Sie sind hier: Home > Politik > Ausland > USA >

Russland-Affäre: Sonderermittler Mueller drohte Trump mit Zwangsvorladung

US-Zeitung enthüllt  

Sonderermittler Mueller drohte Trump mit Zwangsvorladung

02.05.2018, 16:44 Uhr | pdi, t-online.de

Russland-Affäre: Sonderermittler Mueller drohte Trump mit Zwangsvorladung. Donald Trump spricht mit Journalisten: Der US-Präsident hat die Russland-Ermittlungen von Robert Mueller als "Hexenjagd" bezeichnet. (Quelle: dpa)

Donald Trump spricht mit Journalisten: Der US-Präsident hat die Russland-Ermittlungen von Robert Mueller als "Hexenjagd" bezeichnet. (Quelle: dpa)

In der Russland-Affäre hat Robert Mueller viele offene Fragen an Donald Trump. Damit der US-Präsident diese auch beantwortet, drohte der Sonderermittler Trumps Anwälten sogar mit einer Vorladung.  

Sonderermittler Robert Mueller hat US-Präsident Donald Trump nach einem Bericht der "Washington Post" mit der Vorladung vor ein Geschworenengericht gedroht. Das berichtete die Zeitung unter Berufung auf vier ungenannte Quellen. Damit sei zum ersten Mal eine solche Äußerung Muellers bekannt geworden, hieß es. "Dies ist nicht irgendein Spiel", soll Trumps damaliger leitender Rechtsanwalt, John Dowd, bei einem Treffen mit Mueller gekontert haben. "Sie verpfuschen die Arbeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten", zitierte die Zeitung Dowd. Das besagte Treffen zwischen Mueller und Trumps Anwälten fand offenbar im März statt –  im April verkündete Mueller, dass Trump aktuell keiner Straftat verdächtigt werde.

Wenige Tage nach der Entlassung des damaligen FBI-Chefs James Comey durch Trump, ernannte das Justizministerium Mueller im Mai 2017 zum Sonderermittler. Bei den Ermittlungen geht es um den Vorwurf russischer Einmischung in die US-Wahl 2016 und die Frage, ob es dabei eine Zusammenarbeit mit dem Trump-Lager gab. Trump, der durch die Untersuchung unter starkem politischen Druck steht, bestreitet dies und hat die Angelegenheit mehrfach öffentlich als "Hexenjagd" bezeichnet.

Mindestens 48 Fragen

Medienberichten zufolge verhandelt Muellers Team bereits seit vergangenem Jahr mit Trump-Anwälten über eine persönliche Befragung des Präsidenten. Anstatt einer Vorladung entschied sich Mueller offenbar, Trump eine Liste mit Fragen zu übergeben. 

Die "New York Times" veröffentlichte am Montag angeblich diese Liste. Mueller legt in seinen Untersuchungen offenbar einen Schwerpunkt auf den Verdacht der Justizbehinderung gegen Trump. Diese Schlussfolgerung legen die Fragen an den Präsidenten nahe. Trump kritisierte das Durchsickern der Fragen als "infam".

Sonderermittler Robert Mueller (l) verlässt eine Sitzung des Senatsausschusses: Mueller geht der Frage nach, ob Trump im Zuge der Russland-Ermittlungen die Justiz behindert hat. (Quelle: dpa)Sonderermittler Robert Mueller (l.) verlässt eine Sitzung des Senatsausschusses: Mueller geht der Frage nach, ob Trump im Zuge der Russland-Ermittlungen die Justiz behindert hat. (Quelle: dpa)

Ein Großteil der mindestens 48 Fragen bezieht sich der Zeitung zufolge auf die Hintergründe des Rauswurfs von Comey vor einem Jahr. Trumps Entlassung des Direktors der Bundespolizei war der Ausgangspunkt des Verdachts der Justizbehinderung. Der Präsident selbst hatte den Rauswurf mit den FBI-Ermittlungen zur Russland-Affäre begründet, also den mutmaßlichen russischen Einmischungen zugunsten Trumps in den Wahlkampf und Moskau-Kontakten des Trump-Teams.

Comey unter Druck?

Mueller fragt laut dem Bericht nach den Gründen von Comeys Entlassung und danach, wer dabei "eine "Rolle" gespielt habe. Auch erkundigt er sich nach Trumps Meinung über Comey und dessen Gesprächen mit dem FBI-Chef. Comey führt an, er habe sich von Trump unter Druck gesetzt gefühlt, die Ermittlungen gegen den früheren Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn wegen dessen Russland-Kontakten einzustellen.

Ein Teil von Muellers Fragen bezieht sich laut "New York Times" auch auf die Umstände von Flynns Entlassung im Februar 2017. Flynn musste gehen, weil er über seine Telefonate mit dem russischen Botschafter gelogen hatte.

Der Sonderermittler will demnach auch wissen, ob Trump dem Ex-Sicherheitsberater die Begnadigung angeboten hat. "Welche Anstrengungen wurden unternommen, um auf Herrn Flynn zuzugehen, um ihm Immunität oder eine mögliche Begnadigung zu gewähren?", zitierte das Blatt aus dem Fragenkatalog.

"Wann haben Sie von dem Treffen erfahren?"

Die Fragen deuten darauf hin, dass Mueller genug Indizien für den Verdacht einer Justizbehinderung durch Trump sieht. Aus ihnen geht jedoch nicht hervor, dass der Sonderermittler den Präsidenten der persönlichen Beteiligung an illegalen Machenschaften mit Moskau verdächtigen könnte. Mueller will aber wissen, ob Trump von den Russland-Verbindungen einiger seiner Mitarbeiter wusste.

So fragt der Sonderermittler nach dem brisanten Treffen von Trumps Sohn Donald junior und Schwiegersohn Jared Kushner mit einer russischen Anwältin im Juni 2016 im New Yorker Trump Tower, wie die "New York Times" berichtete. Im Vorfeld des Treffens war dem Trump-Sohn belastendes Material über Hillary Clinton, der Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, angeboten worden. "Wann haben Sie von dem Treffen im Trump Tower erfahren?", fragt Mueller der Zeitung zufolge.

Laut "New York Times" gab Muellers Team den Fragenkatalog in einem Telefonat an Trumps Anwälte weiter. Das Blatt will die Fragen von einer Quelle außerhalb des Anwaltsteams zugespielt bekommen haben. Trump bezeichnete es auf Twitter als "so infam", dass die Fragen an die Medien "durchgestochen" worden seien.

Trump reagiert auf Twitter

Der Präsident bezeichnete sich erneut als Opfer einer "Hexenjagd". Die angeblichen illegalen Absprachen mit Russland seien ein "erfundenes Verbrechen". Auch erscheine es als "sehr schwierig, die Justiz wegen eines Verbrechens zu behindern, das nie geschehen ist".

Muellers Büro gab auf Anfrage zunächst keine Stellungnahme zu dem Zeitungsbericht ab. Seit einigen Monaten steht Trumps Anwaltsteam mit dem Sonderermittler wegen einer möglichen Vernehmung des Präsidenten in Kontakt. Die Rechtsberater schienen sich jedoch bislang nicht darüber einig werden zu können, wie stark der Präsident mit Mueller kooperieren sollte.

Vor zwei Wochen holte Trump den früheren New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani in sein Anwaltsteam. Giuliani kündigte an, er wolle mit dem Sonderermittler eine Vereinbarung darüber erzielen, auf welche Art der Präsident mit den Ermittlungen kooperieren könne.

Verwendete Quellen:
  • afp, AP, dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal