen. Zahlreiche im Land zurückgebliebene Afghanen fürchten eine neue Schreckensherrschaft der Taliban wie zwischen 1996 und 2001. Die Vereinten Nationen rechnen mit bis zu einer halben Million weiteren afghanischen Flüchtlingen bis Jahresende.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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